Schweizer Cup
Ein tückischer Titel und eine schwierige Entscheidung

Der FC Basel holt mit dem Cupsieg zum ersten Mal seit zwei Jahren einen Titel. Doch Euphorie wäre in Basel trotzdem fehl am Platz.

Sébastian Lavoyer
Sébastian Lavoyer
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Die Bilderstrecke vom Cupfinal: Lächeln, winken und jubeln für das obligate Cupsieger-Foto.
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Marek Suchy erhält den Pokal und gibt ihn gleich an den nächsten weiter.
Bildstrecke: Fussball, Cupfinal 2019, FC Basel - FC Thun (19.5.19)
Nach dem Abpfiff rennen die Spieler des FC Basel zur Seitenlinie. Der Cup gehört ihnen.
Valentin Stocker (r.) hebt seinen Torhüter Jonas Omlin hoch. Auch Omlin ist der glückliche Ausgang für den FC Basel zu verdanken.
Enttäuschung auf der anderen Seite: Kenan Fatkic (l.) und Guillaume Faivre (r.) trösten sich gegenseitig.
Fabian Frei lässt den Emotionen nach seinem Treffer zum 2:0 freien Lauf.
Auch Thuner zupfen am Leibchen: Nicola Sutter (l.) reisst Eder Balanta (r.) zurück.
Einwurf: Taulant Xhaka (r.) spricht noch kurz mit Thuns Cheftrainer Marc Schneider (l.).
Wenn man nicht schneller ist, hält man den Gegner anders zurück. Wie Valentin Stocker (l.) hier gegen Marvin Spielmann (r.).
Nur fliegen ist schöner: Carlos Zambrano (l.) hebt ab, Dejan Sorgic (r.) läuft in die falsche Richtung.
Nicht ganz mit rechten Dingen geht dieses Duell vonstatten. Taulant Xhaka (l.) zupft am Leibchen von Marvin Spielmann (r.).
Stützt Taulant Xhaka (l.) Chris Kablan (r.) ab oder versucht er noch an den Ball zu gelangen?
Noah Okafor (l.) und Matteo Tosetti (r.) im Laufduell.
Kritischer Blick: Basels Trainer Marcel Koller trotz der 1:0-Führung seines Teams.
Das Tor der Basler aus einem anderen Blickwinkel.
Taulant Xhaka (l.) springt Valentin Stocker (r.) nach Ajetis Tor in die Arme.
Knapp daneben: Thuns Torhüter Guillaume Faivre kommt nicht mehr an den Ball. Der Schuss von Albian Ajeti geht zum 1:0 ins Tor.
Die Basler Fans sind im Stadion kreativer und haben eine grosse Choreo mitgebracht.
Um den geht es: Der Cup-Pokal mit den Schleifen in den Farben beider Teams.
Thuns Sportchef Andres Gerber (l.) und Präsident Markus Lüthi (r.) strahlen. Wie lange noch?
In Bern ist die Ruhe vorüber: die FC-Basel-Fans marschieren zum Stadion.
Schon von weitem ist der Fanmarsch der Basler zu sehen.
Thun-Fans dürfen die YB-Kurve einnehmen und stehen schon zahlreich davor an.
Das Stade de Suisse ist bereit für den Cupfinal.

Die Bilderstrecke vom Cupfinal: Lächeln, winken und jubeln für das obligate Cupsieger-Foto.

Keystone

Cupsieg hin oder her: Euphorie wäre in Basel fehl am Platz. Dafür hat zu vieles nicht gestimmt beim FCB. Und darüber darf dieser Titel nicht hinwegtäuschen. Zuerst die Entlassung von Raphael Wicky nach bloss zwei Spielen, dann nach 15 Jahren mit internationalen Spielen in Basel das Ausscheiden aus der Europa League unter Nachfolger Marcel Koller. Man hatte das Ziel «Rückeroberung der Meisterschaft» ausgerufen – und dann tauchte man im Herbst in Bern mit 1:7. Ein Debakel.

Vieles hat man in Basel seit dem Umbruch falsch eingeschätzt. Zuallererst das Ausmass an Veränderung, das man dem Klub zugetraut hat. Das war wohl nicht nur ein Fehler der aktuellen Führung rund um Präsident Bernhard Burgener, die in der Anfangseuphorie auch den bewährten Coach Urs Fischer mit Neuling Raphael Wicky ersetzte und im Winter nach einer ersten Aufholjagd mit Manuel Akanji und Renato Steffen zwei wichtige Teamstützen ziehen liess. Nein, vermutlich hat auch die alte Führung um Bernhard Heusler dem Verein mit ihrem geschlossenen Rücktritt etwas gar viel zugemutet.

Distanz zu YB ist gewaltig

Zwar hat Marcel Koller den FCB in der zweiten Saisonhälfte stabilisieren können. Aber schon vor der Winterpause hat er die Mannschaft gegen sich aufgebracht. Der Kulturwechsel vom lockeren Wicky zum strengen Koller war für das Team eher ein Kulturschock. Dieser scheint überwunden. Dafür sprechen die Resultate.

Dafür spricht auch dieser Sieg im Cup gegen den FC Thun. Die Mannschaft spielt wenigstens nicht gegen den Trainer. Doch die Distanz zu YB ist noch immer gewaltig. Das zeigte das 1:3 vor einer Woche in Bern. Da hat der FCB zwar vier Tore weniger kassiert als im Herbst, war aber – so die Statistiken – ähnlich unterlegen. Auch der Cupsieg gegen Thun, ein ersatzgeschwächtes Team praktisch ohne Finalerfahrung, war wenig berauschend.

Streller ist nicht zu beneiden

Wie weiter also? Mit oder ohne Koller? Er habe noch ein Jahr Vertrag, sagte der Trainer selbst. Aber: «Was im Sommer passiert, weiss ich nicht.» Sein Stuhl wackelt, sonst würde er kaum so reagieren. Strellers Ausweichen, wenn er auf den Trainer angesprochen wird, stützt diese Theorie. Überhaupt ist der Sportchef zurückhaltender geworden, wohl auch demütiger.

Er kündet nicht die Rückeroberung des Meistertitels an, sondern will die Distanz zu YB verkürzen. Schwierig genug, wenn man bei den Löhnen sparen muss. Über 20 Millionen Franken. Das könnte Koller helfen, im Amt zu bleiben. Wobei es eigentlich keine Rolle spielen darf. Streller ist nicht zu beneiden.