Oberengstringen
«Drittbeste Eishockeytorhüterin aller Zeiten»: Florence Schelling wird aufs Podest gehoben

Florence Schelling ist zu einer der besten Eishockeytorfrauen aller Zeiten erklärt worden. Das Sport-Phänomen aus dem Limmattal reagiert bescheiden.

Tobias Bolli
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Stellt (fast) alle anderen in den Schatten: Goalie Florence Schelling.

Stellt (fast) alle anderen in den Schatten: Goalie Florence Schelling.

Keystone

Florence Schelling soll durch ihre beiden Brüder zum Eishockey gebracht worden sein. Da diese selbst lieber den aktiven Part der Stürmer übernahmen, kommandierten sie die vierjährige Schwester ins Tor. Dort sollte sie wohl vor allem eine Statistenrolle übernehmen und den Jungen stürmerische Exploits ermöglichen. Doch fern davon, den Puck einfach ins Ziel kullern zu lassen, muss sie den Brüdern einige Frustmomente beschert haben. Jedenfalls steht sie seither freiwillig im Tor und übernimmt glänzend jenen Part, der Uneingeweihten vielleicht etwas weniger aufregend vorkommen mag.

Ein erstaunliches Talent

Dass sie im Tor geblieben ist, hat sich gelohnt. Zahllos sind die Erfolge, die die Oberengstringerin schon verbuchen konnte. Eben erst hat die Eishockey-Website «Giants in the crease» die 28-Jährige als drittbeste Eishockeytorhüterin aller Zeiten bezeichnet. Voller Lob sind die Autoren für die besondere Könnerschaft Schellings, die seit 2006 Stammtorhüterin der Schweizer Nationalmannschaft ist. Ihre Fussarbeit erlaube eine Beweglichkeit, die für Torhüterinnen ihres Formats eigentlich unerhört sei, schreiben sie.

Auch zeichne sie die Fähigkeit aus, die Fluglinie von Pucks in Windeseile zu berechnen und entsprechend souverän zu parieren. Die Fangquote von Schelling nimmt sich dementsprechend fast schon übermenschlich aus. Kaum je trifft ein Puck an ihr vorbei ins Tor. Es erstaunt deshalb kaum, dass sie in praktisch allen bedeutenden Spielen schon von Beginn weg im Tor stand - und meistens auch nicht eingewechselt wurde.

Entsprechend stolz ist man auf die Oberengstringerin auch in ihrer Heimatgemeinde. Für die Bronzemedaille, die sie mit dem Schweizer Team bei den Olympischen Winterspielen 2014 gewann, wurde sie auf eine ganz besondere Art und Weise geehrt: Ihr einstiger Schulweg trägt nun ihren Namen.

Schelling kommentiert den ihr zugewiesenen Spitzenplatz im Eishockey-Olymp bescheiden. «I feel incredible humble reading this article.» Sie fühle sich dieser Ehre fast gar nicht wert, lässt sie auf Twitter verlauten. Demgegenüber beklagen die Autoren von «Giants in the crease», dass die Eishockey-Fangemeinde Schelling noch zu wenig Ehre erwiesen habe. Dafür sei das Schweizer Eishockeyteam verantwortlich, das aufgrund seines Rankings höchstens bescheidenes Medieninteresse generiere.

Der Artikel mag dazu beitragen, Schelling noch mehr ins internationale Rampenlicht zu rücken. Gemäss den Autoren hätte sie das verdient, schliesslich sei die Oberengstringerin, so heisst es wörtlich, «die ideale Torhüterin». Ein grösseres Lob ist schwerlich denkbar. Ganz gleich, ob Schellings Leistungen demnächst breiter gewürdigt werden oder nicht: Man kann den Brüdern nicht genug danken, dass sie die kleine Schwester damals ins Tor bugsiert haben. Einer von ihnen ist trotzdem noch Stürmer geworden.

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