Es ist nur ein kurzer Nebensatz. Aber er sagt viel aus über die Gemütslage von Nationaltrainer Vladimir Petkovic. «Vielleicht ist es gut, haben wir nur noch ein Training vor dem Spiel.» Er spricht die Worte kurz vor der Einheit am Montagabend aus. Übersetzt meint er: Zum Glück können sich nicht noch weitere Spieler verletzen.

Zwei Stunden zuvor gibt der Schweizer Fussballverband bekannt: Verteidiger Fabian Schär darf heute gegen Dänemark nicht dabei sein. Zu gross ist das Risiko nach seinem Kopf-Zusammenstoss im Georgien-Spiel. Es ist der dritte gewichtige Ausfall nach Xherdan Shaqiri und Haris Seferovic.

Fabian Schärs Zusammenprall im Spiel gegen Georgien

Schär: «Wollte unbedingt spielen»

Schärs Fall ist ein heikler. Denn die Frage stellt sich schon: War es verantwortungslos, ihn am Samstag nach dem Zusammenprall in der 27. Minute auf dem Feld zu lassen? Den Entscheid in Tiflis hat Teamarzt Damian Meli gefällt. Das Problem: Er musste innert kürzester Zeit entscheiden. Essenziell war, welche Antworten ihm der Spieler selbst gab. Hat er für kurze Zeit das Bewusstsein verloren oder nicht? Schär sagt: «Ich erinnere mich an nichts.»

So genau mag das der Verband nicht beantworten. Dieser veröffentlicht ein Communiqué. Darin wird Schär zitiert: «Ich wollte unbedingt spielen und wie immer alles für die Schweiz geben.» Teamarzt Meli dagegen lässt verlauten: «Die Rückkehr in den Sport nach einem derartigen Zusammenprall benötigt eine gewisse Zeit.

Fabian Schär ging in der ersten Halbzeit nach einem Zusammenstoss kurz K.o. und leitete später beide Treffer ein

Fabian Schär ging in der ersten Halbzeit nach einem Zusammenstoss kurz K.o. und leitete später beide Treffer ein

Üblicherweise braucht ein Spieler ein paar Tage, um schrittweise an einen Einsatz herangeführt zu werden. Diese Zeit fehlt zwischen den zwei Spielen gegen Georgien und Dänemark.» Weitere Auskünfte vom Teamarzt gibt es nicht. Der Verband möchte ihn schützen.

German Clénin ist Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Sportmedizin. Als er von CH Media erfährt, dass die Schweiz gegen Dänemark vorsichtshalber auf Schär verzichtet, reagiert er erfreut. «Das ist ein guter Entscheid.» Die Gefahr von Folgeschäden wäre wohl zu gross. Clénin sagt auch: «Ich Nachhinein betrachtet, war es wohl ein Fehler, Schär nicht auszuwechseln. Nur: Wir alle können die Szene mehrfach und verlangsamt betrachten. Diese Möglichkeit hat der Arzt direkt am Spielfeld nicht.»

Bildmaterial für Ärzte mittels iPad

Was tun? Es laufen Bestrebungen, dass künftig auch Ärzte innert kürzester Zeit Bildmaterial zur Verfügung haben. Direkt am Spielfeld mittels eines iPad. Hätte Damian Meli diese Gelegenheit gehabt, seine Entscheidung wäre wohl anders ausgefallen. Zu hoffen ist, dass sich Schär schnell erholt. Zumindest auf dem Feld gegen Georgien war von einer Beeinträchtigung nach dem Zusammenprall nichts zu sehen. Im Gegenteil. Er spielte überlegt – und er leitete gar beide Schweizer Tore ein.

Aus sportlicher Sicht löst die Absenz von Schär keine grosse Aufregung aus. Ganz einfach, weil mit Nico Elvedi ein weiterer Innenverteidiger bereitsteht, der sehr gut in Form ist. Die spannendere Frage ist: Beginnt die Schweiz gegen Dänemark bereits mit einer Dreierkette? Oder wartet Nationaltrainer Petkovic wieder ab, um eine Reaktion provozieren zu können, falls das Spiel nicht nach Wunsch verläuft?

Nico Elvedi dürfte wohl Fabian Schär ersetzen.

Nico Elvedi dürfte wohl Fabian Schär ersetzen.

Gegen Belgien und Georgien hat das Team zweimal gezeigt, wie sehr ihm dieses 3-5-2 behagt. Verteidiger Manuel Akanji erklärt die Vorzüge: «Wir Verteidiger erhalten mehr Zeit, um einen guten Pass zu spielen – weil wir eine Option mehr haben.» Es ist ohne Zweifel derzeit eine der grössten Schweizer Stärken, viele Verteidiger zu haben, die das Spiel gestalten können. Das gilt für Schär, Akanji, Elvedi – und Ricardo Rodriguez sowieso.

Petkovic: Wichtig sind nur die Punkte

Petkovic rückt indes eine andere Frage in den Mittelpunkt: «Ob mit Dreierkette oder Viererkette – Hauptsache, es gelingt uns, stets in Bewegung zu bleiben und die gut organisierten Dänen so zu knacken.» Der Nationaltrainer sagt auch vor dem Spitzenspiel der Gruppe D. «Ich bin dann zufrieden, wenn wir drei Punkte gewinnen.»

Der Auftakt in die EM-Qualifikation ist geglückt. Aber dass es gegenüber dem Georgien-Spiel noch einer Steigerung bedarf, ist sämtlichen Protagonisten klar. Granit Xhaka sagt gleichwohl: «Solange wir gewinnen, ist alles gut. Es ist eine neue Stärke der Schweiz, reagieren zu können, wenn es nicht läuft.» Beste Voraussetzungen also, um gegen Dänemark weiter an der Wiedergutmachung nach dem WM-Achtelfinal-Out gegen Schweden zu arbeiten.

Schweiz-Dänemark: Ist die Nati bereit für das Quali-Spiel?

Schweiz-Dänemark: Ist die Nati bereit für das Quali-Spiel?

Am Dienstag trifft die Schweizer Fussballnationalmannschaft in der EM-Qualifikation auf Dänemark. Trainer Vladimir Petkovic und Mittelfeldspieler Granit Xhaka nehmen Stellung zum bevorstehenden Spiel in Basel.