Eishockey NLA
Der HC Davos gewinnt das erste Strich-Duell gegen Lugano 5:3

Davos feierte im Kampf um die Playoff-Teilnahme einen wichtigen Sieg. Die Bündner bezwangen Lugano zu Hause 5:3 und liegen weiterhin zwei Punkte über dem Strich. Am Sonntag bereits kommt es im Tessin zur Revanche.

Kristian Kapp
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Luganos Stefan Ulmer wird vor dem Davoser Tor aus dem Weg geräumt.

Luganos Stefan Ulmer wird vor dem Davoser Tor aus dem Weg geräumt.

Keystone

Ein echtes Duell am Strich, ein Kampf um Playoff-Plätze, ein Aufeinanderprallen zweier verzweifelt nach Punkte jagenden Teams – das war nicht das, was sich der HC Davos und der HC Lugano am Samstag lieferten. 5:3 stand am Ende zwar auf der Anzeigetafel, doch das täuschte über die wahren Kräfteverhältnisse an diesem Abend.

Die Tessiner schönten das Resultat im Schlussdrittel von 1:5 auf 3:5 und konnten so kaschieren, dass sie an diesem Spiel nicht wirklich teilgenommen hatten. Der HC Davos schonte sich in den letzten 20 Minuten für die Revanche am Sonntag in der Resega, doch er tat das derart dilettantisch, dass kurz tatsächlich noch die Frage nach dem Sieger aufgeworfen wurde.

Für einen veritablen Strichkampf mit allem Drum und Dran fehlten zwei Teams auf Augenhöhe. Der HC Lugano lief 40 Minuten lang Puck und Gegner hinterher, gewann keine Zweikämpfe, erspielte sich bei numerischem Gleichstand auf dem Eis kaum eine Torchance und war mit dem 4-Tore-Rückstand noch gut bedient.

Der HC Lugano treibt diese Saison seine Anhängerschaft nicht selten in die Ratlosigkeit, Am Samstag war wieder so ein Abend. Wenn bei einem 5:1-Zwischenstand die grössten Mankos des Führenden das Powerplay und die Chancenauswertung sind, sagt das viel aus über den Spielverlauf. Einige Tore waren immerhin ansehnlich: Die Kombinationen vor Robert Kousals 2:0 und Dino Wiesers 4:1 zum Beispiel oder die Coolness Andres Ambühls beim 3:0.

Die Wende wäre ein Hohn gewesen, doch die Vorfälle im Schlussdrittel zeigten auch, welch fragiles Konstrukt der HC Davos derzeit ist. Es mag kaum eine Störung zu leiden, schon sind Nervosität und Unsicherheit Wegbegleiter der Bündner. Wenn es ihm aber nach seinem Gusto läuft, wenn er dann sein Spiel aufziehen kann, hat der HC Davos die Fähigkeit, über die meisten Gegner hinwegzubrausen oder diese zu dominieren.

Die frühe Führung im Rücken verlieh Davos jenes Selbstvertrauen, das die Mannschaft braucht, um ihr intensives Forechecking effizient durchzuziehen. Immens war der Aufwand im Startdrittel – er lohnte sich. Wieder und wieder gelang Lugano kein Spielaufbau, die Verteidiger verloren unter Dauerdruck die Scheibe im Akkord, die viel eingesetzten Ryan Wilson und Philippe Furrer gehörten zu den Meistgeplagten des Davoser Pressings.

Doch es brauchte einen Impuls Luganos, um die Davoser Angriffsmaschine ins Laufen zu bringen. Er erfolgte nach drei Minuten, er kam von Elvis Merzlikins. Ausgerechnet Merzlikins. Luganos Torhüter hatte in den beiden letzten Direktbegegnungen Davos zum Verzweifeln gebracht: 1:0 in der NLA und 4:0 am Spengler Cup lauteten die Resultate zu Gunsten Luganos. Doch am Samstag lieferte der Lette die Steilvorlage zum 1:0.

Nach seinem Ausflug in die Spielfeldecke landete der Puck bei Andres Ambühl und via Tino Kessler im Tor. 1:0 führte der HC Davos, der nervös begonnen hatte, nun aber Tempo aufnahm – ein Tempo, das Lugano überforderte. Somit holte Davos nicht nur drei Punkte in diesem Strichkampf, er löste auch das Rätsel Elvis Merzlikins.

Es fehlt Konstanz in der Offensive

Letzteres könnte ein Faktor im Wiedersehen am Sonntag im Tessin sein. Andererseits hat der HC Davos diese Saison schon mehrfach auf eine Torflut eine offensive Nullnummer folgen lassen. Dieses Auf und Ab ist steter Begleiter der Bündner im Strichkampf.

Ebenfalls massgebend dürften am Sonntag die Kräfteverhältnisse werden. Beide Coaches schreckten am Samstag nicht davor zurück, mehreren ihrer besten Kräften rund 20 Minuten Auslauf zu gewähren. Ansonsten verteilte Arno Del Curto auf Davoser Seite die Eiszeit etwas gleichmässiger.