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Die Super League steht vor dem Abbruch – doch die Saison soll irgendwie doch noch weitergehen

Bleibt vorerst verwaist: Das Stade de la Maldière in Neuchâtel.

Bleibt vorerst verwaist: Das Stade de la Maldière in Neuchâtel.

Die Super League und die Challenge League pausieren bis im Mai. Ziel der Liga bleibt es aber, die Saison irgendwie zu Ende zu bringen.

Beerdigt ist die Super-League-Saison 2019/20 noch nicht. Sie liegt aber noch maximal im künstlichen Koma. Die Verantwortlichen der Liga und der Vereine klammern sich an den letzten Strohhalm, um die Saison doch noch weiterzuführen.

Nachdem gestern der Bundesrat drastische Massnahmen vorgestellt hatte, zog der Schweizer Fussballverband mit einer Mitteilung rasch nach. Die beiden Profi-Ligen sind vorerst ausgesetzt bis Ende April, der Amateurfussball auf unbestimmte Zeit. Die Swiss Football League schreibt in ihrer Mitteilung aber: «Klares Ziel ist es weiterhin, die Saison bis zum Sommer zu Ende zu spielen.»

Mögliche Absage der EM als Hoffnung

Die Hoffnung rührt daher, dass die Swiss Football League damit rechnet, dass die Fussball-Europameisterschaft in zwölf Ländern abgesagt wird. Dann nämlich, würde plötzlich mehr Zeit bleiben. So sagte Lugano-Präsident Angelo Renzetti: «Wir könnten im Juni, Juli oder sogar im August spielen. Im Mai könnte die Saison wieder aufgenommen werden und bis im Juli stünde der Meister fest. Die Winterpause müsste dann gestrichen werden.»

Es ist dieses letzte Szenario, auf das sich die Fussballvereine derzeit stützen. Sie hoffen darauf, dass diese noch nie da gewesene, nervige Corona-Krise möglichst rasch überstanden ist. Es geht um Geld für jeden einzelnen Verein, für einige könnte es gar böse Folgen haben.

Es geht aber auch um den Sport. Die Saison 2019/20 wird als Corona-Meisterschaft in die Geschichte eingehen. Dabei hätte sie einen ganz anderen Platz einnehmen können. Denn die Saison hat so wunderbar begonnen. Lange haben nicht mehr so viele Teams gemeinsam um den Titel gespielt. Mit St.Gallen, Young Boys und Basel entstand ein Dreikampf an der Spitze. Nach 23 Partien liegt derzeit tatsächlich das Überraschungsteam aus der Ostschweiz an der Spitze. Es könnte also wieder einmal ein Überraschungsmeistertitel gelingen. Einer, wie man ihn sich in der heutigen Fussballwelt gar nicht mehr vorstellen konnte.

Auch diese St. Galler Träume können noch ein bisschen weitergehen. Die Verantwortlichen der Swiss Football League und der Vereine sehen bisher noch keine Eile für einen Abbruch. In den SFV-Gremien wurde nach dem Bundesratsentscheid entschieden, bis auf Weiteres vorerst alles auszusetzen – von einem Abbruch war hingegen nicht die Rede.

An der Generalversammlung am Montag in Bern wird nun diskutiert, wie es weitergehen soll. Mit dabei ist wegen des Corona-Virus pro Verein jeweils nur eine Person anstatt deren zwei.

Es ist eine Randnotiz, die zeigt, wie sehr das Corona-Virus derzeit alles andere in den Schatten stellt. Zum Beispiel den Entscheid über die Aufstockung auf eine 12er-Liga. Ursprünglich hätte diese Reform im Zentrum stehen sollen, nun stellen sich andere, drängendere Fragen. Zum Beispiel die Frage, ob die Profimannschaften weitertrainieren dürfen. In einigen Kantonen, etwa im Waadt oder im Tessin, ist dies schon verboten, Schweizweit gibt es aber noch keine Regelung dazu – lediglich eine Empfehlung des SFV, auf Trainings zu verzichten. Es wäre also ein Wettbewerbsnachteil für Lugano, Chiasso, Lausanne und Stade Lausanne-Ouchy – falls die Meisterschaft, wie von der SFL erhofft, im Mai weiterginge.

Vorbei ist es erst, wenn abgepfiffen wird

Oder vielleicht stellen sich dann doch auch noch Fragen danach, was passiert, falls die Saison nicht mehr gerettet werden kann. Der Meistertitel würde ziemlich sicher ausfallen. Doch was bedeutet das für die Europacup-Plätze? Wie sähe es bezüglich Auf- und Abstiegen aus? Und vor allem: Was bedeutet ein Abbruch der Saison finanziell?

Zunächst lebt aber in den Schweizer Fussballfunktionären die Hoffnung weiter. Es ist diese kindliche Hoffnung, die in jedem Fussballfan steckt. Selbst bei einem 0:3-Rückstand möchte man sich nicht mit einer Niederlage abfinden. So lange nicht, bis der Schiedsrichter das Spiel abpfeift. Ganz egal, wie aussichtslos die Situation ist.

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