Neuausrichtung
So soll die neue Swiss League funktionieren: «Attraktiv, ambitioniert, finanzierbar»

Am Dienstagabend wurde die Swiss League AG in Olten gegründet und Jean Brogle zum operativen Verwaltungsrat gewählt. Im Auftrag der Swiss League Clubs beginnt der ehemalige SRG-Sportjurist damit, die zweithöchste Eishockeyliga gemäss im Herbst verabschiedeter Strategie zu repositionieren. Eine Auslegeordnung zu diesem spannenden Projekt.

Marcel Kuchta
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Marc Thommen (l.) und Jean Brogle.

Marc Thommen (l.) und Jean Brogle.

Marcel Kuchta

Interessante Projekte werden oft auf unprätentiöse Art und Weise ins Leben gerufen. Es war ein formaler Akt in einer Oltner Anwaltskanzlei an einem kalten Dezemberabend: Der Verwaltungsratspräsident der EHC Olten AG, Marc Thommen, und der designierte VR-Präsident der Swiss League AG, Jean Brogle, vollzogen unter notarieller Aufsicht einen wichtigen Schritt. Die zweithöchste Eishockey-Liga der Schweiz gründete eine eigene Aktiengesellschaft. Kurz darauf wählten die zehn Aktionäre, also die zehn im Projekt involvierten, traditionsreichen Swiss-League-Klubs, Brogle offiziell zum operativen Verwaltungsrat der Swiss League AG.

Eine eigene AG für die Swiss League? Was soll das bringen? Und was bedeutet das für die Zukunft? Eine Übersicht der wichtigsten Fragen.

Wieso eine eigene AG?

Diese Gründung ist eine Reaktion auf den Schritt der zwölf National-League-Klubs, die im Sommer ebenfalls eine eigene Aktiengesellschaft gegründet haben, um in Zukunft ihre eigenen (kommerziellen und medialen) Interessen noch besser wahren zu können. Dasselbe wollen nun auch die Swiss-League-Vertreter tun können. Mit Jean Brogle als starken Mann an der Spitze.

Welche Klubs sind dabei?

Von den aktuell zwölf Swiss -League-Klubs sind deren zehn Aktionäre der neuen Gesellschaft. Weder bei der Repositionierungs-Strategie noch bei der Gündung dabei sind die Farmteams Ticino Rockets und die EVZ Academy. Der Traditionsklub GCK Lions gehört dazu, mit den beiden anderen Farmteams ist man im Rahmen der Eishockey-Strukturreform im konstruktiven Austausch. Jeder Klub hat 10000 Franken Aktienkapital eingeschossen, womit das aktuelle Aktienkapital 100000 Franken beträgt.

Welche Rolle spielt Jean Brogle?

Der ehemalige SRG-Mann mit 25-jähriger Erfahrung im TV-Sportbusiness ist ein ausgewiesener Experte im Bereich der Sportvermarktung. Der 54-jährige Sportjurist soll das Projekt der Repositionierung ins Rollen bringen. Er ist seit dem 1. Dezember offiziell mit dem Mandat betraut und wird ungefähr ein 50-Prozent-Pensum ausfüllen. Seine primäre Aufgabe wird sich um die mediale und kommerzielle Vermarktung drehen. Das betrifft einerseits die TV-Rechte, die im kommenden Jahr im Hinblick auf einen neuen Vertragszyklus ab der Saison 2022/23 neu ausgeschrieben werden sollten. Andererseits geht es darum, das Swiss League-Projekt auch marketingtechnisch optimal aufzugleisen und umzusetzen. Für Brogle steht dabei vor allem der technologische Wandel und das veränderte Medienkonsum-Verhalten der Fans im Zentrum. Er sagt: «An diesem Projekt gefällt mir, dass uns punkto Kreativität bei der Kombination von Marketing- und Medienrechten kaum Grenzen gesetzt sind. Mit dieser Offenheit kann man das Produkt Swiss League komplett neu denken und erlebbarer gestalten. Sind wir eigenständig, sind wir auch flexibel in diesen Bereichen und können entsprechend handeln. Es fühlt sich wie ein Startup an, wo wir auf der grünen Wiese starten dürfen.»

Welche Ziele verfolgt die «neue» Swiss League?

«Wir wollen eine attraktive, ambitionierte und finanzierbare Liga mit nationalem Charakter, welche die Tradition regional lebt und stark bei den Fans verankert ist», umschreibt Thommen die Vision. «Es geht in erster Linie darum, ein Produkt zu kreieren, bei dem die Fans im Zentrum stehen, welches aber auch für die Sponsoren interessant ist und, von dem letztlich auch die Klubs profitieren punkto Wahrnehmung und ihrer wirtschaftlichen Ausrichtung», ergänzt Brogle

Wie gross ist das Potenzial punkto TV-Rechte?

Aus dem aktuellen TV-Deal mit UPC/Suissedigital und der SIHF-Dachvermarktung erhält jeder Swiss-League-Klub pro Saison 365000 Franken. «Wir sind überzeugt, dass wir diesen Betrag in Zukunft dann mal steigern können», sagt Thommen und ergänzt: «Die Klubs sind sich bewusst, dass es zu Beginn auch weniger sein kann. Aber genau so wissen wir, dass es unter den aktuellen Rahmenbedingungen mit ungünstiger Prognose sicher nicht mehr geworden wäre. Also im Gegenteil.»

Wie sieht das Gerüst der neuen Swiss League aus?

Grundsätzlich geht man punkto Teilnehmern von 10 bis maximal 14 Klubs aus. Neben den zehn aktuellen Aktionären interessieren sich neben den Farmteams offenbar Basel und Chur für eine Aufnahme in der Liga ab Saison 22/23. Obwohl man sich als Schweizer Liga versteht, ist die Aufnahme von grenznahen ausländischen Teams nicht ausgeschlossen. An der Ausländerregelung dürfte sich nichts ändern: Geplant sind – wie bisher – zwei Söldner pro Team. Übergeordnet behandelt wird, wie es mit dem Thema Auf- und Abstieg aussieht.

Was macht der Schweizerische Eishockeyverband?

Die Klubs der Swiss League AG verstehen sich – wie auch jene der National League AG – weiterhin als Mitglieder der Swiss Ice Hockey Federation SIHF und möchten auch deren Dienstleistungen (Schiedsrichter, Spielplanung etc.) nutzen. «Wir wollen uns partnerschaftlich auf allen Ebenen für die Förderung des Schweizer Eishockeys einsetzen», betont Thommen.