Eishockey
Der doppelte Arno

Arno Del Curto Cheftrainer in Davos und Nationaltrainer im Nebenamt – geht das? Diese Frage hält die Hockeyschweiz seit der Entlassung von Glen Hanlon auf Trab.

Klaus Zaugg
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Solange Arno Del Curto in Davos arbeitet, wird er kaum Nationaltrainer.

Solange Arno Del Curto in Davos arbeitet, wird er kaum Nationaltrainer.

KEYSTONE

Zumal alle Nachfolgeregelungen (John Fust, Felix Hollenstein) ausdrücklich nur für die Nationalmannschafts-Termine während der Saison, nicht aber für die WM gelten. Nun dreht sich wieder einmal alles um Arno Del Curto. Viele Kreise würden den charismatischen Nonkonformisten gerne auch an der nationalen Bande sehen. Der HCD während der Saison und die Nationalmannschaft an der WM – das müsste doch zu machen sein. Oder?

Diese Idee ist auf den ersten Blick populär. Aber sie hat mit ziemlicher Sicherheit keine Chance. Das liegt einerseits an den Strukturen unseres Eishockeys (die Klubs haben die Macht) und andererseits an den vielfältigen Anforderungen an den Nationaltrainer. Der Verwaltungsrat des Verbandes Swiss Ice Hockey heuert und feuert den Schweizer Nationaltrainer. Die Nationalmannschafts-Kommission ist dabei das entscheidende beratende Gremium. Dort haben ZSC-Lions-Manager Peter Zahner, SC-Bern-Sportchef Sven Leuenberger, Nationalmannschafts-Direktor Raeto Raffainer und Verbands-Verwaltungsrat Michael Rindlisbacher Einsitz.

Viele Gründe dagegen

Peter Zahner war bis 2007 Verbandsdirektor. Er kennt die Problematik aus verschiedenen Perspektiven und jahrelanger Erfahrung. Er sagt, das Modell eines nebenamtlichen Nationaltrainers habe in anderen europäischen Ländern nie funktioniert. «Wenn ein Nationaltrainer auch noch Klubtrainer ist, dann kann dieser Klub praktisch keinen Transfer mehr machen, ohne dass es ein Theater gibt.» Bei Arno Del Curto kommt hinzu, dass er faktisch in Davos auch noch das Amt eines Sportchefs ausübt.

Zahner sagt, diese heikle Ausgangslage sei aber nicht das grösste Problem. «Wir haben heute mindestens zehn Spieler in Übersee, die für die WM in-frage kommen. Diese Spieler haben ein Ego, das gepflegt sein will. Der Nationaltrainer muss während der Saison jedem mindestens einmal die Aufwartung machen. Nur der Coach kann Fragen über die Rolle, die einer im WM-Team spielen soll, beantworten.» Und das sei nebenamtlich nicht machbar. Zudem sei der Nationaltrainer auch für die Sponsoren wichtig. «Wer Geld in die Nationalmannschaft investiert, gibt sich nicht einfach mit einem Aufnäher auf dem Dress zufrieden. Der Nationaltrainer hat auch repräsentative Aufgaben zu übernehmen. Das kann er im Nebenamt nicht.»

Die Klubs haben das Sagen

Es gäbe allenfalls die Möglichkeit, dass eine starke Persönlichkeit als Nationalmannschafts-Manager die Aufgaben des Nationaltrainers während der Saison bis zur WM übernimmt. «Aber diese allseits akzeptierte starke Persönlichkeit haben wird nicht», sagt Zahner. «Vielleicht kann eine solche Aufgabe dereinst ein Spieler vom Format eines Mark Streit übernehmen.»

Die Frage ist nun: Was passiert, wenn Raeto Raffainer der Nationalmannschafts-Kommission Arno Del Curto als Nationaltrainer im Nebenamt vorschlägt? Peter Zahner: «Dann werden wir sorgfältig die Argumente prüfen und die Meinung der Klubs einholen. Gegen unseren Willen wird der Verwaltungsrat keinen Nationaltrainer ernennen.» Peter Zahner sieht bei den Klubs keine Mehrheit für einen Nationaltrainer im Nebenamt.

Bei näherer Betrachtung zeigt sich: Zu viele Argumente sprechen gegen die Doppel-Lösung. Damit zeichnet sich ab: Die an und für sich populäre Lösung mit Arno Del Curto ist bei den Klubs nicht durchsetzbar. Im Verbands-Verwaltungsrat haben die Vertreter der Nationalliga-Klubs die Mehrheit. Pius-David Kuonen hatte diese Machtverhältnisse nicht bedacht und nicht immerauf der von Peter Zahner und SCB Manager Marc Lüthi vorgegebenen Linie politisiert. Er ist im August mit Rücktritt seiner Abwahl zuvorgekommen und durch den linientreuen, ehemaligen SCB-Verwaltungsrat Michael Rindlisbacher ersetzt worden.

Die nationale Hockeypolitik wird auf der Achse Bern–Zürich gemacht. Wenn Peter Zahner Bedenken gegen Arno Del Curtos Doppelmandat vorbringt, dann wird es den doppelten Arno nicht geben.

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