Debatte
Wie die Zukunft des Schweizer Eishockeys aussehen könnte

Im Schweizer Eishockey tun sich momentan zahlreiche Fronten auf. Verschiedene Interessen prallen aufeinander. Eine gesamtheitliche Lösung wäre denkbar simpel: Aber die Angst verhindert wohl deren Umsetzung - leider!

Marcel Kuchta
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Warten auf den Puck.. Die lions Johann Morant, links, Chris Baltisberger, Mitte, und Raphael Prassl, rechts, beim Eishockeyspiel der National League ZSC Lions gegen den EHC Biel im Hallenstadion in Zuerich am Mittwoch, 30. Dezember 2020. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Warten auf den Puck.. Die lions Johann Morant, links, Chris Baltisberger, Mitte, und Raphael Prassl, rechts, beim Eishockeyspiel der National League ZSC Lions gegen den EHC Biel im Hallenstadion in Zuerich am Mittwoch, 30. Dezember 2020. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Walter Bieri / KEYSTONE

Die aktuelle Diskussion um die Zukunft des Schweizer Eishockeys wird zunehmend hitzig. 10 Ausländer pro Team, Salär-Obergrenze, quasi geschlossene Ligen, eigene AGs mit eigenen Interessen. Das alles ist zwar äusserst spannend, aber letztlich kaum zielführend. Vor allem sind die Positionen extrem starr, es geht – wie so oft - nur noch um Besitzstandswahrung. Die Basis murrt, die sportlichen Entscheidungsträger heben den Mahnfinger. Aber auf der höchsten Managementstufe lebt man offensichtlich in einer anderen Welt.

Dabei gäbe es eine ganz simple und naheliegende Lösung – wenn man sich endlich mal von den gängigen Denkmustern, dem unsäglichen Gärtchendenken und vor allem von den Verlustängsten befreien würde: Drei Top-Ligen, zwei davon professionell, eine davon semi-professionell/ausbildungsorientiert – mit totaler Durchlässigkeit. Und die könnten so aussehen (Achtung, nur ein Beispiel!):

NLA. 10 Teams:

Bern, ZSC, Zug, Lugano, Davos, Biel, Fribourg, Lausanne, Servette, Ambri

Modus: Dreifachrunde = 54 Spiele. Top 8 in den Playoffs. Die letzten beiden machen den Absteiger aus (ev. best-of-9?)

NLB. 10 Teams:

Langnau, Rapperswil, Kloten, Ajoie, Olten, Visp, Sierre, Langenthal, La Chaux-de-Fonds, Thurgau.

Modus : Dreifachrunde = 54 Spiele. Top 8 in den Playoffs. Der Meister steigt direkt auf. Abstieg: analog zur NLA.

MySports-League. 12 Teams:

Winterthur, GCK Lions, EVZ Academy, Basel, Martigny, Huttwil, Arosa, Chur, Dübendorf, Thun, Seewen, Bülach.

Modus: Doppelrunde = 44 Spiele. Top 8 in den Playoffs. Der Meister steigt direkt auf (Ausnahme Farmteams?). Plätze 9 bis 12 Playouts/Klassierungsrunde. Auf-/Abstieg zur 1. Liga zu regeln.

Was würde das bringen?

Das Niveau wird besser! Schon mit zwölf Teams war die Leistungsdichte recht gross. Mit zehn Teams (NLA und NLB) wird sie noch grösser!

Kleinerer Spielerbedarf, bzw. bessere Verteilung. Zusammen mit einer moderaten Erhöhung der Anzahl Ausländer (5 oder 6?) in der NLA und der NLB (?) würde die erhoffte Entspannung des überhitzten CH-Spielermarkts eintreten.

Maximale Durchlässigkeit! Ein Abstieg muss keine Katastrophe mehr sein, weil man direkt wieder aufsteigen kann. Zudem ist die NLB in so einer Konstellation ebenfalls viel attraktiver (plus zwei Traditionsklubs, Minus die Farmteams) und bietet die Möglichkeit, sich schnell zu erholen – sportlich wie finanziell!

MySports-League: Die perfekte Ausbildungsliga und niedrige Schwelle in die NLB. Auch hier ist der Abstieg dank maximaler Durchlässigkeit keine Katastrophe.

Was hindert uns an dieser simplen Lösung?

Nichts, ausser – wie oben beschrieben – Kleinkariertheit, Gärtchendenken und Verlustängste. Statt auf das ganze Produkt zu schauen, entscheidet man nur im eigenen Interesse. Aber die Hoffnung auf ein Umdenken stirbt zuletzt.