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Freiheit, Sicherheit, Brüderlichkeit - Silvan Dillier über seinen Wechsel von BMC zu AG2R

Neu bei AG2R: Der Schweizer Strassenmeister Silvan Dillier verlässt das Team BMC

Neu bei AG2R: Der Schweizer Strassenmeister Silvan Dillier verlässt das Team BMC

Silvan Dillier fährt ab der kommenden Saison für den französischen Rennstall AG2R. Der Aargauer entschied sich für das beste «Rundumpaket». Bei AG2R kann Dillier seine Saison quasi «frei gestalten» und darf bei den ihm wichtigen Rennen auch mal auf eigene Rechnung fahren.

Die Existenz als Radprofi kann mitunter hart sein. Während die Top-Cracks wie Chris Froome, Peter Sagan oder früher Fabian Cancellara die eine oder andere Million auf dem Konto bunkern konnten, kämpft sich der Grossteil des Pelotons mehr schlecht als recht durch die Profilaufbahn. Oft hangelt man sich von Einjahresvertrag zu Einjahresvertrag. Stets in der Hoffnung, man bleibe von Stürzen, Verletzungen und Krankheiten verschont.

Und, dass man genügend gute Resultate herausfährt, die einem ein weiteres Engagement auf höchster Leistungsstufe ermöglichen. «Man ist so immer unter Druck», umschreibt Silvan Dillier dieses belastende Gefühl. Und selbst wenn die eigene Performance genügt, so ist der Rückzug des aktuellen Arbeitgebers aus dem Radsport, bekanntermassen ein volatiles Geschäft, eine dauernd lauernde Gefahr.

Vor diesem Hintergrund ist es nicht erstaunlich, dass sich Silvan Dillier vor wenigen Tagen dazu entschieden hat, einen Dreijahresvertrag beim französischen Profi-Team AG2R zu unterschreiben. «In diesem schwierigen Business gibt mir diese Vertragsdauer Sicherheit», sagt der Aargauer. Man könne so auch mal durchschnaufen und sich auf das Wesentliche konzentrieren: Rennen fahren.

Der Tour-de-Suisse-Rauswurf

Rennen fahren durfte der 27-Jährige natürlich auch schon beim US-schweizerischen BMC-Team, bei welchem er (inklusive Nachwuchs) die letzten sechs Jahre verbrachte. Doch gerade die laufende Saison zeigte, dass Dillier an Grenzen stiess. Ein Musterbeispiel war sein unerwarteter Rauswurf aus dem Kader der Tour-de-Suisse. Ausgerechnet bei jenem Rennen, welches er unbedingt fahren wollte, musste Dillier anderen, vom Management bevorzugten Fahrern den Vortritt lassen. Damit ist nun auch in Zukunft Schluss. «Ich kann bei AG2R meine Saison quasi frei gestalten», schwärmt Dillier von den neuen Perspektiven.

Bei AG2R kann Silvan Dillier seine Saison quasi frei gestalten

Bei AG2R kann Silvan Dillier seine Saison quasi frei gestalten

Zum Faktor Sicherheit gesellt sich also auch noch der der Freiheit. Für den Allrounder heisst das: Er wird an den Flandern-Klassikern im Frühjahr sicher vermehrt auf eigene Rechnung fahren dürfen. Bei AG2R steht mit dem Belgier Oliver Naesen nur ein ausgewiesener Classique-Spezialist im Kader. Dazu ist Silvan Dillier sicher auch für die Tour de France ein heisses Thema. Umso mehr, als im kommenden Jahr bereits am dritten Tag ein Team-Zeitfahren auf dem Programm steht. Bekanntermassen eine Disziplin, in welcher Silvan Dillier zu den Besten des Pelotons gehört.

Der Bardet-Faktor

AG2R benötigt diesbezüglich sicher Verstärkung, will man die Chancen des eigenen Topfahrers Romain Bardet im Kampf um den Gesamtsieg nicht kompromittieren. Apropos Bardet: Der Gesamtdritte der diesjährigen Tour ist ein alter Weggefährte von Silvan Diller, der als 20-Jähriger eine Saison für Chambéry Cyclisme Formation (CCF) fuhr. Das CCF ist das eigentliche Ausbildungszentrum des AG2R-Rennstalls. Deshalb kennt Silvan Dillier einige seiner neuen Teamkollegen aus der gemeinsamen Zeit in Chambéry. Seine Rückkehr nach Frankreich ist also letztlich auch ein Akt der Brüderlichkeit. Umso mehr, als mit Matthias Frank ein weiterer, ambitionierter Schweizer Dilliers zukünftiger Teamkollege sein wird.

Freiheit, Sicherheit, Brüderlichkeit. Selbst wenn BMC Silvan Dillier letztlich doch halten wollte. Selbst wenn er von attraktiven Arbeitgebern wie Cancellaras Ex-Team Trek umgarnt wurde. Selbst wenn eine Handvoll weitere Equipen bei Manager Armin Meier anklopften: Angelehnt an das berühmte Motto der französischen Republik – Liberté, Égalité, Fraternité – stimmte für den amtierenden Schweizer Meister das «Rundumpaket» bei AG2R schliesslich am besten.

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