Urs Fischer, worauf freuen Sie sich am meisten? «Auf die ganze Saison!» Kurz und knapp gibt der Trainer von Union Berlin zu verstehen, dass er sich einfach auf alles freut, was kommt. Der 53-Jährige ist beim Start in die 57. Bundesligasaison erst der achte Schweizer Trainer, der in dieser Traumfabrik arbeiten darf.

Und nach Martin Andermatt (1999 mit dem SSV Ulm 1846) und Marcel Koller (2006 mit dem VfL Bochum) der dritte Aufstiegstrainer. Mit dem Walliser Martin Schmidt (106 Bundesligaspiele), dem Waadtländer Lucien Favre (262) und dem Zürcher Fischer stehen erstmals drei Schweizer Trainer in der Bundesliga gleichzeitig an der Linie. Von Favre wird verlangt, dass er mit dem BVB Meister wird, von Schmidt und Fischer, dass sie mit Augsburg und Union nicht absteigen.

«Ich erwarte, dass wir von der ersten Sekunde an zeigen, dass wir unser Ziel, den Ligaerhalt, erreichen wollen», sagt Fischer. «Dass unsere Körpersprache genau das ausdrückt.» Dazu gehöre, sich schnell an die höhere Liga zu adaptieren. «Im Oberhaus werden die Fehler schneller und härter bestraft, als in der 2. Liga», sagt Fischer. «Wir müssen präzise sein in den Zuspielen, und wenn wir uns Chancen erarbeiten, sehr effizient.»

Glücklich mit der Qualität des Kaders

Am besten schon am Sonntag, wenn mit RB Leipzig gleich ein erstes grosses Kaliber nach Köpenick kommt. «Aber welcher andere Gegner wäre einfach gewesen?», fragt Fischer und gibt sich gleichwohl zuversichtlich. Er ist glücklich mit der Qualität des Kaders und lobt Manager Oliver Ruhnert: «Was wir an Transferwünschen auf dem Zettel hatten, konnten wir 1:1 umsetzen.» Elf Neue sind gekommen.

Mit Subotic, Gentner und Ujah verpflichteten die Eisernen für jede Reihe einen gestandenen Spieler mit Bundesligaerfahrung. «Damit haben wir viele überrascht», sagt Fischer, weist jedoch explizit darauf hin, dass im gewonnen Cupspiel gegen Halberstadt noch immer sechs Akteure der Aufstiegsmannschaft auf dem Platz standen. Und betont: «Klar fiebern hier alle dem Start entgegen. Für mich hat sich aber, was die Arbeit betrifft, nicht viel verändert.» Die zusätzliche Medienarbeit gehöre nun mal dazu. Allerdings: Ganz so einfach war es nicht, den Vielbeschäftigten ans Telefon zu kriegen.

«Unser Wiedersehen war herzlich»

Mit Schmidt und Favre hat Fischer seit dem Aufstieg keinen Kontakt gehabt, freut sich aber auf die Treffen. Wie in der vergangenen Saison, als er im Cup auf den BVB und Favre traf. «Unser Wiedersehen war herzlich», sagt Fischer, der einst beim FCZ als U21-Trainer eng mit Chefcoach Favre zusammengearbeitet hatte.

Schon in zwei Wochen wird er ihn im Stadion an der Alten Försterei erneut begrüssen, wenn der BVB zu Besuch kommt. Geschenke darf er sich allerdings nicht erhoffen. Denn Favre sieht sich mit einer Erwartungshaltung konfrontiert, wie nie in 28 Trainerjahren.

Er selber hat aber eingewilligt, den Meistertitel als Ziel auszurufen, nachdem für 130 Millionen Euro Hummels, Schulz, Hazard und Brandt geholt wurden. Favre räumt ein: «So viel Klasse hatte ich noch nie in einer Mannschaft.» Während nicht bekannt ist, wie hoch eine allfällige Nichtabstiegsprämie für Fischer und Schmidt wäre, haben deutsche Medien Favres Meisterbonus enthüllt: eine Million Euro.