Eishockey-WM

Ein Hurrikan bringt frischen Wind: Nino Niederreiter stösst zum Schweizer WM-Team

Kaum in Wien gelandet, schon im Mittelpunkt des Interesses: Nino Niederreiter.

Nach einer langen und kräftezehrenden Saison mit den Carolina Hurricanes verstärkt Nino Niederreiter nun das Schweizer WM-Team und wird zugleich mit den an ihn hohen Erwartungen konfrontiert. Der Sturmtank soll die Offensive mit seiner Präsenz beleben und die Schweiz im Powerplay stärker machen.

Am Ende waren sie alle müde, die Spieler der Carolina Hurricanes. Die NHL-Mannschaft, die in der nordamerikanischen Profiliga für eine der märchenhaftesten Geschichten gesorgt hatte, schied im Playoff-Halbfinal gegen die übermächtigen Boston Bruins glatt in vier Spielen aus.

Die Tanks waren leer. Physisch wie psychisch liefen die Cracks der «Canes» alle am Limit. Auch Nino Niederreiter, der Schweizer Sturmtank in der Offensive Carolinas.

Es hätte also niemanden erstaunt, wenn sich der 26-Jährige nach einer langen, entbehrungsreichen und vor allem kräftezehrenden Meisterschaft in der besten und härtesten Liga der Welt dazu entschieden hätte, seinem geschundenen Körper eine wohlverdiente Pause zu gewähren.

Sofort an die Nationalmannschaft gedacht

Aber Nino Niederreiter wäre nicht Nino Niederreiter, wenn er nicht schon wenige Stunden nach dem Playoff-Out an die Schweizer Nationalmannschaft gedacht hätte: «Für mich war immer klar, dass ich an der Weltmeisterschaft spielen möchte, wenn ich mit Carolina ausscheide», sagt er im Anschluss an sein erstes Eistraining mit seinen Teamkollegen in Bratislava.

Am Vormittag war er in Wien gelandet, nachdem er in der Nacht vom Samstag auf den Sonntag von Raleigh via Washington nach Zürich geflogen war. «Es war alles sehr hektisch. Nach dem Ausscheiden kam die Anfrage aus der Schweiz, ob ich an die WM kommen möchte. Carolina-GM Don Waddell hat mich angerufen und gefragt, ob ich gehen möchte. Dann war für mich klar, dass ich es mache», beschreibt er den Prozess zwischen Meisterschaftsende in der Nacht auf letzten Freitag und seiner Ankunft in der Slowakei am Montag.

Die Frage nach der Energie

Bleibt die Frage, wie es mit den Energiereserven aussieht – im Kopf und im Körper. Nino Niederreiter hat keine Zweifel, dass er den erhofften, frischen Wind ins Team zu bringen vermag: «Sobald man in die Nationalmannschaft kommt und dort Spieler trifft, die man ein Jahr lang nicht mehr gesehen hat, hat man automatisch wieder Energie. Ich freue mich extrem darauf, mit den Jungs zusammenzuspielen», sagt er und fügt an: «Die Stimmung ist jedenfalls toll. Ich versuche, das Maximum herauszuholen. Die Saison war sicher extrem lang. Aber ich weiss, dass das WM-Turnier höchstens noch eine Woche dauert. Jetzt geht es hoffentlich noch vier Spiele für uns.»

Vier Spiele würde bedeuten, dass die Schweizer den Viertelfinal am kommenden Donnerstag überstehen und am Wochenende, wie im Vorjahr, um die Medaillen spielen können.
Dass die Schweizer Nationalmannschaft die Qualitäten eines Nino Niederreiters, der in der abgelaufenen NHL-Saison in 97 Spielen 24 Tore erzielt und 33 Assists gegeben hat, gut gebrauchen kann, steht ausser Frage.

«Er bringt viel Kraft und viel Leidenschaft»

Er sagt: «Ich versuche, vor dem gegnerischen Tor präsent zu sein und dort hoffentlich den einen anderen Treffer zu erzielen.» Das erhofft sich auch Nationaltrainer Patrick Fischer: «Seine Präsenz gibt der Mannschaft sicher einen Push. Wir wissen alle, wie er in den letzten Jahren unsere Offensive angekurbelt hat. Er bringt viel Kraft und viel Leidenschaft. Nino ist für uns Schweizer absolut ein wichtiges Puzzleteil.»

Fischer schwärmt generell von der Einsatzbereitschaft des Churers: «Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Spieler nach drei Runden NHL-Playoffs noch an die WM kommt. Aber so ist Nino: Wenn wir ihn rufen, dann kommt er. Dann überlegt er nicht zweimal.»

Die dringendste Hilfe benötigen die Schweizer im Hinblick auf die entscheidende Turnierphase sicher im bisher mehr als ungenügenden Powerplay (nur vier Tore bei 31 Gelegenheiten). Dort wird Nino Niederreiter mit seiner physischen Präsenz eine Dimension in die Mannschaft bringen, die man zuletzt stark vermisst hatte.

Wer muss raus?

«Mit ihm kommt frischer Wind in unser Überzahlspiel. Er bietet uns neue Optionen. Er ist extrem gut ums Tor herum, kann Scheiben ablenken, findet Abpraller», sagt Fischer.

In welcher Sturmlinie Niederreiter heute gegen die Tschechen auflaufen wird, wollte der Nationaltrainer noch nicht verraten. Klar scheint einzig, dass Youngster Philipp Kuraschew, der schon gegen die Russen nur noch knapp drei Minuten Eiszeit erhalten hatte, seinen Platz in der Mannschaft verlieren dürfte. Für ihn wird wohl Andres Ambühl als Mittelstürmer zum Einsatz kommen.

Meistgesehen

Artboard 1