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Drei Schweizer Fussballerinnen im Land der Träume

Nach sieben Jahren beim Vfl Wolfsburg findet Noelle Maritz bei Arsenal eine neue Herausforderung...

Nach sieben Jahren beim Vfl Wolfsburg findet Noelle Maritz bei Arsenal eine neue Herausforderung...

Die Schweiz empfängt in der EM-Qualifikation Belgien – gleich drei prägende Nationalspielerinnen sind bei Arsenal London zu Hause.

Die erste Enttäuschung war heftig. Nur 1:1 im EM-Qualifikationsspiel in Kroatien am letzten Freitag. Nein, das war nicht das, was sich die Schweizer Fussballerinnen vorgestellt hatten. «Unsere Mentalität muss besser werden», sagt Trainer Nils Nielsen. «Das Resultat an sich stört mich weniger, als die Art und Weise, wie wir nach dem frühen Gegentor reagiert haben.»

Vielleicht ist es ganz gut, kommt die Gelegenheit zur Wiedergutmachung schon heute. In Thun empfängt die Schweiz Belgien. Es ist das erste von zwei Duellen, das über den Gruppensieg und damit die direkte EM-Qualifikation entscheiden wird. «Es wird ein ganz anderes Spiel als noch gegen Kroatien», sagt Lia Wälti, «Belgien wird mitspielen, weniger destruktiv sein.» Eines gibt sie gleichwohl zu bedenken: «Wir haben uns zu sehr auf Kroatiens Theater eingelassen. Egal, was passiert, wir dürfen unseren Spielplan nicht aus den Augen verlieren, weil ändern können wir die Geschehnisse sowieso nicht.»

Wie die Männer gegen Deutschland müssen auch die Frauen das Heimspiel komplett ohne Zuschauer bestreiten. «Mein Papi hat bis zuletzt gehofft, dass er doch noch ins Stadion darf, leider ist nichts zu machen», erzählt Wälti. Immerhin dürfen die Frauen nach dem Spiel ihre Familien kurz sehen, bevor sie sich wieder ins Ausland zu ihren Klubs aufmachen.

Lia Wälti spielt bereits seit 2018 für die Gunners – sie half ihren neuen Klubkolleginnen bei den ersten organisatorischen Fragen.

Lia Wälti spielt bereits seit 2018 für die Gunners – sie half ihren neuen Klubkolleginnen bei den ersten organisatorischen Fragen.

Seit Wälti vor zwei Jahren zu Arsenal wechselte, ist London ihre Heimat. Nun hat sich die Schweizer Arsenal-Delegation über den Sommer verdreifacht. Denn mit Noelle Maritz und Malin Gut wechselten gleich zwei weitere Eckpfeiler des Nationalteams zu Arsenal. «Darüber freue ich mich natürlich sehr, wir hatten schon den einen oder anderen Schweizer Abend», sagt Wälti. Sie hat ihren Landsfrauen insbesondere in organisatorischen Belangen geholfen.

Englands Frauenfussball als Mass aller Dinge

Sieben Jahre lang spielte Aussenverteidigerin Noelle Maritz beim VfL Wolfsburg. Meistertitel (5x), Pokal (6x), Champions League (1x) – sie hat alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt, obwohl sie erst 24 Jahre alt ist. Darum sagt sie nun: «Der Zeitpunkt ist gekommen, um mich noch einmal so richtig selbst herauszufordern.»

Dass die Wahl auf England fiel, ist kein Zufall. Die Professionalisierung der Liga und Vereine ist soweit vorangeschritten wie sonst nirgends in Europa. «Ob Trainingsgelände, Gym oder Stadion – wir Frauen können die Anlagen der Männer ganz selbstverständlich mitbenutzen. Das ist eine tolle Entwicklung», sagt Maritz. Und natürlich hilft es auch, dass Englands Frauen-Nationalteam tolle Erfolge feiert, an der WM 2019 erst im Halbfinal knapp an den USA scheiterte. «Rund um die EM 2022 wird es wohl noch einmal einen Boom geben», sagt Lia Wälti.

Malin Gut: Erst die Matur, dann der Wechsel nach London

Bereits mit 20 eine prägende Nationalspielerin: Malin Gut ist die jüngste Schweizer Arsenal-Spielerin.

Bereits mit 20 eine prägende Nationalspielerin: Malin Gut ist die jüngste Schweizer Arsenal-Spielerin.

Eine EM mit der Schweiz ist auch das grosse Ziel von Malin Gut, der dritten helvetischen ­Arsenal-Legionärin. Bis anhin spielte sie beim FCZ und GC, um vor dem Wechsel ins Ausland die Matura abschliessen zu können. Trotzdem nimmt sie in der Nati im zentralen Mittelfeld an der Seite von Wälti bereits eine tragende Rolle ein.

Das bedeutet auch: Ihre Entwicklung ist längst nicht abgeschlossen. Joe Montemurro, ihr Trainer bei Arsenal, traut Gut zu, eine der besten Mittelfeldspielerinnen weltweit zu werden. «Lob hört sich immer gut an, aber für mich geht es erstmal darum, den Anschluss zu finden. Weiter in die Zukunft schaue ich nicht», sagt Gut selbst. «Vom kleinen Dorf im Aargau in die Weltstadt London, das ist natürlich ein grosser Schritt, aber ein toller! Mir gefällt das Multi-­Kulturelle, du findest für jede und jeden eine passende Ecke.»

Und nun also das Spiel gegen Belgien. «Es ist wegweisend, ganz klar», sagt Maritz. Die Ausgangslage? Gewinnen die Schweizerinnen, stehen die Chancen gut, zumindest als eine der besten Gruppenzweiten direkt an die EM zu kommen. Verlieren sie, droht erneut die unangenehme Barrage.

EM-Qualifikation. Gruppe H. 18.00: Rumänien – Kroatien. 19.00: Schweiz – Belgien. Tabelle: 1. Belgien 5/15 (23:3). 2. Schweiz 5/13 (16:1). 3. Kroatien 5/4 (5:14). 4. Rumänien 4/3 (4:13). 4. 5. Litauen 5/0 (1:18). Modus: Neun Gruppensieger und drei besten Zweiten sind direkt für EM 2022 qualifiziert).

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