Fussball-Modus
Klubs beugen sich dem Druck der Fans und verwerfen die Playoffs: «Wir können das Umfeld nicht ignorieren»

Keine Playoffs für die Super League: 12 von 20 Klubs stimmen für den «Schottischen Modus». Damit finden lange Diskussion eine Ende.

Raphael Gutzwiller
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Die YB-Fans können sich über das Nein zu den Playoffs freuen.

Die YB-Fans können sich über das Nein zu den Playoffs freuen.

Alessandro Della Valle / KEYSTONE

Am 20. Mai war die Sache noch eindeutig gewesen. 16 Klubs für, nur 4 gegen die Einführung für Playoffs in der Super League. Ein eindeutiges Votum für eine revolutionäre Idee im Schweizer Profifussball. Mutig, fanden die einen. Unfair, die anderen.

Doch nicht einmal ein halbes Jahr später sind die Klubvertreter aus der Swiss Football League anderer Meinung. An der Generalversammlung am Freitag in Bern lautet das Verdikt diesmal: 12:8 gegen Playoffs. Der entsprechende Vorstoss des FC Zürich wurde damit angenommen. Statt einem komplizierten Modus, in dem am Ende der Meistertitel in einer Best-of-Three-Serie ermittelt wird, gilt ab der kommenden Saison in der Super League nun der «Schottische Modus». An der im Mai beschlossenen Aufstockung der Liga auf zwölf Teams wurde indes nicht mehr gerüttelt.

Der Schottische Modus

Der verworfene Playoff-Modus

Der Entscheid gegen die Playoffs ist einer, den viele Fans freut. 57407 Personen haben eine Petition gegen die Einführung des revolutionären Modus unterschrieben. «Das ist eine beeindruckende Zahl, die wir natürlich zur Kenntnis genommen haben», sagt Claudius Schäfer, CEO der Swiss Football League, an einer Medienkonferenz im Anschluss an die Generalversammlung.

David Degen ändert Meinung – und düst ab

Für den Umschwung gesorgt haben denn auch insbesondere zuschauerstarke Klubs. Am Ende das Zünglein an der Waage spielte David Degen. Der Präsident des FC Basel war im Frühling noch klarer Befürworter der Playoffs, hatte sich im Vorfeld der Versammlung aber nicht mehr in die Karten blicken lassen und schliesslich für das schottische Modell gestimmt.

FC-Basel-Präsident David Degen stimmte nun doch im Sinne der Fankurven ab: nämlich gegen die Playoffs.

FC-Basel-Präsident David Degen stimmte nun doch im Sinne der Fankurven ab: nämlich gegen die Playoffs.

Urs Lindt / Freshfocus

Nach der Versammlung düste Degen im Gegensatz zu einiger seiner Amtskollegen sogleich ab und wollte nicht mit den Medien sprechen. In einer Mitteilung begründet der FCB, dass er sich in erster Linie deshalb umentschied, weil es Sicherheitsbedenken gegeben habe. «Diese Variante hat aber wohl keine Chance mehr, nicht zuletzt deshalb, weil gegenüber einer Finalissima auch Bedenken seitens der Behörden geäussert werden.» Dass Degen schliesslich mit seinem Entschluss nicht alleine verantwortlich für den Umschwung war, lag daran, dass mit Neuchâtel Xamax unerwartet ein welscher Klub nun doch gegen die Playoffs war.

Die Fans des FC St. Gallen sorgen für Stimmung und freuen sich über den neuen Modus.

Die Fans des FC St. Gallen sorgen für Stimmung und freuen sich über den neuen Modus.

Christian Merz / KEYSTONE

Der FC St. Gallen hat schon im Vorfeld der Generalversammlung bekannt gegeben, dass er anders als noch im Mai nun nicht mehr für Playoffs war. Präsident Matthias Hüppi begründet, dass er auch auf die Fans eingegangen sei. «Natürlich spielt es für uns eine grosse Rolle, dass sich unsere Basis gegen die Playoffs ausgesprochen hat. Ich als Präsident kann und will nicht ignorieren, wie die Meinungen des Umfelds des Klubs sind», so Hüppi. Nach der Versammlung im Mai sei innerhalb des Vereins die Überzeugung gewachsen, dass das schottische Modell auch in Sachen Planungssicherheit Vorteile mit sich bringt. Hüppi sagt:

«Ich finde es legitim, dass man einen Entscheid, den man gefällt hat, wieder überdenkt und zu einem anderen Schluss kommt.»

Zur Entscheidung beigetragen haben dürfte zudem auch Rückmeldungen von Behörden aus St. Gallen und Zürich, wonach am Wochenende keine Playoff-Spiele bewilligt worden wären.

Und so steht Ancillo Canepa kurz nach der Mittagszeit vor dem Hotel Schweizerhof in Bern und strahlt. Er, der grösste Gegner der Playoffs, hatte gesiegt. Der FCZ-Präsident hatte den Vorstoss für den schottischen Modus eingereicht. «Ich habe dafür kein Lobbying betrieben», sagt er selber. Hinter den Kulissen soll Canepa aber einige Fäden gezogen haben und dazu beigetragen haben, dass sich die Meinung einiger Klubvertreter ändert. «Ich war klar der Meinung, dass Playoffs für den Schweizer Fussball nicht gut gewesen wären», sagt Canepa.

Ancillo Canepa ist der grosse Sieger in der Modus-Debatte.

Ancillo Canepa ist der grosse Sieger in der Modus-Debatte.

Peter Schneider / KEYSTONE

Auch Stefan Wolf zählt zu den Siegern an diesem Freitag. Der Präsident des FC Luzern hat sich schon im Frühling gegen die Playoffs ausgesprochen. «Dieser Modus hätte nicht unserem Verständnis des Fairplay-Gedankens entsprochen», sagt er. Nun freue sich Wolf auf die grössere Liga. «Für einen Klub wie uns, der auf den eigenen Nachwuchs setzt, besteht in einer Zehnerliga schnell die Gefahr, in den Abstiegskampf zu geraten. Diese Gefahr ist in nun kleiner.»

Röstigraben: Wie gespalten ist der Schweizer Fussball?

Es kommt nicht zum Playoff-Final zwischen YB und Servette.

Es kommt nicht zum Playoff-Final zwischen YB und Servette.

Pascal Muller/Freshfocus / freshfocus

Die Modus-Frage zeigte einen Röstigraben auf. In der Deutschschweiz stimmte nur GC für, in der lateinischen Schweiz nur Xamax gegen die Playoffs. Didier Fischer, der starke Mann von Servette Genève, sagt dazu: «Die Deutschschweizer und die Romands haben bei den Fussballklubs unterschiedliche Voraussetzungen. Städte wie St. Gallen, Luzern oder Basel haben eine grosse Fanbasis und ein grosses Einzugsgebiet. Das ist in der Romandie etwas anders», so Fischer, der die Playoffs als revolutionäre Idee gesehen hätte.

Schäfer befürchtet derweil nicht, dass der Röstigraben in dieser Frage zu einem Problem wird: «In dieser Thematik gab es zwei Lager, doch ich bin sicher, dass auch die Klubs aus der lateinischen Schweiz hinter dem Entscheid stehen können.»

Claudius Schäfer, CEO der Swiss Football League.

Claudius Schäfer, CEO der Swiss Football League.

Urs Lindt / freshfocus

Mit dem definitiven Entscheid über den Modus findet eine lange Diskussion vorerst ein Ende. Schon seit nunmehr 15 Jahren wurde über die Aufstockung der Liga auf zwölf Teams diskutiert. Noch vor zwei Jahren war genau dieses schottische Modell verworfen worden, jetzt kommt es also doch. «Wir haben endlich Gewissheit und können gemeinsam in die richtige Richtung gehen», sagt Claudius Schäfer. Der Wegweiser des Schweizer Fussballs zeigt nun in Richtung Schottland.