Arno Del Curto wirkt an diesem Donnerstagmorgen nach dem dritten Training, welches er als Headcoach der ZSC Lions geführt hat, etwas abgekämpft. Die Stimme ist heiser. «Ich habe in den letzten drei Tagen viel geredet. Es war streng.» Das ist alles, was er am Tag vor seiner Premiere an der Bande der Zürcher in Langnau sagen will und darf. Der Lions-Medienbeauftragte drängt Del Curto zum Weitergehen. Alle Konzentration gilt jetzt den Aufgaben auf dem Eis.

Während der 62-Jährige Richtung Garderobe verschwindet, nimmt sich ZSC-Lions-Captain Patrick Geering Zeit, ein paar Fragen zu beantworten.

Wie haben Sie die letzten drei Tage erlebt, seit Arno Del Curto das Amt als ZSC-Trainer übernommen hat?

Patrick Geering: Mit gemischten Gefühlen. Der Trainerwechsel kam für uns Spieler zu diesem Zeitpunkt überraschend. Auf der anderen Seite freue ich mich extrem darüber, dass Arno Del Curto jetzt unser Trainer ist. Und ich glaube, auch er freut sich darüber, dass er jetzt wieder in Zürich an der Bande steht.

Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als Sie den Namen des neuen Trainers erfuhren?

Ich musste erst einmal leer schlucken. Aber mehr deshalb, weil das für mich zu jenem Zeitpunkt schlicht unvorstellbar war. Aber eben: Das Leben hält immer wieder Überraschungen bereit, mit denen man nicht rechnet.

Sie sind jetzt auch schon ein paar Jahre dabei und haben bei den Lions schon einige Trainer erlebt. Hat man trotzdem noch Respekt vor einer Figur wie Arno Del Curto?

Natürlich. Er ist ein Unikat. Er hat sich selbst in den letzten 30 Jahren ein einmaliges Profil geschliffen. Wenn er mit dem Feuer in den Augen etwas erklärt, ist er mit einer Leidenschaft am Werk, die ihresgleichen sucht. Ich bin überzeugt davon, dass dieser Funke auch auf unser Team überspringt.

Was haben Sie erwartet, als er erstmals vor der Mannschaft stand?

Es war genau so, wie ich es erwartet habe. Er hat mit viel Elan gesprochen. Arno ist ein cleverer Fuchs. Er weiss genau, was er mit uns vor hat und kann uns sicher einige Inputs geben, gerade was das Verhalten in der offensiven Zone angeht. Er ist sich aber auch bewusst, dass er nicht alles auf den Kopf stellen kann. Dafür ist die Saison schon zu fortgeschritten. Er wird aber sicher dafür sorgen, dass wir unsere Beine bewegen. Das tut uns gut.

Sie müssen sich als Verteidiger aber nicht neu erfinden? Arno Del Curto liebt ja die schnellen Auslösungen, das schnelle Überbrücken der mittleren Zone.

Wichtig ist in diesen Zusammenhang vor allen das gegenseitige Vertrauen der Spieler. Wir Verteidiger müssen wissen, dass die Stürmer ständig in Bewegung und für diese Auslösungen bereit sind. Wir wissen aber auch, dass wir nicht alles von heute auf morgen verändern können. Das muss sich erst einspielen.

Wie war Ihr persönlicher Kontakt als Captain zu Arno Del Curto in diesen ersten Tagen?

Ich habe mich am Montag mit ihm und Assistenztrainer Michael Liniger länger unterhalten. Sie wollten von mir eine Einschätzung, wo die Mannschaft steht und wo wir hinwollen. Dabei haben wir einige Parallelen gefunden bei unseren Zielsetzungen. Wir wissen, wo der Hebel angesetzt werden muss.

Wo?

Generell wollen wir mehr agieren und befreiter auftreten – selbst wenn das bedeutet, dass wir Fehler begehen. Zuletzt haben wir fast zu sehr Playoff-Eishockey gespielt. Das heisst, dass wir gemauert haben und darauf hofften, dass uns zwei, drei Tore zum Sieg reichen.