SC Bern

Das ist der Beweis für die Bissspuren auf John Tavares’ Körper

Das ist das Foto, das von SCB-Sportchef Sven Leuenberger beim EInzelrichter als Beweis für den Kparghai-Biss eingereicht worden ist.

Das ist das Foto, das von SCB-Sportchef Sven Leuenberger beim EInzelrichter als Beweis für den Kparghai-Biss eingereicht worden ist.

Einzelrichter Reto Steinmann hat sein heikelstes Verfahren eröffnet: Hat Biels Clarence Kparghai Berns NHL-Stars John Tavares gebissen?

Eigentlich hat Reto Steinmann seine Kanzlei in Zug während der Festtagspause geschlossen. Doch heute ist er von Davos nach Zug gefahren und hat sein Büro aufgeschlossen, um drei ordentliche Verfahren zu eröffnen. Anschliessend ist er wieder nach Davos gefahren, wo er Einsitz in der Turnier-Jury hat.

Der interessanteste Fall: Der SCB hat ein Verfahren im «Fall Kparghai» angeregt. Biels Verteidiger soll im Derby vom 22. Dezember (Biel gewann 4:3 n.P.) NHL-Stürmer John Tavares während einer Rangelei gebissen haben. Was der Angeschuldigte bestreitet.

Zum Beweis hat der SCB Fotos eingereicht, die Bissspuren am Körper von Tavares zeigen. Für Steinmann der heikelste Fall seiner Einzelrichterkarriere. Er kann die Biss-Attacke nur bestrafen, wenn er klare Beweise hat. TV- oder Video-.Bilder der Biss-Attacke gibt es offenbar nicht. Nur Fotos der angeblichen Bissverletzung. Und so könnte ein Schelm fragen: Was ist, wenn Tavares von seiner Freundin gebissen worden ist? SCB-Sportchef Sven Leuenberger sagt unwirsch: «Die Freundin von Tavares war gar nicht da.» Reto Steinmann sagt, das müsse er theoretisch tatsächlich abklären bzw. er müsse wissen, ob die Bisswunden tatsächlich von Kparghai und nicht von einer anderen Person sind. Um alle Beweismittel zu sichern, hat der Einzelrichter den Mannschaftsarzt der Kanadier unverzüglich beauftragt, die Bisswunden von John Tavares noch hier in Davos zu untersuchen und einen ausführlichen Rapport zu schreiben. Steinmann sagt: «Wir können in der Sache nicht bis nach dem Spengler-Cup warten. Sonst sind die Bissspuren nicht mehr sichtbar.» Oder sind am Ende sogar DNA-Proben notwendig? Steinmann: «Das ist zumindest theoretisch nicht auszuschliessen.»

Angeblich hat Clarence Kparghai während einer Rangelei John Tavares im Bereich der Rippen gebissen. SCB-Sportchef Sven Leuenberger sagt: «Es kursieren im Internet falsche Fotos. Die Verletzung am Hals von Tavares aus diesem Spiel sind Kratzspuren aus der Rangelei und nicht Bissverletzungen. Er ist nur im Bereich der Rippen gebissen worden – offenbar, während er Kparghai im Schwitzkasten hatte.»

Sven Leuenberger sagt, er habe die Bissspuren gleich nach dem Spiel mit der Hand-Kamera fotografiert und den beiden Schiedsrichtern Karol Popovic und Stephane Rochette gezeigt. Doch die beiden seien nicht bereit gewesen, sich weiter mit der Sache zu beschäftigen. Reto Steinmann sagt, er werde nun die beiden Schiedsrichter befragen. Am anderen Tag hat dann John Tavares die Verletzung auch noch selber fotografiert. Sven Leuenberger sagt: «Diese Bilder haben wir Liga-Chef Ueli Schwarz und Schiedsrichter-Chef Reto Bertolotti weitergeleitet. Weil wir denken, dass es nicht geht, dass im Eishockey gebissen wird.»

Und so ist der Fall auf dem Schreibtisch von Einzelrichter Reto Steinmann gelandet. Es gibt kein Reglement, das Strafen oder Bussen oder Sperren für Bissattacken vorsieht. Der Einzelrichter kann jedoch aufgrund des Allerweltsartikels 81 (unsportliches Verhalten) eine Strafe aussprechen.

Juristisch ist eine Beissattacke eine einfache Körperverletzung und ein Angriff, mit dem ein Eishockeyspieler nicht rechnen muss. Eine Strafanzeige von John Tavares gegen Clarence Kparghai wäre aus juristischer Sicht das richtige Vorgehen. Die Gefahr, dass das hockeyjuristische Verfahren dieser Angelegenheit in die Grauzone der Lächerlichkeit gerät und sich NHL-Star John Tavares letztlich zum Clown macht, ist erheblich. Solche Fälle regeln Männer im Eishockey eigentlich unter sich. Affaire à suivre.

Einzelrichter Reto Steinmann hat ausserdem zwei weitere Verfahren eröffnet: Gegen HCD-Verteidiger Robin für einen Angriff auf das Knie von Zugs Verteidiger Tino Helbling. Und gegen den HCD-Strafbankbetreuer Fritz Eisentraut für angebliches Schubsen gegen Zugs Stürmer Sven Lindemann im gleichen Spiel vom 22. Dezember (Davos siegte 5:2).

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