Nations League

Fussball-Legende Ricardo Carvalho: «Schlagen wir die Schweiz, sind wir Favorit»

Ricardo Carvalho: «Für Portugal wäre es sehr wichtig, nach dem Europameistertitel weitere Trophäen zu holen. Wir spielen zu Hause, jeder erwartet, dass wir gewinnen. Der Druck ist riesig.»

Legende Ricardo Carvalho, 41, spielte für Chelsea und Real, mit Portugal wurde er Europameister. Nun fürchtet er vor dem Final Four die Schweiz. Wenn Portugal die Schweiz schlägt, hofft Carvalho auf ein Finalduell gegen England.

Ein steiniger Weg liegt vor der Schweizer Nationalmannschaft. Will man den ersten internationalen Titel gewinnen, müssen die Spieler um Xherdan Shaqiri zuerst einmal den Europameister von 2016 aus dem Weg räumen. Und wäre das an sich nicht schon eine schwierige Aufgabe, spielt Portugal im eigenen Land.

Um 20.45 Uhr steigt im Estadio do Dragao in Porto der Halbfinal der Nations League zwischen Portugal und der Schweiz. Ein brisantes Duell. 22 Mal standen sich die beiden Nationen gegenüber, 10 Mal gewann die Schweiz, 7 Mal Portugal und 5 Mal endete eine Partie unentschieden. Zuletzt trafen die beiden Kontrahenten während der Qualifikation für die WM in Russland aufeinander, beide gewannen ihr jeweiliges Heimspiel mit 2:0.

Die Zahlen unterstreichen das Gefühl, das viele Fans der Nationalmannschaft haben: Das wird eine enge Kiste. «Für mich gibt es keinen Favoriten», sagt Ricardo Carvalho, «wir haben zwar Heimvorteil und Cristiano Ronaldo wird für Portugal spielen, aber die Schweiz hat eine starke Mannschaft, ein geschlossenes Team. Ausserdem habt ihr in der Nations League bisher sehr starke Auftritte gezeigt.»

Carvalho war 2016 mit 38 Jahren ältester Spieler im Team, als Portugal 2016 erstmals Europameister wurde. Es war so etwas wie der sportliche Schlusspunkt einer grossartigen Karriere: 2004 gewann er mit Porto den Uefa-Cup und die Champions League, er wurde mit Chelsea dreimal englischer Meister, holte mit Real Madrid 2012 die Meisterschaft und den Supercup.

Der Stürmer von Benfica

Nach dem Europameistertitel folgte ein kurzes China-Abenteuer (vier Spiele für Schanghai SIPG), ehe Carvalho in Spanien im Herbst 2007 wegen Steuerhinterziehung zu sieben Monaten auf Bewährung und einer Busse von 143 000 Euro verurteilt wurde. Er scheint im Reinen mit seiner Vergangenheit. Wir treffen den Ex-Real-Spieler am Rand des Finalspiels von «Football for Friendship», einem Turnier für Kinder aus aller Welt, auf der Plaza Mayor in Madrid. «Für Portugal wäre es sehr wichtig, nach dem Europameistertitel weitere Trophäen zu holen. Wir spielen zu Hause, jeder erwartet, dass wir gewinnen. Der Druck ist riesig», sagt Portugals Fussball-Legende gegenüber dieser Zeitung.

Der grosse Vorteil von Portugal: Superstar Cristiano Ronaldo spielt nach einer kurzen Pause wieder für das Nationalteam. Auch ohne ihn qualifizierten sich die Portugiesen in einer starken Gruppe mit Italien und Polen für den Halbfinal der Nations League. Mit CR7 sind die Lusitanier noch einmal stärker. Carvalho: «Für eine solche Partie, wie jene gegen die Schweiz, brauchst du die besten Spieler, die du hast. Und Ronaldo ist ein Spieler, der in jedem Spiel den Unterschied machen kann, gerade in den wichtigen Partien blüht er auf.»

Von der Schweizer Nationalmannschaft kennt Carvalho nur einen Mann: «den Stürmer von Benfica», sagt er, weil ihm der Name von Haris Seferovic nicht in den Sinn kommt. Und dennoch weiss er, wie schwer es für Portugal gegen die Schweiz werden kann. «Wir sind Favorit, wenn wir die Schweiz schlagen. Aber das wird eine richtig harte Partie», sagt er. Sollte sich Portugal durchsetzen, hofft er auf einen Final gegen England. «Sie sind daran, eine richtig starke Mannschaft aufzubauen mit zahlreichen jungen Spielern. Sie haben zahlreiche Talente. Das wäre ein toller Final», so Carvalho.

Er selbst wird künftig wohl in Frankreich einen ersten Schritt Richtung Trainerkarriere machen. Er sei eben aus Monaco angereist und habe ein Angebot aus Marseille, lässt er unter brennender Sonne wissen. Entschieden sei noch nichts, aber vom Fussballgeschäft hat er noch nicht genug.

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