«Wir sind langsam wieder am Kommen!», sagt Steve Hirschi, Captain und seit mehr als elf Jahren bei Lugano. Der Verteidiger macht keinen Hehl daraus, dass in den vergangenen Jahren nicht immer alles wunschgemäss verlief: «Einerseits waren wir nie in der Lage, die vielen Abgänge gleichwertig zu ersetzen, andererseits waren die vielen Trainerwechsel sicherlich nicht förderlich in unserer Situation.»

Nach dem Rauswurf von Harold Kreis 2006 folgten innerhalb von fünf Jahren zehn verschiedene Trainer. Die Rückkehr von Kreis an die Bande 2011 war der Beginn der neu gewonnenen Stabilität, die Lugano seither zu pflegen weiss.

Patrick Fischer fungierte damals als Assistenztrainer und übernahm die Mannschaft im April 2013 als Headcoach. «Er ist sehr ehrgeizig, fordert viel und will die Spieler besser machen», lobt der 33-jährige Steve Hirschi.

Fundamentales Umdenken

Mehr als noch in den vergangenen Jahren wird grossen Wert auf Stabilität und Disziplin gelegt. Dadurch hat sich unter anderem der Schnitt der Strafminuten im Vergleich zur Vorsaison um ganze vier Minuten gesenkt. «Im letzten Jahr haben wir begonnen, mehr Wert auf die Disziplin zu legen. Aus diesem Grund ist es in diesem Jahr nun einfacher, Abläufe im Training umzusetzen, weil die Richtung für alle klar ist», sagt Trainer Fischer.

Das konsequente Training spiegelt sich auch in den Meisterschaftsresultaten wieder. Nach neun Spielen liegt Lugano aktuell auf dem dritten Rang.

Mit dem zweithöchsten Wert von 3,8 geschossenen Toren pro Spiel versprechen die Tessiner auch in dieser Saison Spektakel, die grossen Leistungsschwankungen sollen aber überwunden sein: «Wir sind viel weiter als noch letztes Jahr, nicht nur punktemässig, sondern auch, weil jeder das System kennt und wir reifer geworden sind. Wir müssen uns aber wieder an die Spitze herantasten und gewisse Dinge lernen, um diese Spitzenmannschaft dann auch zu sein», sagt Fischer, der von 1997 bis 1999 als Spieler selbst für Lugano auflief.

Akzeptanz von allen Seiten

Sinnbildlich für das Umdenken in Lugano ist die Verpflichtung von Linus Klasen. Dem 28-jährigen Schweden gefällt die Schweiz. «Das Schweizer Hockey ist, wie ich es mir vorgestellt habe – schnell, offensiv und körperbetont. All das sind Dinge, die ich sehr mag», sagt der rechte Flügel.

Auf die Frage, wie es denn mit seiner Rolle im Team aussieht, entgegnet Klasen selbstverständlich: «Der Trainer fällt Entscheidungen, und so ist es.»

Einer dieser Entscheide war, das Durchschnittsalter der Mannschaft drastisch zu senken. Neben erfahrenen Grössen stehen deshalb wieder vermehrt eigene Junioren im Kader, was sich im Durchschnittsalter von 25 Jahren zeigt. Ergänzt durch Verstärkungen aus dem Ausland, die sorgfältig und nicht nur nach der Bekanntheit ihres Namens ausgewählt wurden, ziehen alle am selben Strang.

Zurück zur Gewinnermentalität

Dies ist einer der Gründe für die stetig steigenden Zuschauerzahlen. «In ganz Lugano spürt man, dass etwas im Gange ist», beschreibt Hirschi die wiedergewonnene Euphorie. Und Fischer ergänzt: «Als ich als Spieler nach Lugano kam, hiess es, dass es nur ein Ziel gebe, und das sei der Titel. Zu dieser Leistungskultur wollen wir wieder zurück.»

Dementsprechend gut sei die Stimmung in der Mannschaft: «Wir arbeiten hart, haben aber trotzdem Spass dabei. Es ist eine ehrliche Mannschaft, die über einen grossen Teamspirit verfügt», sagt der vierfache Schweizer WM-Teilnehmer Fischer.

Dass Fischer kaum älter als einige seiner Spieler ist und zudem beispielsweise einst mit Hirschi in der Nationalmannschaft zusammenspielte, sieht der Zuger nicht als Problem: «Ich behandle alle Spieler gleich. Zudem bin ich noch derselbe, nur die Rollen haben sich verändert.»

Diese Ansicht teilt das HCL-Urgestein Hirschi: «Natürlich war es zu Beginn nicht einfach. Nun funktioniert es aber problemlos und Patrick macht einen super Job.»

Durch die stabile und konsequente Führung sowie die neu erlangte Bescheidenheit anvisiert Lugano das Ziel des ersten Playoff-Halbfinals seit der Meistersaison 05/06. «Wir sind auf dem richtigen Weg und haben momentan eine ruhige Phase», sagt Fischer.