Fussball-Bundesliga
Der doppelte Haaland, Fischers Mentalitätsmonster und mysteriöse Wölfe

Gregor Kobel und Manuel Akanji surfen mit Dortmund auf der Welle des Erfolgs. Kevin Mbabu und Renato Steffen verlieren mit Wolsburg die Leaderposition. Und Gerardo Seoane erlebt mit Leverkusen eine veritable Achterbahnfahrt.

François Schmid-Bechtel
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Trotz überragender Leistung von Kevin Mbabu (rechts im Zweikampf mit dem Frankfurter Kostic) verliert Wolfsburg die Tabellenführung.

Trotz überragender Leistung von Kevin Mbabu (rechts im Zweikampf mit dem Frankfurter Kostic) verliert Wolfsburg die Tabellenführung.

Ottmar Winter/Freshfocus / Witters

Die Wölfe sind ein Mysterium. Da unterläuft dem neuen Trainer Mark van Bommel im ersten Wettbewerbsspiel ein haarsträubender Fehler. Im Pokal wechselt er einen Spieler zu viel ein. Wolfsburg verliert die Partie gegen den Regionalligisten Münster nachträglich. Normalerweise ist das der Anfang vom Ende. Aber nicht in Wolfsburg.

Die ersten vier Bundesliga-Spiele gewinnen sie und steigen am Sonntag als Leader in die Partie gegen Frankfurt und ihren Erfolgstrainer der vorangegangenen Saison, Oliver Glasner. Es ist nicht so, dass Wolfsburg den aufregendsten Fussball der Liga spielt. Aber was Stabilität und Organisation betrifft, sind sie beneidenswert gut.

Auch Frankfurt tut sich extrem schwer, um in Abschlussposition zu kommen. Trotzdem geht die Eintracht mit einem guten Djibril Sow im Mittelfeld in Führung. Der von Atalanta Bergamo ausgeliehene Stürmer Sam Lammers trifft. Aber auch Wolfsburg hat einen treffsicheren Holländer im Angriff: Wout Weghorst. Dieser trifft nach Vorarbeit des überragenden Kevin Mbabu zum 1:1-Schlussresultat. Zu wenig, um die Bayern (7:0 gegen Bochum) von der Tabellenspitze zu verdrängen.

Der doppelte Haaland gegen Urs Fischers Mentalitätsmonster

Erling Haaland erzielt gegen Union Berlin seine Saisontore sechs und sieben.

Erling Haaland erzielt gegen Union Berlin seine Saisontore sechs und sieben.

Bernd Thissen / AP

Urs Fischer ist ein Trainer, der ein grosses Augenmerk auf die Stärken des Gegners richtet. Muss er auch. Schliesslich steigen seine Unioner in mehr als der Hälfte ihrer Bundesliga-Begegnungen als Aussenseiter in die Partie. Erst recht, wenn sie in Dortmund antreten. Also, was macht Fischer? Der 55-jährige Zürcher stärkt das Zentrum, weil Dortmund für sein vertikales Spiel durch die Mitte mit Erling Haaland als Zielspieler gefürchtet ist.

Sein Antipode Marco Rose muss geahnt haben, was Fischer plant. Deshalb legt er das Spiel seiner Dortmunder extrem breit an und überrumpelt damit Union Berlin. Nati-Verteidiger Manuel Akanji, der im Moment nicht nur von Giorgio Chiellini, sondern auch von den deutschen Reportern als einer der weltbesten Innenverteidiger geadelt wird, leitet mit einem Diagonalpass auf den linken Flügel das 1:0 durch Raphael Guerreiro ein.

Auch das 2:0 der Dortmunder wird über den Flügel initiiert. Flanke von Meunier, Kopfball von Haaland: Die Partie ist eigentlich schon in der 24. Minute gelaufen. Eigentlich: Denn Dortmund hätte in den ersten vier Runden nicht neun Tore kassiert, wenn die Defensive so wunderbar funktionieren würde. Was aber weniger mit dem Schweizer Torhüter Gregor Kobel zu tun hat, der in Deutschland ein sehr hohes Standing geniesst. Nein, Dortmund ist einfach eine Spur zu euphorisch, zu stürmisch und zu verspielt für pragmatischen Resultatfussball.

Union kommt nochmals ran und Kobel sieht nicht sonderlich gut aus

Und da ist ja auch noch ein Gegner. Notabene einer mit herausragender Mentalität. Selbst nach dem Eigentor durch Friedrich (52.) zum 0:3 offenbart Union Berlin keine Zeichen von Resignation. Kruse (57.) trifft für Fischers Team vom Penaltypunkt zum 1:3. Und der eingewechselte Andreas Vogelsammer (81.) erzielt per Kopf das 2:3, wobei Kobel nicht sonderlich gut aussieht.

Auch das ist Dortmund: Offensivspektakel und zittrige Schlussphasen. Aber das Zittern dauert nicht lange. Nur zwei Minuten nach dem Anschlusstor der Berliner entscheidet Haaland mit seinem siebten Bundesligatreffer die Partie – 4:2.

Für Gerardo Seoane wird es doch noch aufregend

2:0-Führung nach 18 Minuten. Trotzdem wird es für Gerardo Seoana und seine Leverkusener ein nervenaufreibender Nachmittag in Stuttgart.

2:0-Führung nach 18 Minuten. Trotzdem wird es für Gerardo Seoana und seine Leverkusener ein nervenaufreibender Nachmittag in Stuttgart.

Weber/Freshfocus / Expa/Eibner

Alles deutet auf einen unaufgeregten Nachmittag für Gerardo Seoane. Ein Spiel, wie es sich jeder Trainer wünscht. Früh schon klar in Führung – Patrik Schick trifft in der 19. Minute zum 2:0 für Leverkusen –, dem Gegner das letzte bisschen Selbstbewusstsein und Zuversicht genommen. Deckel drauf und Tschüss Stuttgart.

Es ist ein Klassenunterschied. Aber nur bis 1:0-Torschütze Robert Andrich die Nerven verliert. Gestrecktes Bein gegen das Knie des Gegners – es muss Rot geben und es gibt Rot und Stuttgart die Möglichkeit, irgendwie zurück in die Partie zu finden. Erst recht, als Orel Mangala noch vor der Pause der Anschlusstreffer gelingt.

Nun ist Seoane also doch noch gefordert. Einerseits, weil sich seine junge Equipe von der hitzigen Atmosphäre anstecken lässt. Andererseits, um die Ordnung auf dem Platz wiederherzustellen. Und der frühere YB- und Luzern-Trainer macht das hervorragend. Er stellt die Abwehr um und Stuttgart kommt trotz Überzahl kaum zu einer Torchance.

Die aufregenden Szenen gehören Leverkusen. Und es ist der 18-jährige Shootingstar Florian Wirtz (70.), der den dritten aussichtsreichen Konter zum 3:1 nutzt. Damit bleibt Leverkusen oben dran – Platz vier.

Die Krise in Gladbach nimmt kein Ende

Duell unter Schweizer Nationalspielern: Augsburgs Stürmer Andi Zeqiri (links) gegen Mönchengladbachs Verteidiger Nico Elvedi.

Duell unter Schweizer Nationalspielern: Augsburgs Stürmer Andi Zeqiri (links) gegen Mönchengladbachs Verteidiger Nico Elvedi.

Matthias Balk / dpa

Mönchengladbach findet weiter nicht in die Spur. Dabei wurde der 3:1-Sieg vor Wochenfrist gegen Bielefeld noch als Turnaround verkauft. Am Samstag aber folgte der nächste Dämpfer: 0:1 in Augsburg. Der Nati-Verteidiger Nico Elvedi patzt, Landsmann Ruben Vargas legt formidabel für Florian Niederlechner auf und dieser lässt Goalie Sommer keine Chance.

Der Torschütze wurde für Andi Zeqiri eingewechselt, der erstmals in der Augsburger Startformation steht. Aber abgesehen von einer Szene, in der Zeqiri allein auf Sommer zulaufen kann, sich aber derart unbeholfen anstellt, dass er vor dem Abschluss vom Ball getrennt wird, fällt er nicht auf. Gladbach, das nach fünf Runden erst vier Punkte hat, fehlt Inspiration und Leichtigkeit. Auch von Denis Zakaria gehen zu wenig Impulse aus. Und Breel Embolo wird erst kurz vor Schluss eingewechselt.

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