Teammanager
Gusti Nussbaumer macht Ende Monat Schluss: Eine beispiellose Persönlichkeit auf Abschiedstour

Gusti Nussbaumer wird vor dem Anpfiff gegen Lugano gefeiert. Ende Monat hört er endgültig auf. Nach 54 Jahren.

Céline Feller
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Gusti Nussbaumer sagt Ende Monat "Adieu".

Gusti Nussbaumer sagt Ende Monat "Adieu".

Marc Schumacher / freshfocus

Die Tränen sind schon vor Anpfiff fast da. Gusti Nussbaumer muss sich zusammenreissen. Wobei jeder verstehen würde, würde er seinen Emotionen freien Lauf lassen. Denn vor diesem Spiel des FC Basel gegen Lugano, dem letzten Liga-Heimspiel in diesem Monat, da wird Gustav «Gusti» Nussbaumer verabschiedet von seinem Verein. Nach 54 Jahren. In Worten: Vierundfünfzig.

Man muss sich das mal ausmalen, was seit dem ersten Tag Nussbaumers beim FCB passiert ist. Damals, 1968, als er als B-Junior sein erstes Spiel für die Basler bestritt.

Wie die Muttenzerkurve in einem Flyer Nussbaumers zu Ehren auflistet, sind seither ein paar historische Dinge geschehen: Die Mondlandung, der Fall der Berliner Mauer, die erfolgreiche, erste Klonung eines Schafes. Ausgewählte Meilensteine, welche Nussbaumer stets als Angestellter des FCB erlebt.

Hausaufgaben mit Embolo, Sponsoring des Mannschaftsbusses

Er bekleidete in dieser langen Zeit viele Funktionen: Juniorenobmann, als welcher er die ganze Nachwuchsabteilung leitete, Transferverantwortlicher, Sportchef und schliesslich Teamcoach. Jene Rolle, welche er zuletzt und noch bis Ende August bekleiden wird.

Aber es sind nicht nur die verschiedenen Aufgaben, sondern auch die zahlreichen, bemerkenswerten Dinge, die Nussbaumer in all diesen Jahren tat, welche ihm einen beispiellosen Status eingebracht haben. Tätigkeiten, die nicht zu seiner jeweiligen Funktion gehörten, wie Breel Embolo bei den Hausaufgaben zu helfen – oder dem klammen Verein in den 80er Jahren den Teambus zu bezahlen.

Deshalb, aber noch viel mehr aufgrund seiner so herzlichen, warmen und offenen Art, die Gusti Nussbaumer jederzeit und vor allem jedem gegenüber immer an den Tag gelegt hat, wird er gegen Lugano gebührend verabschiedet und gefeiert. Nussbaumer bekommt zwei Jahreskarten auf Lebzeiten mit freier Platzwahl, ein Trikot mit der 54 für die Anzahl Jahre, die er Rotblau diente. Und eine Anzeigetafel für Spielerwechsel – sein bekanntestes Accessoire der vergangenen Jahre.

Nun wird er selbst mit 69 Jahren ausgewechselt, in die verdiente Pension. Melanie Huber übernimmt per 1. September von ihm. Bis dahin bleibt ihm eine kleine Abschiedstournee mit den Partien gegen Allschwil, den FC Zürich und den zwei Sofia-Spielen.

Ob er dann in Zürich, bei seinem letzten Spiel, heulen wird – gut möglich. Wenn er es nicht schon in der 54. Minute tat, als das ganze Stadion sich für ihn erhob und Kurve ein Transparent enthüllte mit den Worten: «Zwüsche Tiefschläg und Maischterhooch – unfassbar und doch so nooch – dangge Gusti».