Interview
Ex-Kunstturner Lucas Fischer: «Ich hatte das Gefühl, ausgeschlossen zu sein»

Swiss Sports History lanciert eine neue Plattform für die Vernetzung der Schweizer Sportgeschichte. Als Botschafter vermitteln will Lucas Fischer, der ehemalige Kunstturner. Im Interview spricht er über Tipps für Kinder, Exklusion und Homosexualität.

Alessandro Crippa
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Lucas Fischer steht nun öfters als Sänger auf der Bühne.

Lucas Fischer steht nun öfters als Sänger auf der Bühne.

Screenshot instagram.com

Sie haben an der Medienkonferenz davon gesprochen, dass Sie ein sensibler Mensch sind und dass dies im Sport oft keinen Platz hat. Was werden Sie sportbegeisterten Kindern raten, wenn sie sich nicht wohlfühlen, sensibler sind als die anderen?

Es ist einfacher gesagt, als gemacht, wenn ich sage, ein Kind soll es einfach zulassen. Es ist immer eine Entwicklungsfrage. Man muss sich zuerst selbst kennenlernen, darf sich aber hierbei keine Grenzen setzen. Ich werde den Kindern versuchen aufzuzeigen, dass es nicht falsch ist, wenn sie vielleicht emotionaler sind als die anderen.

Stichwort Exklusion: Hatten Sie während Ihrer aktiven Turnkarriere auch das Gefühl, ausgeschlossen zu sein?

Ja. Ich hatte das Gefühl, ausgeschlossen zu werden, weil ich mich teilweise fremd gefühlt habe. Das hat in mir das Gefühl des Nichtdazugehörens entfacht, dass mich die anderen gar nicht so haben wollten, wie ich bin. Darum habe ich mich angefangen zu verstecken und zu verstellen. Aktiv ausgeschlossen hat mich aber nie jemand.

Inwiefern kann Sport eine Vorreiterrolle übernehmen, was die Integration betrifft?

Ich glaube, wenn es im Sport normal wird, dass man so sein oder lieben kann, wie man will, dann wird es vielen Leuten Mut machen. Es wird zur Normalität, dass man auch in Kraftsportarten, wo es reihenweise Muskelpakete gibt, sensibel oder homosexuell sein darf. Hier sollte es keine Gesetze geben.

Sie sprechen Ihre Homosexualität an. Mittlerweile sind Sie auch als Sänger unterwegs, haben den offiziellen Song zur Kunstturn-WM geschrieben. Ist es im Entertainment-Bereich einfacher, schwul zu sein?

Wenn ich ganz ehrlich bin: Ja. Es ist einfach normal, dass man das gleiche Geschlecht liebt und sich so gibt, wie man ist. Im Entertainment bist du im Gegensatz zum Sport ganz frei, hast keine Strukturen und Regeln, denen du folgen musst. Das hat auf beide Seiten natürlich Vor- und Nachteile.

Können Sie hier Brücken schlagen?

Ich versuche es. (lacht) Da ich bereits während meiner Turnkarriere mit dem Singen angefangen habe, hoffe ich, dass die beiden Bereiche auch besser mit einander vereinbar sein können.