Es locken die Millionen. Irgendwo da draussen, in weiter Ferne. Dort, wo die besten ihrer Zunft spielen: in Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien oder England. Der Fussball, die Traumfabrik der Massen. Die finanziellen Verlockungen setzen dunkle Kräfte frei.

Das wurde der Öffentlichkeit diese Woche schlagartig bewusst, als der «Tages-Anzeiger» bei den Grasshoppers einen Bestechungsskandal aufdeckte. Von insgesamt fünf Junioren-Trainern hat sich der Rekordmeister im letzten Monat getrennt. Weil sie Geld einsackten, um Kinder einen Platz in einem Nachwuchsteam zu verschaffen, Zusatztrainings anboten, Eltern oder Beratern zu nahe standen.

Es ist ein Weckruf. Für den Schweizer Spitzenfussball. Denn ausschliessen mag niemand, dass so etwas auch andernorts passieren könnte oder schon passiert ist. Bloss bekannt wurde bisher nichts. Grund genug, genau hinzuschauen, nicht nur für uns, sondern auch für die Klubs. Welche Mechanismen wirkten bei diesem Skandal? Was wird getan und könnte man tun, um so etwas zu verhindern?

«Im Kinderfussball macht Bestechung keinen Sinn»

Spätestens ab Stufe U16, da sind sich die Experten einig, kann Bestechung ein Talent kaum weiterbringen. Oder sie müsste von enormem Ausmass sein. Denn ab diesem Alter sind zu viele Akteure in die Selektion involviert, zu viele objektive Daten werden herangezogen.

Zudem sind die Nachwuchstrainer bei den besten Klubs der Schweiz spätestens ab dieser Altersstufe Vollprofis und damit weniger anfällig für Bestechung. Und gegen unten? «Im Kinderfussball macht Bestechung keinen Sinn, das ist praktisch Breitensport», sagt Heinz Russheim, Leiter der FCZ-Academy.

Damit rückt insbesondere der Bereich zwischen U12 und U14 in den Fokus, die Altersstufen, in denen seit knapp sieben Jahren das Footeco-Programm des Verbandes greift. Mit diesem Programm etablierte der Verband 2012 ein System, das eine möglichst breite Förderung verspricht.

Dazu wurde die Fussball-Schweiz in Regionen zerteilt, regionale Stützpunkte installiert und diese einem Spitzenklub zugeordnet. So werden zum Beispiel im Grossraum Bern die besten Talente zwischen 11 und 14 Jahren in Freiburg, Köniz und Bern ausgebildet. Nur die Allerbesten landen danach bei YB. So läuft das auch in Basel und Zürich. Die Talente sollen so möglichst lange dezentral gefördert werden, nah am Daheim, nah bei den Eltern.

«Das Footeco-Programm hat das Controlling erschwert, man kann nicht überall präsent sein», sagt Marco Bernet. Er war während Jahren beim FCZ im Nachwuchs, später technischer Leiter, heute Trainer-Instruktor beim SFV. Wo die Kontrolle fehlt oder erschwert wird, entstehen Schattenbereiche, Bereiche, in denen dunkle Kräfte wirken können.

Anders sieht es Russheim: «Es wird viel breiter gefördert. Wenn es jetzt ein Kind nicht in eines der Förderteams schafft, also nicht unter den 60, 70 Besten seines Jahrgangs in einer Region ist, dann reicht es einfach nicht. Da hälfe auch Bestechung nichts.»

Brennpunkte der Bestechung

Beim Bestechungsfall im GC-Nachwuchs haben sich insbesondere drei Brennpunkte herauskristallisiert: zuvorderst die Trainer, aber auch die Eltern und Berater.
Beim FCZ hat Präsident Ancillo Canepa vor wenigen Jahren Grundsätze festgelegt, die für jeden FCZ-Angestellten zählen. Von der Putzfrau über die Trainer bis zum Sportchef.

Darin ist auch festgehalten, dass Bestechung nicht geht. YB hat einen Wertekodex. Bestechung steht im Widerspruch dazu. Thomas Paul, technischer Leiter beim FCB, sagt: «Wir haben keine abrupten Veränderungen im Trainer-Stab und zudem werden alle Spieler über längere Zeiträume immer von unterschiedlichen Trainern und Spezialisten bewertet.» Überall setzt man zudem auf das Mehraugen-Prinzip. Kein Trainer entscheidet allein. Überall werden objektive Werte (Schnellkraft, Ausdauer, Tore, Assists etc.) herangezogen.

Die Eltern sind bei allen drei Klubs schon früh involviert. Es gibt Gedanken, auch hier Ansätze zu finden, um Bestechung zu verhindern. In dem man ihnen klarmacht, dass ihr Kind vom Förderprogramm ausgeschlossen würde, sollte so etwas bekannt werden.

Bei GC hat man Berater bis zu 18-jährigen Spielern vom Verhandlungstisch verbannt. So radikal ist keiner der Topvereine, auch wenn man prinzipiell der Meinung ist, dass Talente erst beim ersten Profi-Vertrag allenfalls Unterstützung brauchen können.

Träume verkaufen sich gut

«Wir haben für unsere Nachwuchs-Spieler ein fixes Lohnschema. Ist einer damit nicht einverstanden, passt er nicht zu YB», sagt Christian Franke, technischer Leiter bei den Bernern. So will es Sportchef Christoph Spycher. Der Sport soll im Vordergrund stehen. Die Entwicklungsmöglichkeiten. Zugleich wird so der Handlungsspielraum von Beratern eingeschränkt. Da ticken die Spitzenklubs alle ähnlich.

Aussergewöhnliche Talente aber setzen diese Mechanismen ausser Kraft. Man zahlt mehr, um sie halten zu können. Darum versuchen Berater auch, sie schon möglichst früh für sich zu gewinnen. Mit teils fantastischen Versprechungen an Eltern. Träume verkaufen sich nun mal gut.