EM-Qualifikation
Enttäuschendes Remis: Die Schweiz holt in Dublin nur ein 1:1, weil Irland kurz vor Schluss ausgleicht

Nach einer ereignisarmen, bescheidenen ersten Halbzeit dreht die Schweiz nach der Pause gegen Irland auf. Schär belohnt die Bemühungen mit dem herrlich herausgespielten Führungstreffer in der 74. Minute. Kurz vor Schluss gleicht aber McGoldrick aus und verwehrt damit den Schweizern den Sieg.

Christian Brägger
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Ricardo Rodriguez (links) kämpft mit Seamus Coleman um den Ball.
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Fabian Schär (ganz rechts) und seine Teamkollegen applaudieren den mitgereisten Schweizer Fans. Zufriedenheit sieht anders aus.
Aus Irland nur einen Punkt entführt: Die Schweiz erreicht in der EM-Qualifikation nur ein 1:1.
Ricardo Rodriguez (l.) und Seamus Coleman wollen sich nichts schenken.
War es das mit den drei Punkten? Kurz vor Schluss erzielt David McGoldrick den Treffer zum 1:1.
Remo Freuler (r.) lässt Jeff Hendrick gekonnt hinter sich.
Fussball: Irland - Schweiz (EM-Qualifikation)
Erleichtert und befreit feiert Schär (l.) seinen Treffer.
Remo Freuler (r.) und David McGoldrick im Duell um den Ball.
Die beste Chance der zweiten Halbzeit gehört dem hier eingekreisten Breel Embolo (M.) - doch dieser steht sich selbst im Weg.
Breel Embolo ärgert sich über seinen unglücklichen Ausrutscher.
Noch immer ist kein Tor gefallen, doch der Stimmung auf den Rängen tut dies keinen Abbruch.
David McGoldrick (2.v.l.) wagt einen Schuss auf das Tor der Schweizer, doch Denis Zakaria ist schnell zur Stelle und blockt den Schuss souverän ab.
Noch ist Trainer Vladimir Petkovic nicht ganz zufrieden mit seiner Mannschaft.
Doch auch David McGoldrick (M.) ist nicht allzu begeistert.
Eine erste Halbzeit zum vergessen: Nach 45. Spielminuten steht es 0:0 in Dublin.
Die Schweiz erarbeitet sich in der ersten Spielhälfte einige Chancen - doch noch musste Irlands Torhüter Darren Randolph (r.) nicht hinter sich greifen.
Haris Seferovic (l.) setzt sich gegen Shane Duffy durch, doch zurzeit bleibt dem dem Mann aus Sursee ein Tor verwehrt.
Dieses waghalsige Höhenduell bleibt nicht ohne Folgen: Kevin Mbabu (r.) bekommt den Tritt von Enda Stevens zu spüren.
In den ersten paar zähen Spielminuten heisst es «Augen zu und durch» für Kevin Mbabu (r.) und die Schweiz.
Er kommt nicht ins Straucheln, Denis Zakaria (r.) lässt sich von Irlands James McClean nicht abdrängen.
Das Bild täuscht: Nach den ersten dreissig Spielminuten ist die Schweiz mit Kevin Mbabu (l.) die klar stärkere Mannschaft.
Bereit für das grosse Spiel: Die Mitglieder der Schweizer Nationalmannschaft wärmen sich in Dublin im Aviva Stadion auf.
Xherdan Shaqiri fehlt der Nati heute. Ist sie auch ohne ihn erfolgreich?

Ricardo Rodriguez (links) kämpft mit Seamus Coleman um den Ball.

Keystone

«You’ll never beat the Irish», steht auf einer Tafel in den Katakomben des Aviva-Stadions in Dublin. «Du wirst die Iren nie besiegen.» Es soll dem Gegner wohl etwas Furcht einflössen. Und genau das gelingt. Die Schweiz findet in ihrem dritten EM-Qualifikationsspiel keinen Weg zum Sieg. Zwar sieht es kurzzeitig so aus, dank des wunderbar herausgespielten Treffers in der 74. Minute von Fabian Schär nach direktem Kombinationsspiel über fünf Stationen.

Doch weil am Ende schlecht verteidigt, Kevin Mbabu den Ball an der Seitenlinie dumm verliert und Manuel Akanji im Kopfballduell gegen David McGoldrich den Kürzeren zieht, kommen die Iren zum 1:1. Der Ausgleich ist nicht unverdient, wenngleich er einer knappen Abseitsposition entspringt und bei einem Einsatz des Video-Schiedsrichters, auf den die Uefa in der EM-Qualifikation verzichtet, nicht gezählt hätte.

Das Fazit nach dem enttäuschenden Unentschieden: Die Schweiz besteht den Charaktertest nicht. Wie gegen Dänemark wird der Sieg nach einem Vorsprung verspielt. Der Rückstand in der Tabelle auf Irland beträgt weiterhin sechs Punkte, jener auf Dänemark drei.

Start mit optischem und spielerischem Übergewicht

Der Schweizer Auftritt ist mit Spannung erwartet worden, weil es derzeit einige hausgemachte Probleme zu bekämpfen gilt. Und man hat sich gefragt, ob das alles spurlos an ihr vorübergeht, sie mental genug Stärke hat und das proklamierte «Wir-Gefühl» tatsächlich vorhanden ist.

Nationaltrainer Petkovic: «Wir waren überheblich»

Reaktionen Wie denken nach diesem 1:1 in Irland? Nachdem wie schon gegen Dänemark erneut in den letzten Minuten der Sieg vergeben wurde. Torschütze Fabian Schär sagt: «Mein Tor war zwar schön, aber ich hätte lieber die drei Punkte nach Hause genommen.» Besonders ärgert ihn, natürlich, das Gegentor. «Wir dürfen den Ball nicht verlieren. Das ist dumm von uns.»
Captain Granit Xhaka hat trotz des 1:1 einige gute Dinge gesehen. «Wir haben viele Sachen richtig gemacht. Wir waren über 90 Minuten klar die bessere Mannschaft. Wenn ich bei den Iren wäre, würde ich mich auch sehr über den Punkt freuen.» Torhüter Yann Sommer sagt: «Ich finde, wir hätten die Möglichkeiten gehabt, das Spiel früher zu entscheiden. Wir brauchten viel Geduld, hatten wenig Räume. Nach der Führung hätten wir mehr Ruhe ins Spiel bringen müssen.»
Nationaltrainer Vladimir Petkovic schliesslich sagt: «Wir hatten den Willen, den Gegner zu dominieren. Und manchmal waren wir fast überheblich.» Den Auftritt gestern korrigieren können die Schweizer ein erstes Mal am Sonntag. Dann empfängt sie Gibraltar, das gestern gegen Dänemark beim 0:6 chancenlos war. (ewu)

Dabei gelingt der Schweiz der Start in die Partie noch. Das Team von Vladimir Petkovic hat sofort ein optisches und vor allem spielerisches Übergewicht, dass schnell einmal der Gedanke aufkommt: Auch ohne den Kreativgeist Xherdan Shaqiri, dessen Absage aus freien Stücken im Vorfeld für viel Polemik gesorgt hat, sollte dieser technisch limitierte Gegner zu bezwingen sein.

Doch dann, in der 13. Minute, tauchen die Iren dank ihrer Konterstärke plötzlich gefährlich vor Yann Sommer auf – Schlimmeres kann Kevin Mbabu mit einem riskanten Tackling im Sechzehner verhindern.

Eben doch: Xherdan Shaqiri fehlt

Es ist ein erstes Signal, dass sie im heimischen Aviva-Stadion mutiger werden, das zweite gibt der euphorische Anhang, der jede gelungene Aktion lautstark bejubelt. Langsam beginnt man zu spüren, dass die Iren, mit zehn Punkten aus vier Spielen gut in die Kampagne gestartet, einen Lauf haben. Und diesen sich mit viel Kampf und Herz bewahren wollen. Die Schweizer indes bauen ab, es fehlt der Spielfluss, die Ideen, die Spannung. Und eben doch: Es fehlt Shaqiri, der aus der Ferne via Twitter Glück wünscht.

Remo Freuler verwirft bald einmal die Hände, weil Ricardo Rodriguez ihn nicht sieht, Pässe kommen nicht an, Flanken ebenfalls nicht. Die Körpersprache der Schweizer ist nicht gut, sie wirken statisch, in einer Lethargie gefangen, Erinnerungen an den WM-Achtelfinal 2018 gegen die Schweden kommen auf. Wie damals fehlt ein Weckruf, den der derzeit nicht mehr aufgebotene Leithammel Stephan Lichtsteiner früher geben konnte.

Kurzum: Es ist eine erste Halbzeit, die die Schlussphase des Dänemark-Spiels mit drei Gegentoren nicht im Ansatz vergessen machen kann. Zudem hat die Schweiz noch grosses Glück, als Rodriguez kurz vor der Pause den Ball verliert, McGoldricks Hereingabe den völlig freistehenden Mitspieler aber nicht findet.

Nur noch Kopfschütteln

In der zweiten Halbzeit wirken die Schweizer bemühter, sind aber nicht viel besser, weswegen die Diskussionen um die Mannschaft nicht kleiner werden. Als Breel Embolo nach einer Stunde Spielzeit aus aussichtsreicher Position hinfällt, bleibt für das spielerische Urteil nur Kopfschütteln.

Und doch ist dieser Hinfaller in einer Hinsicht gut, weil die Schweiz nun mehr Einsatzwillen zeigt. Und weil es Schär in der Dreierkette jetzt nicht mehr hinten hält. Sein Treffer weckt dann aber die Iren, die nach dem 1:1 noch an den Sieg glauben. Das wäre dann aber doch zu viel des Guten gewesen.

Telegramm

Irland - Schweiz 1:1 (0:0)

Dublin. - 40'000 Zuschauer. - SR Del Cerro Grande (ESP). - Tore: 74. Schär (Embolo) 0:1. 85. McGoldrick (McClean) 1:1.

Irland: Randolph; Coleman, Duffy, Keogh, Stevens; Whelan, Hourihane (82. Hogan); Robinson (58. Judge), Hendrick, McClean; McGoldrick (92. Browne).

Schweiz: Sommer; Elvedi, Schär, Akanji; Xhaka; Mbabu (94. Fernandes), Zakaria, Freuler (90. Mehmedi), Rodriguez; Embolo (86. Ajeti), Seferovic.

Bemerkungen: Irland ohne Doherty, Maguire und Westwood (verletzt), Schweiz ohne Drmic, Lang, Lichtsteiner, Shaqiri (nicht im Aufgebot), Klose, Sow und Zuber (verletzt). 85. Lattenschuss Whelan. Verwarnungen: 15. Stevens (Foul). 76. Mbabu (Foul). 91. Judge (Foul). 97. Schär (Unsportlichkeit). 97. Browne (Unsportlichkeit).

Haben Sie das Spiel verpasst? Hier gibt es den Liveticker zum Nachlesen.