Schwingen

Drei Neukränzer: Jugendboom in der Nordwestschweiz

Die Nordwestschweizer Eidgenossen: Mario Thürig, David Schmid, Nick Alpiger, Patrick Räbmatter und Bruno Gisler (von links).

Die Nordwestschweizer Eidgenossen: Mario Thürig, David Schmid, Nick Alpiger, Patrick Räbmatter und Bruno Gisler (von links).

Mit fünf eidgenössischen Kränzen im Gepäck zurück in die Heimat. Das nicht risikofreie Projekt «neue Eidgenossen» ging für die Nordwestschweizer auf.

Pläne können scheitern. Doch dies ist eine Geschichte mit Happy End. Obwohl Stefan Strebel, der Technische Leiter des Nordwestschweizer Schwingerverbandes, auch zweifelte. Mitte Saison plagten ihn plötzlich Ängste. Er erinnert sich an die Frage, die ihn verfolgte: «Scheitert das Projekt, obwohl wir so viel Zeit und Geld investiert haben?»

Das Projekt – sein Projekt – hat Strebel vor eineinhalb Jahren ins Leben gerufen. Vor drei Jahren sagte er dieser Zeitung im Gespräch: «Ich brauche dringend neue Eidgenossen!» In Burgdorf 2013 wurde es dann mit Remo Stalder nur ein Neukranzer. Zu wenig, weil die Routiniers älter werden.

In Estavayer sollte und musste es besser werden. Doch dann, nach einem guten Start in diese Saison, waren die Resultate plötzlich nicht mehr so, wie sie Strebel erwartet. «Erst auf dem Weissenstein, wo wir sieben Kränze gewannen, kehrte die Zuversicht zurück», sagt Strebel.

Zu Recht: Mit Patrick Räbmatter, Nick Alpiger und David Schmid wurden drei Nordwestschweizer in Estavayer erstmals zum Eidgenossen gekrönt. So viele neue eidgenössische Kranzschwinger gab es im Verband seit Jahrzehnten nicht mehr. «Ich bin unglaublich glücklich», sagt Strebel. Ein Happy End – und der Beweis, dass er zu Recht hoch gepokert hat. Denn manchmal musste er Leute im Verband überzeugen, dass das Geld sinnvoll investiert wird.

Die Hilfe des Sportpsychologen

Strebels Plan wurde in den vergangenen zehn Monaten umgesetzt. «Es wurde niemals zuvor so viel getan», sagt er. Das Risiko zu scheitern, war damit umso grösser. Im Fokus: Teamstärke. Dafür wurde erstmals in der Geschichte ein Trainingslager in Magglingen organisiert. Zudem gab es 29 gemeinsame Trainings mit Schwingern aus den vier Regionalverbänden Aargau, Solothurn, Basel-Stadt und Basel-Landschaft. «Sich gemeinsam anspornen, sich abklatschen nach dem Kampf, das gab es zuvor alles nicht», sagt Strebel. Heute ist es eine Einheit. «Wir sind jetzt stark als Team.»

Um im Kopf stark zu sein, hat der Nordwestschweizer Verband den renommierten Schweizer Sportpsychologen Jörg Wetzel engagiert. Auch das hat gekostet – nicht wenig. «Wir wollten nicht irgendeinen, wir wollten den besten Sportpsychologen der Schweiz», sagt Strebel. All das mit dem grossen Ziel: neue Eidgenossen für die Nordwestschweiz. «Ich wollte zwei, jetzt habe ich drei. Das Projekt war ein voller Erfolg.»

Das müssen Sie übers Schwingen wissen

Schlüsselrollen in der Umsetzung übernahmen die Routiniers und erfolgreichen Eidgenossen. Mario Thürig zum Beispiel, der in Estavayer seinen fünften Kranz am fünften «Eidgenössischen» holte. «Mario hat grossen Anteil am Erfolg. Er hat in den vergangenen Monaten sehr viel getan, den jungen Schwingern Tipps gegeben und sie integriert. Sogar als er verletzt war, kam er in unsere gemeinsamen Trainings», sagtStrebel. Gleiches gilt für Bruno Gisler, auch er Kranzgewinner am Wochenende, und die anderen Routiniers. Gelebter Teamgeist. Genau das also, was der Technische Leiter wollte.

Patrick Räbmatter, einer der drei Neuen, sagt: «Wir munteren uns auf, wir pushen uns. Nach dem verlorenen siebten Gang hat mir das geholfen, weiter daran zu glauben. Der 24-Jährige siegte im achten Gang und holte den Kranz. «Nach dem Trainingslager wollte jeder noch etwas besser sein als der andere. So haben wir uns gegenseitig besser gemacht», sagt Räbmatter. Es ist ein Effekt, den man im Sport oft sieht. Wenns läuft, dann läufts. Davon profitieren alle.

Alle Regionen sind stark

Wirklich alle? Die drei Neuen kommen alle aus dem Aargau. Doch Strebel winkt sofort ab: «Knapp hinter den Kranzrängen haben wir Schwinger aus anderen Regionen. Das stimmt mich zuversichtlich. Wir sind in allen vier Kantonen auf dem richtigen Weg.» Strebel denkt beispielsweise an den 25-jährigen Basler Henryc Thoenen oder den 23-jährigen Baselbieter Roger Erb, die beide den Kranz nur um 0,25 Punkte verpasst haben.

Der Plan von Stefan Strebel ging also auf. Der Nachwuchs ist stark. Doch wie geht es weiter? Er sagt: «Noch ist ungewiss, ob ich weitermache.» Als Technischer Leiter ist er seit sechs Jahren im Amt. «Normalerweise hört man dann auf. Aber ich kann mir vorstellen, noch bis Zug 2019 weiterzumachen. Meine Arbeit mit dem Nachwuchs ist noch nicht beendet.» Am 15. September fällt die Entscheidung. Sicher ist bereits, dass die Nordwestschweizer Athleten den Weg weitergehen werden. Denn Estavayer 2016 war eine Erfolgsgeschichte.

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