EM-Qualifikation
«Wir schaffen das!» Handball-Natitrainer Michael Suter wie einst Angela Merkel

Die Schweizer Handballer stehen am Sonntag (18 Uhr) im letzten EM-Qualifikationsspiel in Nordmazedonien unter enormem Erfolgsdruck. Für sie geht es auch darum, nicht in Vergessenheit zu geraten.

François Schmid-Bechtel
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Trainer Michael Suter, Ausnahmekönner Andy Schmid und Zukunftshoffnung Jonas Schelker: Nach dem heroischen Kampf gegen die Handball-Supermacht Dänemark bleibt nur die Enttäuschung.

Trainer Michael Suter, Ausnahmekönner Andy Schmid und Zukunftshoffnung Jonas Schelker: Nach dem heroischen Kampf gegen die Handball-Supermacht Dänemark bleibt nur die Enttäuschung.

Marc Schumacher / freshfocus

Vor dem abschliessenden EM-Qualifikationsspiel am Sonntag in Nordmazedonien ist klar: Die ersten zwei Plätze sind für die Schweizer Handballer unerreichbar. Trotzdem haben sie noch Chancen, ein EM-Ticket zu lösen. Denn vier der acht besten Gruppendritten nehmen ebenfalls an der EM im nächsten Januar teil.

Für diese Wertung werden aber die Resultate gegen den Letzten, also die beiden Siege gegen Finnland, nicht berücksichtigt. Heisst: Die Schweiz weist vor ihrem Auftritt in Skopje null Punkte und Minus-Acht-Tore auf. Das bedeutet Platz 5 im Ranking der Tabellendritten.

Handball EM-Qualifikation

Die Schweizer Gruppe

Nordmazedonien - SchweizSo 18.00
Dänemark - Finnland So 18.00
1. Dänemark 5/18 167:131
2. Nordmazedonien 5/8 139:135
3. Schweiz 5/4 142:135
4. Finnland 5/0 117:164

Mit einem Sieg in Nordmazedonien sind die Schweizer mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit an der EM dabei. Bei einem Remis oder einer Niederlage sind sie von den Resultaten in den anderen Gruppen abhängig. Eine komplizierte Konstellation.

Doch Nationaltrainer Michael Suter will es einfach halten. «Ich kann nicht akzeptieren, dass wir uns nicht qualifizieren sollten. Vom Leistungsvermögen her gehören wir an diese EM. Deshalb sage ich: Wir schaffen das.»

So tönte es im August 2015 auch von Angela Merkel mit Blick auf die Flüchtlingsströme in Richtung Westeuropa. «Wir schaffen das!» Kein Platz für ein Wenn und ein Aber. Denn grosse Führungspersönlichkeiten sollten in kritischen Situationen keine Selbstzweifel offenbaren. Um Skepsis sollen sich die anderen sorgen. Beispielsweise die Öffentlichkeit.

Bei aller Sympathie für diese Nationalmannschaft, die uns an der WM zu Beginn des Jahres mit ihren Resultaten, ihrer Leidenschaft und ihrem Teamgeist derart begeistert hat: Die Sache in Skopje kann für die Schweizer auch schiefgehen.

Die Wunden nach dem Beinahe-Wunder

Einerseits ist da der letzte Auftritt. Jener gegen Supermacht Dänemark. Klar, für die 29:30-Niederlage – phasenweise lag die Schweiz mit fünf Treffern vorne – gab es zwar Anerkennung. Aber keine Punkte. Dafür ganz viel Frust. Einmal mehr. Denn es ist nicht das erste Mal, dass die Schweizer Handballer in der Schlussphase den Coup vergeigen. Das war so an der WM gegen Frankreich. Aber auch in der EM-Qualifikation gegen Nordmazedonien.

Ernüchterung auch nach dem Heimspiel gegen Nordmazedonien. 16 Minuten vor Schluss führten die Schweizer (Samuel Röthlisberger links und Lenny Rubin) mit 18:15. Das Schlussresultat lautete 23:25.

Ernüchterung auch nach dem Heimspiel gegen Nordmazedonien.
16 Minuten vor Schluss führten die Schweizer (Samuel Röthlisberger links und Lenny Rubin) mit 18:15. Das Schlussresultat lautete 23:25.

Marc Schumacher / freshfocus

Natürlich bleibt die Hoffnung, dass die Enttäuschung am Samstag nicht als blinder Passagier nach Skopje mitfliegt. Aber das ist nur eine Hoffnung. Nicht mehr. Zwar beteuert man, schon immer damit gerechnet zu haben, dass es in Skopje zum Showdown kommen wird.

Aber wer wie die Schweizer statt die mögliche Sensation zu feiern die Wunden einer ehrenvollen Niederlage lecken muss, hat punkto mentaler Verfassung einiges an Arbeit zu leisten. «Entscheidend ist, dass man nach einem Spiel wie gegen Dänemark im ersten Moment die Enttäuschung zulässt», sagt Suter. «Aber natürlich muss man danach die Dinge ansprechen, die wir verbessern müssen.»

Eine EM-Teilnahme hat auch einen finanziellen Aspekt

Es steht jedenfalls einiges auf dem Spiel in Skopje: Die neu gewonnene Aufmerksamkeit, der Goodwill in der Bevölkerung. Denn verpassen die Schweizer die EM, drohen sie für ein Jahr vom Radar der breiten Öffentlichkeit zu verschwinden.

Zudem hat eine EM-Teilnahme auch einen finanziellen Aspekt. Es fliessen Bonus-Zahlungen und in den Verhandlungen mit alten oder neuen Sponsoren ist man in einer besseren Position. Immerhin sagt Leistungssportchef Info Meckes: «Auch wenn wir die EM verpassen sollten, müssen wir keine Einsparungen vornehmen.»

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