Champions League Quali
Die Young Boys können nur noch auf das Wunder von Moskau hoffen

YB könnte sich zum ersten Mal in der Geschichte für die Champions League-Gruppenphase qualifizieren. Bisher sah auf diesem Weg auch alles gut aus, bis sich Goalie von Ballmoos und Verteidiger Nuhu im Hinspiel in der letzten Minute einen üblen Patzer erlaubten und so den Moskauern den Sieg schenkten

Markus Brütsch
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Young-Boys-Trainer Adi Hütter will mutig und offensiv auftreten. Keystone

Young-Boys-Trainer Adi Hütter will mutig und offensiv auftreten. Keystone

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Bahnreisende kennen das Gefühl der Ohnmacht, wenn sie das Rücklicht des abfahrenden Zuges sehen. Sie wissen: Hinterherrennen ist zwecklos.
Die Young Boys haben Erfahrung damit, wie sich das im Fussball anfühlt. 2016 verloren sie in den Playoffs zur Champions League zu Hause gegen Mönchengladbach 1:3. Und damit alle Chancen auf ihrem Weg in die Königsklasse. Im Rückspiel gab es ein 1:6.

Doch im Gegensatz zum Zugpassagier und zum letzten Jahr winkt ihnen heuer noch eine (kleine) Chance, den abfahrenden Zug zu erwischen. Denn im Duell mit ZSKA Moskau liegen sie nicht ganz so arg im Hintertreffen wie gegen die Borussia. Obwohl natürlich auch eine 0:1-Heimniederlage eine grosse Hypothek ist.

Schaffen es die Young Boys in die Champions League?

Schaffen es die Young Boys in die Champions League?

KEYSTONE/THOMAS HODEL

Wer hofft, die Statistik könnte vielleicht Entwarnung geben mit Beispielen von Mannschaften, die nach einer Pleite im eigenen Stadion die Wende noch schafften, wird enttäuscht. In den letzten zehn Jahren ist dies beim letzten Schritt in die Champions League keinem einzigen Team gelungen. Letztmals für einen solchen Exploit gesorgt hat vor elf Jahren der FC Kopenhagen, der nach einem 1:2 zu Hause gegen Ajax in Amsterdam 2:0 gewann.

Kommt erschwerend hinzu, dass sich YB in den letzten Jahren auf seinem Kunstrasen zwar mit Siegen gegen Tottenham, Stuttgart, Getafe, Zenit, Udinese, Anschi, Napoli, Donezk und zuletzt Kiew als starkes Heimteam präsentierte, auswärts international jedoch seit dem 1:0-Sieg bei Fenerbahçe Istanbul vor sieben Jahren keine Stricke mehr zerriss. Seine beiden Partien in Russland gegen Anschi (0:2) und Zenit (1:3) gingen verloren.

Der Ausfall von Hoarau

Möglicherweise aber sind gerade diese Fakten die kleine Chance der Berner. Dass auch die Spieler von ZSKA die Statistik kennen und ihre fünfte Champions-League-Teilnahme in Folge im Hinterkopf bereits fix gebucht ist. Zumal mit Guillaume Hoarau auch noch der gefährlichste YB-Angreifer verletzt ausfällt. Der Franzose ist nach seiner Hüftverletzung zwar noch längst nicht wieder in Topform, aber zuletzt beim 0:0 gegen GC eben doch derjenige gewesen, der mit seinem Seitfallzieher für das einsame offensive Glanzlicht bei Gelb-Schwarz gesorgt hatte.

Stürmt heute Neuzugang Nsame für YB...

Stürmt heute Neuzugang Nsame für YB...

KEYSTONE/SALVATORE DI NOLFI
...Oder wird es doch Roger Assalé?

...Oder wird es doch Roger Assalé?

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«Wir müssen Tore schiessen. Daher ist es klar, dass meine Mannschaft mutig und offensiv auftreten muss», sagt Trainer Adi Hütter. Neben Roger Assalé könnte anstelle von Hoarau der von Servette gekommene Jean-Pierre Nsame stürmen. Flügel Miralem Sulejmani spricht derweil vom wichtigsten Spiel in der Karriere der meisten YB-Spieler. Mit gutem Grund: Schaffen die Berner das Wunder von Moskau, sind sie nicht nur erstmals für die Champions League qualifiziert, sondern der Klub kann mit Einnahmen von bis zu 25 Millionen Franken rechnen; 15 Millionen mehr, als dies beim Ausscheiden und dem folgenden Switchen in die Europa League der Fall wäre.

Es sind aber nicht nur finanzielle Gründe, die den Match in Moskau für YB so bedeutsam machen. Ein Coup wäre ein Befreiungsschlag weg vom Image des Verlierers. Der Begriff «veryoungboysen» könnte in der Mottenkiste verstaut werden.

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