Eishockey

SC Bern ist Schweizer Meister 2016 – mit einem 3:2-Sieg gegen den HC Lugano im fünften Playoff-Finalspiel

Der SC Bern ist erstmals seit drei Jahren wieder und zum insgesamt 14. Mal Schweizer Eishockey-Meister. Die Berner besiegten Lugano im fünften Spiel des Playoff-Finals der NLA auswärts mit 3:2 und gewannen damit die Serie mit 4:1 Siegen.

Ist je ein so wichtiges Spiel in unserer Playoffgeschichte (seit 1986) auf eine so dumme, so dramatische, so unfassbare Art und Weise verloren worden? Nein. Es ist der Schlusspunkt einer Saison, die selbst ein Hollywood-Drehbuchschreiber so nicht hätte erfinden können. Noch nie ist auf diese Art und Weise das alles entscheidende Spiel im Final gewonnen beziehungsweise verloren worden.

SC Bern ist Meister

Was ist passiert? Im doppelten Wortsinn hat sich Lugano dem SCB angenähert. Coach Doug Shedden verteilt in dieser Partie der letzten Chance die Eiszeit so gut unter seinen vier Linien wie noch nie in diesem Final. Gestern war so viel SCB wie noch nie im HC Lugano. Es war zwar nicht der regelmässige, rollende Vierlinieneinsatz wie beim SCB. Aber wenigstens nicht mehr das extreme Forcing der drei entkräfteten schwedischen Weicheier Fredrik Pettersson, Linus Klasen und Tony Martensson. Pettersson durfte nach der Denkpause im vierten Spiel in Bern (wo er durch Tim Stapleton ersetzt worden war) wieder von der Tribune herabsteigen.

Bis weit ins Schlussdrittel hinein deutet noch nichts auf einen dramatischen Untergang des HC Lugano. Vielmehr bahnt sich die Wende an. Vielleicht sogar die Wende in diesem Final. Wer weiss, was am Donnerstag in Bern passieren wird, wenn jetzt ein Sieg gelingt.

Die Leidenschaft der Tessiner ist erwacht. Lugano rockt. Lugano mobilisiert noch einmal alles. Lugano erdrückt den SCB ab Mitte des Spiels. SCB-Coach Lars Leuenberger muss ein «Verschnauf-Timeout» nehmen. Lugano spielt die beste Partie in diesem Final. Der SCB wankt. Der SCB taumelt. Der SCB wird gleich fallen. Der Ausgleich zum 2:2 ist schon geschafft. Jetzt ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis Luganos Siegestreffer um 3:2 fällt. Es ist, als ob alle im Stadion auf den Zehenspitzen stehen würden. Ein drei-gegen-fünf Powerplay überstehen die Berner gerade noch. Aber dann muss kurz darauf Eric Blum auf die Strafbank. Jetzt wird, jetzt kann, jetzt muss es geschehen. Und es geschieht. Aber nicht so wie es alle erwarten. Wie es der Logik entsprochen hätte. Nichts in diesen Playoffs ist logisch und so endet auch diese Partie nicht logisch.

Luganos Verteidiger Stefan Ulmer verliert im Powerplay als hinterster Mann die Scheibe an Derek Roy. Der SCB-Kanadier zieht alleine los und überwindet Elvis Merzlikins mit einem völlig unhaltbaren Schuss in die hohe Ecke. Welch ein Fehler Ulmers! Welch eine Kaltblütigkeit Roys! Der SCB führt 3:2. Der SCB ist auferstanden. Der SCB ist jetzt nur noch knapp zehn Minuten vom Meistertitel entfernt.

Vierter Berner Titel im Tessin

Es ist, als ob jemand den Stecker gezogen hätte. Die Zuschauerinnen und Zuschauer spüren: das ist das Ende. Das ist der Titel für den SCB. Und tatsächlich: die Berner finden wieder den Tritt und überstehen die Schlussphase beinahe problemlos. Es nützt auch nichts mehr, dass Luganos Coach Doug Shedden seinen Torhüter durch einen sechsten Feldspieler ersetzt. Der SCB siegt 3:2, gewinnt den intensivsten Final unserer Playoffgeschichte mit 4:1 Siegen und holt nach 1989, 1991 und 2004 zum vierten Mal den Titel im Tessin. Und die Zuschauerinnen und Zuschauer erweisen dem SCB auf anständige Art und Weise die Ehre – die Saison endet als friedliches Hockeyfest. In Lugano hat das SCB-Märchen im Spätherbst 2015 nach einer Niederlage, die SCB-Trainer Guy Boucher das Amt kostete und Lars Leuenberger zum Cheftrainer machte, seinen Anfang genommen. In Lugano geht es jetzt mit dem Titelgewinn zu Ende. Es wird Lars Leuenbergers Nachfolger, dem neuen SCB-Cheftrainer Kari Jalonen möglich sein, diesen Titel zu verteidigen. Aber es wird nicht möglich sein, dieses Drama noch zu überbieten.

Telegramm:

Lugano - Bern 2:3 (1:0, 1:2, 0:1)

7800 Zuschauer (ausverkauft). - SR Eichmann/Stricker, Kovacs/Tscherrig. - Tore: 5. Vauclair (Hofmann) 1:0. 21. Ebbett (Conacher, Untersander) 1:1. 25. Conacher (Rüfenacht, Roy) 1:2. 45. Fazzini (Lapierre, Chiesa) 2:2. 52. Roy (Ausschluss Blum!) 2:3. - Strafen: 3mal 2 plus 10 Minuten (Lapierre) gegen Lugano, 7mal 2 plus 10 Minuten (Roy) gegen Bern. - PostFinance-Topskorer: Klasen; Conacher.

Lugano: Merzlikins; Chiesa, Furrer; Ulmer, Vauclair; Kienzle, Hirschi; Walker, Sannitz, Bertaggia; Pettersson, Martensson, Klasen; Fazzini, Lapierre, Hofmann; Kostner, Schlagenhauf, Reuille; Dal Pian.

Bern: Stepanek; Jobin, Untersander; Krueger, Blum; Helbling, Gerber; Flurin Randegger; Scherwey, Ebbett, Moser; Conacher, Roy, Rüfenacht; Müller, Plüss, Reichert; Alain Berger, Pascal Berger, Gian-Andrea Randegger.

Bemerkungen: Lugano ohne Brunner, Kparghai, Steinmann, Morini (alle verletzt), Stapleton, Romanenghi (beide überzählig), Bern ohne Bodenmann (gesperrt), Luca Hischier, Kobasew, Bergenheim, Bührer, Kousa (alle verletzt), Nico Hischier, Kreis, Ness, Smith (alle überzählig). 27. Pfostenschuss von Chiesa. 28. Timeout von Bern. 33. Walker lenkt Puck gegen den Pfosten. 50. Timeout von Lugano. 52. Pfostenschuss von Pettersson. Lugano ab 58:13 ohne Goalie.

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