Eishockey
Wechsel des Sportchefs: Wie teuer wird der «Fall Raffainer» für den SC Bern?

Der SC Bern reagiert auf den anhaltenden sportlichen Zerfall. So bald als möglich soll Raeto Raffainer als «Über-Sportchef» seine Arbeit in Bern aufnehmen.

Klaus Zaugg
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Sportchef Raeto Raffainer posiert während des Sommertrainings beim HC Davos.

Sportchef Raeto Raffainer posiert während des Sommertrainings beim HC Davos.

Gian Ehrenzeller / KEYSTONE

Der 39-jährige Engadiner Raeto Raffainer hat seinen Vertrag in Davos gekündigt und wartet nun auf die Freigabe. Die Frage daher: wie teuer wird der «Fall Raffainer» für den SCB?

Wenn ein Klub mit einem Spieler, Manager oder Trainer verhandeln will, der bei der Konkurrenz noch einen weiterlaufenden Vertrag hat, so gibt es eine Anstandsregel: vor dem ersten Gespräch wird beim Präsidenten angefragt, ob man verhandeln dürfe.

HCD-Präsident Domenig ist verärgert

Was gegen alle Hockey-Sitten verstösst: Verhandlungen hinter dem Rücken der Verantwortlichen. Das hat SCB-Manager Marc Lüthi getan und Davos den Sportchef in einer Geheimaktion ausgespannt. HCD-Präsident Gaudenz Domenig ist entsprechend ungehalten. Der vorzeitige Wechsel von Raeto Raffainer dürfte den SCB eine sechsstellige Summe kosten.

Der HCD-Obmann lässt sich in der Sache nicht zu einer Polemik hinreissen. Das ist nicht sein Stil. Aber der Ärger in seiner Stimme ist unüberhörbar: «Wir haben vom Wechsel zum SCB erst erfahren, als Raeto Raffainer die Kündigung eingereicht und erklärt hat, er gehe nach Bern.»

Kein Vorwurf an Raffainer

Das Problem: auch nach der ordentlichen Kündigung läuft Raeto Raffainers Vertrag in Davos noch über das Saisonende hinaus. Gaudenz Domenig macht seinem abtrünnigen Sportchef keinen Vorwurf.

«Die Schweizer Transfers und die Vertragsverlängerungen sind gemacht. Wir haben etwas Zeit mit der Neuorganisation der Sportabteilung. Aber wir haben nicht viel Zeit und sind alles andere als erfreut, dass wir so unverhofft eine unserer wichtigsten Führungskräfte verlieren.»

Gaudenz Domenig sagt, es mache keinen Sinn, Raeto Raffainer Steine in den Weg zu legen. Der HCD wird seinem scheidenden Sportdirektor zeitnah erlauben, die neue Stelle in Bern vorzeitig anzutreten. Aber eben nicht gratis. Der HCD-Vorsitzende offenbart wohlweislich nicht in welcher Form und Höhe der HCD vom SCB Kompensation und Genugtuung für die formelle Freigabe seines Sportchefs fordern wird. Aber er lässt unmissverständlich durchblicken, dass in dieser Sache noch lange nicht das letzte Wort gesprochen ist.

Immerhin hat Marc Lüthi den neuen Sportchef nicht mit einem überrissenen Salär geködert. Raeto Raffainer erklärt freimütig: «Ich verdiene beim SCB nicht mehr als beim HCD.» Die bisherige Sportchefin Florence Schelling bleibt im Amt, ist nun aber in Organigramm und Hierarchie hinter Raeto Raffainer gerutscht. Wie es beim HCD weitergehen wird, ist noch völlig offen.