EM-Barrage
Der Schrei der Erlösung: Dank eines späten Penaltys nimmt die Schweiz Kurs auf die EM

Die Schweizer Fussballerinnen zeigen in Tschechien eine bescheidene Leistung. Dank Crnogorcevics Treffer holen sie sich doch noch ein 1:1. Und haben damit eine gute Ausgangslage für das Rückspiel am Dienstag.

Etienne Wuillemin
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Nur mit dem Resultat zufrieden: Nationaltrainer Nils Nielsen.

Nur mit dem Resultat zufrieden: Nationaltrainer Nils Nielsen.

Keystone

Darf das wirklich wahr sein? Die schlimmen Gedanken schwirrten bereits in den Köpfen umher. Alle Befürchtungen schienen sich zu bestätigen: Wieder eine grosse Enttäuschung für die Schweizer Fussballerinnen in einem wichtigen Spiel. Doch dann kam er doch noch, der Schrei der Erlösung von Nationaltrainer Nils Nielsen. Ein später Penalty, ein ­spätes Tor, 1:1, die Niederlage in Extremis noch abgewendet.

Der Tor-Schrei der Schweizerinnen. Spät doch noch den Ausgleich erzielt.

Der Tor-Schrei der Schweizerinnen. Spät doch noch den Ausgleich erzielt.

Vlastimil Vacek/Spp / www.imago-images.de

1:1 also in diesem Barrage-Hinspiel um die EM-Qualifikation. Was soll man darüber denken? Frust oder Freude? «Die Ausgangslage ist in Ordnung – aber das bedeutet nicht, dass ich zufrieden bin, wir haben viel zu viele Fehler begangen», resümierte Nielsen. Und präzisierte gleich: «Es waren selbst verschuldete Fehler.»

Die Ausgangslage: Ein 0:0 im Rückspiel reicht für die EM

Auch Captain Lia Wälti ­analysierte selbstkritisch: «Wir waren zu nervös, verloren zu ­viele Bälle und können von Glück reden, dass wir dieses späte Tor doch noch machen.» In der Tat, der Ausgleich von Ana Maria Crnogorcevic zeichnete sich nicht mehr ab. Zu harmlos waren die Schweizer Bemühungen.

Und so lautet das Fazit: Das ­Resultat ist das Beste an diesem ansonsten ernüchternden Nachmittag. Denn damit reicht der Schweiz am Dienstag im Rückspiel schon ein 0:0, um an die EM zu fahren. Sollten sich die Schweizerinnen indes nicht erheblich steigern, so wird auch dieses Spiel zur Zitterpartie.

Das glückliche Händchen des Trainers

Vielleicht wäre es anders gekommen, wenn Crnogorcevic ihre grosse Chance nach bereits vier Minuten verwertet hätte. Doch sie drosch den Ball aus vier Metern weit übers Tor. Und spätestens nach 30 Minuten und den nächsten vergebenen Möglichkeiten ahnte man, dass diese Partie noch ziemlich ungemütlich werden könnte.

Immer wieder gestoppt: Die Schweizerinnen tun sich lange sehr schwer. Hier wird Captain Lia Wälti gefoult.

Immer wieder gestoppt: Die Schweizerinnen tun sich lange sehr schwer. Hier wird Captain Lia Wälti gefoult.

Imago

Die Tschechinnen schafften es tatsächlich, mit der ersten gefährlichen Aktion in Führung zu gehen – ebenfalls via Penalty. ­Julia Stierli hatte das Foul begangen, es war eine unnötige Intervention. Und es war die Strafe für einen Schweizer Auftritt, der behäbig, lethargisch, unkonzentriert und über weite Strecken auch mutlos war. Nur die Eckbälle und Freistösse waren gefährlich. Aus diesen entstand immer wieder Gefahr.

Erst als die Partie langsam aufs Ende zuging, setzten die Schweizerinnen ihren Gegner konstant unter Druck. Allein, echte Chancen erspielten sie sich nicht mehr. Bachmann scheiterte einmal. Ansonsten blieben die zaghaften Versuche im dichten Netz der Tschechinnen stecken. Nielsen hätte sich mehr Mut zum Risiko gewünscht. Gerade von den Aussenverteidigerinnen Aigbogun und Maritz kam zu wenig. Erst mit der Einwechslung von Marti kam mehr Drive ins Spiel.

Heldin Irina Pando: 85 Sekunden nach der Einwechslung holt sie den Penalty heraus

Überhaupt bewies der Trainer ein glückliches Händchen. Nach 87 Minuten schickte er Irina Pando aufs Feld. Und sie war es, die nur 85 Sekunden später den Penalty herausholte. «Vor einem Jahr in einem Testspiel gegen Österreich ist ihr dasselbe bereits einmal gelungen», sagte Nielsen hinterher. Schon damals verwertete Crnogorcevic. «Zum Glück ­haben wir das schon einmal ­geübt», rief Pando der Torschützin nach dem Spiel zu.

Das Tor, das die EM näherbringt: Ana Maria Crnogorcevic verwertet den Penalty.

Das Tor, das die EM näherbringt: Ana Maria Crnogorcevic verwertet den Penalty.

Imago

Die Schweizerinnen gehen also mit einem moralischen Plus in die zweite Hälfte dieser ­Barrage. Viel mitnehmen können sie aus dem ersten ­Duell ­indes nicht. Dafür war der Auftritt zu bescheiden. Und vor ­allem dürfen sie einen Fehler nicht machen: Denken, dass sie die Qualifikation zur EM nun bereits auf sicher hätten. Ansonsten wird aus dem Schrei der ­Erlösung einer des Frusts.

Telegramm

Tschechien-Schweiz 1:1 (0:0)

Chomutov. – SR: Foster. – keine Zuschauer. – Tore: 49. Svitkova, 1:0 (Penalty). 90. Crnogorcevic, 1:1 (Penalty).
Schweiz: Thalmann; Maritz, Bühler, Stierli, Aigbogun (65. Marti); Wälti; Gut (86. Pando), Sow (65. Xhemaili), Maendly (65. Fölmli); Crnogorcevic, Bachmann;
Bemerkungen: Schweiz ohne Reuteler, Calligaris, Kiwic (alle verletzt). – Verwarnung Nati: 75. Bachmann (Reklamieren).

Der Liveticker zum Nachlesen: