Tennis

Die Thronfolgerin: Cori Gauff könnte die Sehnsucht nach neuen Frauengesichtern im Tennis stillen

Cori Gauff wurde zu Grossem erzogen – und das ist erst der Anfang, sagt Tracy Austin.

Cori Gauff wurde zu Grossem erzogen – und das ist erst der Anfang, sagt Tracy Austin.

Am Montag warf sie Venus Williams in Wimbledon raus – weshalb die 15-jährige Cori Gauff die Sehnsucht nach neuen Gesichtern im Frauentennis stillen könnte.

Unter dem tosenden Applaus der 12 345 Zuschauer auf Court 1 schlug sie erst die Hände über dem Kopf zusammen, dann entglitt ihr die Mimik. «Ich weiss nicht, wie ich mich fühle. Es ist das erste Mal, dass ich weine nach einem Match, den ich gewonnen habe», sagte die erst 15-jährige Cori Gauff nach dem Sieg über Venus Williams, ihr 39 Jahre altes Idol, das schon zwei ihrer fünf Wimbledon-Titel gewonnen hatte, als Gauff am 13. März 2004 zur Welt kam.

Während Gauff den Tränen nahe war, lächelte Williams beim Handschlag am Netz nach dem viel beachteten Duell der Generationen – zwischen Gauff, der Jüngsten, und Williams, der Ältesten.

Furchtlos spielte Cori Gauff, gewann mit 6:4, 6:4 - und nahm danach am Netz noch einmal allen ihren Mut zusammen, um sich bei Williams zu bedanken. Für deren Inspirationskraft und ihre Vorbildfunktion, ohne die ihre Karriere vielleicht nie möglich gewesen wäre. «Venus und ihre Schwester sind immer Heldinnen gewesen, für mich und so viele andere kleine Mädchen», sagte Gauff, die Nummer 313 der Welt, die sich mit einer Wildcard ausgestattet durch die Qualifikation gespielt hatte. Das habe sie Williams immer schon sagen wollen. «Ich hatte mich nie getraut. Nun sagte ich mir: Jetzt oder nie!»

Spielen wie Venus, fühlen wie Cori

Gauff erinnert in vielerlei Hinsicht an ihr Vorbild. Auch Venus Williams war blutjung, Afroamerikanerin, gross gewachsen, in ihren Bewegungen und dem Spiel geschmeidiger und eleganter als ihre jüngere, wuchtigere Schwester Serena, als sie vor zwei Jahrzehnten die Tennisplätze dieser Welt eroberte. Sie werde deshalb oft mit Venus verglichen, sagte Gauff.

Sie hätten einen ähnlichen Körperbau, seien beide gross und spielten ähnlich. «Aber wenn ich auf dem Platz stehe, fühle ich mich einfach wie mich.» Und damit wie jemand, der zu Grossem berufen scheint.

Die Ära von Serena und Venus Williams neigt sich dem Ende zu. Venus ist noch die Nummer 44 der Welt und hat seit fast dreieinhalb Jahren kein Turnier mehr gewonnen. Serena versucht seit der Rückkehr nach ihrer Mutterschaftspause, ihren 24. und den angestrebten 25. Grand-Slam-Titel zu gewinnen, und damit den Rekord von Margaret Court zu brechen.

Karriere ist minutiös geplant

Seit sie vor zwei Jahren letztmals angeführt hatte, haben sich sieben Spielerinnen an der Spitze abgelöst. Doch keine konnte die Sehnsucht nach einer neuen Königin wecken, geschweige denn, diese erfüllen.

Cori Gauff vermag diese Sehnsucht zu wecken. Vielleicht sogar zu stillen. Auf Youtube gibt es ein Video, in dem sie 10-jährig in ihrem Zimmer steht und auf ein Poster von Serena Williams zeigt und sagt: «Eines Tages will ich diesen Grand-Slam-Titel-Rekord halten und die Beste der Geschichte sein, besser als Serena.»

Ein anderes Video zeigt sie beim Krafttraining mit einem Personal Coach. Als sie zehn ist, nimmt sie Nike unter Vertrag. Die Karriere ist minutiös geplant. So trainierte sie im Alter von zehn Jahren auch erstmals in der Akademie von Patrick Mouratoglou in Frankreich. Mouratoglou ist seit 2012 der Coach von Serena Williams.

«Cori steht der Himmel offen»

Vater Corey war Basketballspieler, Mutter Candi, früher Turnerin, betrieb Leichtathletik. Inzwischen ist die Familie von Atlanta nach Florida gezogen, weil die Trainingsbedingungen für den Tennis-Teenager dort besser sind. Auch was das Management betrifft, ist sie in besten Händen: Gauff wird von Team 8 betreut, der Agentur von Roger Federer.

Gauffs Erfolg scheint niemanden zu überraschen. «Sie wurde dazu erzogen, Grosses zu leisten – und das ist erst der Anfang», sagt Tracy Austin, die 1977 im Alter von 14 in Wimbledon debütiert hatte. Und Tennis-Ikone John McEnroe sagt, er wäre absolut schockiert, wenn Gauff nicht spätestens mit 20 Jahren die Nummer eins der Welt sei.

Gauff selber hatte vor dem Turnier gehofft, auf eine Williams zu treffen. Der Wunsch ging in Erfüllung. Nun sagt sie: «Ich will den Titel gewinnen.» Der Weg bis dahin ist noch weit, Gegnerin in der zweiten Runde die Slowakin Magdalena Rybarikova. Doch auch Venus William sagt: «Cori steht der Himmel offen.»

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