Europa League
Die Young Boys lernen fliegen: Fünf Figuren stehen sinnbildlich für den internationalen Erfolg

Mit dem Weiterkommen in der Europa League hat YB international verblüfft. Nun wartet im Achtelfinal Ajax Amsterdam. Diese fünf Figuren stehen sinnbildlich für den Höhenflug.

Raphael Gutzwiller
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Grosser Jubel von YB nach dem Sieg im Sechzehntelfinal gegen Leverkusen.

Grosser Jubel von YB nach dem Sieg im Sechzehntelfinal gegen Leverkusen.

Bild: EPA

Endlich ein grosser Sieg für den Dominator des Schweizer Fussballs: Die Young Boys haben am Donnerstag mit ihrem beeindruckenden Auftritt in Leverkusen erstmals eine K.o.-Runde in der Europa League überstanden. Das Gesamtskore: 6:3. Der engagierte und spielerisch starke Auftritt von YB macht Lust auf mehr. Im Achtelfinal wartet mit Ajax Amsterdam ein prominenter Gegner. Gut waren bei den Berner alle, fünf Figuren stehen mit ihrem Auftritt aber sinnbildlich für den grossen internationalen Erfolg für die Young Boys. Wir stellen sie vor.

Gerardo Seoane: Der Stratege

Gibt den YB-Takt vor: Trainer Gerardo Seoane.

Gibt den YB-Takt vor: Trainer Gerardo Seoane.

Martin Meissner/AP

Der Macher des Erfolgs. Als Gerardo Seoane im Sommer 2018 bei YB ein­gestellt wird, bringt er nur gerade ein halbes Jahr Erfahrung als Profitrainer beim FC Luzern mit. Doch Seoane setzt seinen steilen Aufstieg in Bern mustergültig fort, inzwischen steht er vor seinem dritten Titelgewinn in Serie. International setzt der 42-Jährige mit dem Erfolg gegen Leverkusen ein Ausrufe­zeichen. Sein kluger Matchplan geht in beiden Partien eindrücklich auf. Im Hinspiel überrascht er den Gegner mit dem forschen Auftreten seines Teams. Im Rückspiel zeigt Seoane, dass er seine Spieler auch für defensive Aufgaben ideal einstellen kann. Durch den Erfolg gegen den Bundesligisten wird ein Wechsel nach Deutschland immer wahrscheinlicher. Ob bei Borussia Mönchengladbach oder einem anderen Bundesligisten – Seoane ist reif für den nächsten Schritt.

Christian Fassnacht: Der Gereifte

Steht wie kein anderer für das neue Selbstverständnis der Young Boys: Christian Fassnacht.

Steht wie kein anderer für das neue Selbstverständnis der Young Boys: Christian Fassnacht.

Martin Meissner/AP

Kein Spieler der Young Boys steht so sehr für die neue internationale Reife wie Christian Fassnacht. Schon seit Jahren zählt er bei YB zu den Leistungsträgern, international aber, da schien es dem Flügelspieler häufig zu schnell zu gehen. Doch Fassnacht ist reifer und nochmals besser geworden. Mittler­weile ist er 27 Jahre alt. Im Nationalteam wartet er zwar noch auf den echten Durchbruch, bei YB indes ist er längst etablierter Leader. Wer die Entwicklung von Fassnacht verfolgt, ist nicht überrascht, dass der Mittelfeldspieler, der längst auf Bundesliganiveau agiert, in der Partie in Leverkusen der beste Spieler auf dem Platz ist. Beeindruckend ist es dennoch. Er gewinnt fast jedes Duell, ist an vielen Offensivaktionen beteiligt, verteidigt mit grossem Einsatz und krönt seine überragende Vorstellung in beiden Spielen mit einem technisch schön anzusehenden Lob-Tor zum 2:0 im Rückspiel. Wohin führt der Weg des Spätzünders noch?

Sandro Lauper: Der Rückkehrer

Wundersame Rückkehr: Sandro Lauper (links) im Duell mit Leverkusens Charles Aranguiz.

Wundersame Rückkehr: Sandro Lauper (links) im Duell mit Leverkusens Charles Aranguiz.

Claudio De Capitani / freshfocus

Selbst eine Hollywood-Schnulze könnte die Geschichte nicht kitschiger erzählen. Im Sommer 2018 wechselt Sandro Lauper von Thun zu seinem Juniorenverein YB, der Bubentraum geht in Erfüllung. Schnell ist er Stammspieler, spielt Champions League. Doch dann kommen die Rückschläge. Lauper erleidet zwei Kreuzbandrisse, fällt insgesamt über 20 Monate aus. Doch er resigniert nie, kehrt Ende Januar ins Team zurück und überzeugt von der ersten Sekunde an. In sieben Einsätzen in der Liga erzielt er drei wunderschöne Treffer – seine Form präsentiert er auch gegen Leverkusen eindrücklich. Gemeinsam mit Michel Aebischer bildet er im zentralen Mittelfeld ein spiel­starkes und athletisches Duo, das dem hochgelobten Leverkusener Mittelfeld kaum Zeit zum Atmen lässt. Was für ein Aufstieg - in dieser Form bald Nationalspieler.

Cédric Zesiger: Der Souveräne

Souverän: Cedric Zesiger (rechts) im Duell mit Patrik Schick.

Souverän: Cedric Zesiger (rechts) im Duell mit Patrik Schick.

Ina Fassbender/ EPA

Als der Innenverteidiger nach dem Abstieg mit den Grasshoppers im Sommer 2019 nach Bern wechselt, fragen sich viele: Reicht sein Niveau für den Meister? Cédric Zesiger kommt zwar immer wieder zu Spielzeit, kann die Kritiker aber zu selten Lügen strafen. Diese Zeiten sind vorbei. Der 1,94m grosse Innenverteidiger zeigt im Duell gegen Leverkusen eindrücklich, wie gereift er ist. Er darf nur ran, weil Mohamed Camara gesperrt fehlt, beeindruckt aber mit einem soliden Auftritt. Neben dem ebenfalls starken Captain Fabian Lustenberger gewinnt Zesiger viele Zweikämpfe, blockt Schüsse ab, rackert – und zeigt, dass er inzwischen auf internationalem Niveau mithalten kann. Der 22-Jährige steht sinnbildlich für die europäische Entwicklung der Young Boys in dieser Saison. Am Anfang wacklig, aber je länger desto souveräner.

Jordan Siebatcheu: Der Edelreservist

Jordan Siebatcheu jubelt immer gleicht.

Jordan Siebatcheu jubelt immer gleicht.

Martin Meissner / AP

Wenn Jordan Siebatcheu jubelt, zeigt er immer die gleiche Geste: Seine beiden Zeigefinger berühren sich, die Daumen sind ausgestreckt. Damit will er die Verbindung zu seinem privaten Umfeld ausdrücken. Zu Menschen, die in den vergangenen Jahren mit ihm leiden mussten, wenn es ihm nicht lief. Bei Stade Rennes ist die Karriere des einst grossen Talents ins Stocken geraten. YB-Sportchef Christoph Spycher schlägt im letzten September zu und lotst den Stürmer als Ersatz für Guillaume Hoarau nach Bern. Auch bei YB hat er zunächst Startschwierigkeiten, ehe er immer besser in Fahrt kommt. In der Liga erzielt er in den vergangenen fünf Startelfeinsätzen acht Tore. Und ähnlich unbeeindruckt macht er auch in Europa weiter: In zwei Partien gegen Leverkusen trifft er dreimal. Bei diesen Werten überrascht es nicht, dass der gesperrte Jean-Pierre Nsame nicht vermisst wird.

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