Eishockey

Der neue Besen der Flyers kehrt nicht gut

Wenigstens der Einsatz stimmte: Klotens Romano Lemm nagelt den Lausanner Larri Leeger an die Bande.

Wenigstens der Einsatz stimmte: Klotens Romano Lemm nagelt den Lausanner Larri Leeger an die Bande.

Die Kloten Flyers kommen auch unter Headcoach Sean Simpson nicht vom Fleck. Die Klotener verlieren unter ihrem neuen Trainer Simpson ausgerechnet zwei wichtige Spiele im Kampf um den Playoff-Einzug.

«Neu Besen kehren gut», besagt ein altbekanntes Sprichwort, welches im Sport gerne nach Trainerwechseln angewendet wird. In den meisten Fällen stimmt das durchaus. Ein neuer Headcoach an der Bande kann durchaus Schwung in die Bude bringen. In Kloten ist dieser Effekt jedoch gänzlich ausgeblieben. In den beiden Spielen nach dem Wechsel von Felix Hollenstein zu Sean Simpson kassierten die Flyers zwei Niederlagen. Und die ausgerechnet in zwei Schlüsselpartien im Kampf um die Playoff-Qualifikation.

Nach der 2:4-Schlappe in Biel am Montag setzte es gestern Abend vor heimischem Publikum ein 0:2 gegen den HC Lausanne. Damit verbringen die Kloten Flyers die Weihnachtsferien auf einem Nicht-Playoff-Platz. Und der Rückstand auf die über dem Strich klassierten Bieler beträgt nun bereits satte fünf Punkte. Der neue Besen hat nicht geputzt, im Gegenteil: Er hat das Haus verschmutzt.

Spieler versagten

Nun wäre es natürlich absurd, die verfahrene Situation in irgendeiner Form dem neuen Trainer anzulasten. Sean Simpson kann gar nichts dafür, dass ein Grossteil der Klotener Spieler ein jämmerliches Bild abgibt. Designierte Leistungsträger wie Tommi Santala, Simon Bodenmann, Michael Liniger, Micki Dupont oder Peter Mueller sind seit geraumer Zeit nur noch ein Schatten ihrer selbst. Es war symptomatisch, dass ausgerechnet Mueller, der letztjährige Torschütze vom Dienst, die Niederlage gegen Lausanne einleitete. Nach 35 Sekunden durfte der Amerikaner zum Penalty anlaufen, verfehlte sein Ziel jedoch knapp. Die frühe Führung wäre ein Segen gewesen für diese verunsicherte Mannschaft. Umso mehr, als die Lausanner zwei Zeigerumdrehungen später durch Hytönens Powerplaytor selber 1:0 vorne lagen.

Was folgte war ein mehr oder weniger planloses Anrennen der Flyers, welche an offensiver Harmlosigkeit kaum zu überbieten waren. Als Caryl Neuenschwander in der 36. Minute einen Fehler von Kloten-Goalie Jonas Müller zum 0:2 ausnützte, da war das Spiel eigentlich schon gelaufen. Nicht einmal eine 69 Sekunden dauernde, doppelte Überzahl konnten die Flieger im letzten Abschnitt ausnützen. Inzwischen sind die Klotener das offensivschwächste Team der Liga. Das Spiel gegen Lausanne bot besten Anschauungsunterricht, warum das so ist.

Nur Ärzte und Psychiater können jetzt helfen

Trainer Sean Simpson kam bei seiner Analyse auch nicht darum herum, den ausbleibenden Effekt des Trainerwechsels zu thematisieren: «Normalerweise kommt eine Reaktion, geht ein Ruck durch die Mannschaft. Hier nicht. Aber ich nehme das nicht persönlich. Ich habe den Eindruck, als seien die Spieler hinter einer Scheibe gefangen. Die absolute Leidenschaft und der Wille haben gefehlt. Ich glaube fast, dass wir einen Psychologen brauchen.»

Ein weiterer Faktor für den Fehlstart in die Ära Simpson sind natürlich die Verletzungen. «In meinen ersten drei Trainings haben sich drei Spieler verletzt», stellte der neue Flyers-Headcoach kopfschüttelnd fest. «Das habe ich noch nie erlebt.» Gegen Lausanne fiel auch noch Captain Victor Stancescu aus und gesellte sich damit zu den anderen, prominenten Verletzten wie Denis Hollenstein, Martin Gerber oder Marcel Jenni. Dass Verteidiger Jim Vandermeer für seine Attacke gegen Biel-Captain Mathieu Tschantré gestern gesperrt wurde, half angesichts der angespannten Personalsituation auch nicht.

Sean Simpson ist jedenfalls froh, kommt nun die Weihnachtspause: «Die Mannschaft braucht jetzt unbedingt Abstand vom Eishockey». Vielleicht kehrt der neue Besen dann im neuen Jahr besser.

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