Davos-Bern 3:1

Davos besiegt den SC Bern 3:1 und ist erster Playoff-Finalist

Jubelnde Davoser nach dem 1:1-Ausgleichstreffer

Jubelnde Davoser nach dem 1:1-Ausgleichstreffer

Der HC Davos steht erstmals seit vier Jahren und seinem letzten Meistertitel wieder im Playoff-Final. Für den SC Bern ist die Saison nach der 1:3-Schlappe zu Ende.

Zehn Kilogramm beträgt der Körpergewicht-Unterschied zwischen Perttu Lindgren und Jesse Joensuu. Das hindert den Davoser Finnen in der 28. Spielminute nicht daran, seinen schwereren und grösseren Landsmann in den Reihen des SC Bern aufs Eis zu wuchten, sich die Scheibe zu schnappen, über das ganze Spielfeld zu fahren und schliesslich massgerecht für Mitspieler Marcus Paulsson aufzulegen. Der trifft herrlich zum 1:1. Es ist der Anfang vom Ende für den SC Bern. Und eine Szene, die die Kräfteverhältnisse in dieser Serie nicht besser hätte veranschaulichen können. Hier der HCD, der entschlossen und zielstrebig agiert. Dort der SCB – zwar willig, aber letztlich in den entscheidenden Augenblicken doch zaudernd und behäbig.

Mit 4:0-Siegen marschiert der HC Davos in den Playoff-Final. Ein Verdikt, welches vor dieser Serie niemand für möglich gehalten hätte, wurde Tatsache. Der SC Bern hat in der Best-of-7-Playoff-Ära noch nie zu null verloren. Seit gestern gehört dieser Nimbus der Vergangenheit an. Die Berner wurden von den Davosern letztlich vor unlösbare Probleme gestellt. So nah die Mannschaft von Guy Boucher in jedem der vier Spiele auch an einem Erfolgserlebnis schnuppern durften. Am Ende hatten die Davoser für alle Schwierigkeiten, die sich ergaben, eine intelligente Lösung. Auf der anderen Seite war der SCB nicht in der Lage, das sinkende Schiff unter Kontrolle zu bringen.

Samuel Wasler mit Eigentor

Auch im vierten Spiel durften sich die Berner ein Drittel lang Hoffnungen auf den dringend nötigen Sieg machen. Ja es schien sogar, als ob die Partie mal nach ihrem Gusto verlaufen würde, als sie durch ein Eigentor des Davosers Samuel Walser sogar mit 1:0 in Führung gingen und sich Chancen für weitere Tore erkämpften. Doch so optimal das erste Drittel lief, so spektakulär fiel das SCB-Kartenhaus im zweiten Abschnitt in sich zusammen. Nach Paulssons Ausgleich spielte nur noch eine Mannschaft – der HC Davos. Was folgte, war eine Demonstration der Bündner, die die zusehends entmutigten Berner in Grund und Boden spielten und die Partie innert zehn Minuten entschieden.

Die Hauptrollen spielten dabei ausgerechnet die Davoser Ausländer, die von Trainer Arno Del Curto im Vorfeld der Playoffs auch schon harsch kritisiert worden waren. Als es zählte, lieferten sie starke Leistungen ab. Nach Lindgrens Effort und Paulssons Traumtor markierte der nach zwei Spielpausen wieder eingesetzte Dick Axelsson den Führungstreffer (33.). Sechs Minuten später doppelte Paulsson im Powerplay nach: 3:1. Die Berner waren stehend k.o. und konnten die letzte und entscheidende Niederlage trotz aufopferungsvollem Kampf im letzten Drittel nicht mehr abwenden.

Finalqualifikation ein grosser Erfolg

In den vier Spielen gegen den HCD erzielte der SCB letztlich lediglich fünf Törchen. Viel zu wenig gegen eine Davoser Mannschaft, deren Selbstvertrauen nach dem späten Ausgleich und dem folgenden Overtime-Sieg im ersten Duell ins Unermessliche stieg. «Wir hofften bis zum Schluss auf einen Lucky Punch, aber das letzte Quäntchen Energie hat wohl irgendwie gefehlt», konstatierte SCB-Stürmer Martin Plüss. Energie, die sich die Berner in den nun anstehenden Sommerferien wieder holen können. Für den jungen, sich im Umbruch befindenden HC Davos stellt die Finalqualifikation ein Grosserfolg dar.

Vor dieser Saison hatte Davos seit 2011 keine Playoff-Serie mehr gewonnen. Die Qualifikation beendeten die Bündner bloss auf Platz 5. Doch die Davoser machen das ausgezeichnet, was die Fans jeweils lautstark verlangen: kämpfen und siegen! Wie schon in Spiel 1 in Bern, als das Team von Arno Del Curto erst 11,5 Sekunden vor Schluss noch ausgeglichen und danach in der Overtime gewonnen hatte (3:2), setzte sich der HC Davos auch im vierten Spiel wieder nach einem Rückstand durch. In der Viertelfinalserie gegen Zug war den Davosern sogar bei allen vier Siegen die Wende nach Rückständen gelungen.

Und Bern? Von den Mutzen gab es nichts Neues zu berichten. Wieder zeigten die Berner gute Ansätze. Aber die Ineffizienz vor dem gegnerischen Gehäuse vermochten sie trotz intensivem Schusstraining seit dem samstäglichen Spiel 3 nicht abzulegen. Das Führungstor nach 17 Minuten durch den Finnen Jesse Jönsuu fiel erst noch auf zufällige Art und Weise. Der Davoser Samuel Walser lenkte den Puck unglücklich und unhaltbar für Leonardo Genoni ins eigene Netz ab.

Bührer der statistisch schlechtere Torhüter

Leo Genoni gewann auch das vierte Duell gegen Marco Bührer wieder klar. Genoni gelangen 29 Paraden. Bührer hingegen kam während der ersten zwei Drittel wieder nur auf zehn Paraden. Zwischen der 28. und der 39. Minute liess er drei von fünf Schüssen auf sein Tor passieren. Bührer verschuldete zwar keines der Gegentore direkt, andererseits gelangen ihm Glanzparaden erst zu Beginn des Schlussabschnitts.

Der SC Bern scheiterte aber gewiss nicht wegen Marco Bührer im Halbfinal sang- und klanglos, sondern wegen der miserablen Chancenverwertung. Es war bezeichnend für Berns Vorstellung in der Offensive, dass der einzige Treffer eigentlich ein Davoser Eigengoal war. Immer wieder stellten sich die Berner im Angriff ungeschickt an. Philippe Furrer verzögerte aus guter Abschlussposition den Schuss, wurde danach gestört und brachte bloss noch einen harmlosen Abschlussversuch zu Stande (7.). In zwei seiner fünf Powerplay-Chancen brachten die Berner nicht einmal einen Schuss zu Stande.

Thomas Ruefenacht lupfte in der 12. Minute vor dem offenen Tor den Puck über die Latte. In der 19. Minute rutschten gleich zwei Berner am Puck vorbei. Und in der 37. Minute hätte Bud Holloway den 2:2-Ausgleich erzielen können, wenn es ihm in Überzahl gelungen wäre, die Scheibe vor dem gegnerischen Goal unter Kontrolle zu bringen.

Und so kam es, wie es kommen musste. Statt 2:0 oder 3:0 führte Bern bis zur 28. Minute lediglich mit einem Tor Unterschied. Und innerhalb von zehn Minuten und 47 Sekunden realisierte Davos mit drei Goals zum 3:1 die Wende. Die schwedischen Könner erzielten die Tore: Marcus Paulsson, der PostFinance-Topskorer, erzielte seine Saisontore Nummer 17 (1:1) und 18 (3:1). Dazwischen hatte Dick Axelsson, der nach zwei Partien Verletzungspause wieder mittun konnte, das 2:1 markiert. Das 3:1 realisierte Davos in Überzahl. Bei den ersten beiden Treffern überliefen die Davoser Angreifer die überforderten Berner Söldnerlinie mit Justin Krueger, Marc-André Gragnani, Bud Holloway, Byron Ritchie und Jesse Jönsuu.

Matchtelegramm:

Davos - Bern 3:1 (0:1, 3:0, 0:0)

6018 Zuschauer. – SR Stricker/Wiegand, Espinoza/Kaderli. – Tore: 17. Jönsuu 0:1 (Eigentor Samuel Walser). 28. Paulsson (Lindgren) 1:1. 33. Axelsson (Simion, Samuel Guerra) 2:1. 39. Paulsson (Sciaroni, Forster/Ausschluss Ruefenacht) 3:1. – Strafen: 5mal 2 Minuten gegen Davos, 3mal 2 Minuten gegen Bern. – PostFinance-Topskorer: Paulsson; Martin Plüss.

Davos: Genoni; Félicien Du Bois, Samuel Guerra; Heldner, Forster; Jan von Arx, Paschoud; Schneeberger; Ambühl, Redenbach, Paulsson; Marc Wieser, Lindgren, Axelsson; Sciaroni, Samuel Walser, Dino Wieser; Simion, Corvi, Jörg; Gregory Hofmann.

Bern: Bührer; Beat Gerber, Gragnani; Flurin Randegger, Blum; Krueger, Philippe Furrer; Kreis, Sandro Wiedmer; Holloway, Ritchie, Jönsuu; Tristan Scherwey, Martin Plüss, Bertschy; Alain Berger, Ruefenacht, Simon Moser; Reichert, Gardner, Pascal Berger.

Bemerkungen: Davos ohne Reto von Arx und Koistinen, Bern ohne Kobasew, Jobin (alle verletzt) und Cloutier (überzähliger Ausländer). – Lattenschuss Reichert (12.). – Timeout Bern (58.).

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