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Die Schweiz verpasst die WM 2022 in Katar wegen der Niederlage in Belgien – gewagte These oder bittere Erkenntnis?

Die Schweizer liegen am Boden. Belgien jubelt. Mit welchen Folgen?

Die Schweizer liegen am Boden. Belgien jubelt. Mit welchen Folgen?

Was bleibt nach dem 1:2 der Schweizer Nati im Testspiel in Belgien ausser der Erkenntnis, dass Captain Granit Xhaka unersetzbar ist? Zeit für eine kleine Spielerei.

Die ersten Gedanken lauten: Welchen Wert hat ein Spiel, bei dem zwei Mannschaften aufeinander treffen, die es so nie mehr geben wird? Bei denen viele Ersatzspieler miteinander etwas einüben, das gar nicht funktionieren kann, weil sie noch nie zusammen gespielt haben? Die Antwort, wenig überraschend: nichts. Das Resultat zwischen «Schweiz B» und «Belgien C», dieses 1:2, ist darum unerheblich.

Wichtig: der Blick auf die Weltrangliste

Und doch greifen diese Gedanken zu kurz. Warum? Weil für einmal die Weltrangliste der Fifa eine zentrale Bedeutung einnimmt. Am 26. November erscheint sie zum nächsten Mal. Auf Basis dieser Rangierung werden die Topf-Einteilungen für die Auslosung der Qualifikation zur WM 2022 gemacht (Auslosung am 7. Dezember). Nur die zehn besten Mannschaften Europas finden Platz in «Topf 1». Diese zehn Teams können in der WM-Qualifikation nicht aufeinander treffen. Das ist ein Vorteil, denn nur der Sieger jeder Qualifikations-Gruppe qualifiziert sich direkt für die WM 2022.

Die Schweiz lag vor dieser Länderspiel-Woche auf Rang 11, wie der Blick auf die Weltrangliste zeigt.

Fifa-Weltrangliste vom Oktober. Abgebildet sind nur die 11 besten Teams von Europa.

Fifa-Weltrangliste vom Oktober. Abgebildet sind nur die 11 besten Teams von Europa.

Das bedeutet nun: Bleibt die Schweiz auch nach den Spielen gegen Belgien, Spanien und die Ukraine an 11. Stelle, müsste sie in der WM-Qualifikation eines der zehn Top-Teams Europas hinter sich lassen, um sich direkt zu qualifizieren für die WM. Das ist zwar nicht unmöglich, wenn der Gegner beispielsweise Dänemark, Kroatien oder Holland heissen würde. Aber es ist zumindest eine sehr schwierige Aufgabe, sollte der Gegner Frankreich, Spanien, Deutschland, Portugal, Italien, Belgien oder England heissen.

Und die bittere Erkenntnis: Ein Sieg gegen Belgien – der durchaus zu realisieren gewesen wäre – wäre die Voraussetzung dafür gewesen, realistische Chancen zu haben, um Holland in letzter Sekunde noch abzufangen.

Die Holländer ringen Spanien im Testspiel ein 1:1 ab.

Die Holländer ringen Spanien im Testspiel ein 1:1 ab.

Die Berechnungen der Weltranglistenpunkte unterliegen einer komplizierten Formel. Die Punkte werden nach jedem Spiel angepasst. Nach dem gestrigen Abend sieht die Bilanz so aus: Holland hat nach dem Remis gegen Spanien neu 1597 Punkte. Die Schweiz hat neu 1585 Punkte. Bei einem Sieg gegen Belgien wären es 1596 Punkte gewesen. Das hätte die Ausgangslage für die letzten beiden Spiele zumindest spannend gestaltet.

Nun ist der Rückstand mit 12 Punkten aber so gross, dass in den letzten zwei Partien schon ziemlich alles für die Schweiz laufen muss, damit es doch noch zum Vorstoss in die Top 10 Europas reicht. Beispielsweise dann, wenn Holland weder gegen Bosnien-Herzegowina, noch gegen Polen gewinnt. Die Schweiz aber sowohl Spanien wie auch die Ukraine schlägt.

Das sind die Schweizer Aussichten für die WM-Qualifikation

Darum muss sich die Schweiz nun langsam aber sicher damit abfinden, nur in «Topf 2» gesetzt zu sein bei der Auslosung der WM-Qualifikationsgruppen am 7. Dezember.

Nun werden Nationaltrainer Vladimir Petkovic und sein Team darüber mit Bestimmtheit nicht jammern. Schliesslich nehmen sie für sich in Anspruch, der Weltspitze in den letzten zwei Jahren noch einmal ein Stück nähergekommen zu sein. Nur müssten sie dann eben in einem entscheidenden Spiel, beispielsweise der WM-Qualifikation, auch einmal beweisen, einen grossen Gegner zu besiegen. In einer Qualifikation ist das letztmals im Sommer 2016 gelungen, beim 2:0 gegen Portugal.

Die WM-Qualifikation beginnt bereits im März 2021, noch vor der EM.

Die WM-Qualifikation beginnt bereits im März 2021, noch vor der EM.

Und wenn das nicht gelingt? Die Aussichten mit der Barrage sind komplizierter als noch in den letzten Qualifikationen. 12 Teams aus Europa werden eine Barrage bestreiten, aber nur drei Teams werden sich daraus noch einen WM-Platz ergattern können. Heisst: Es wird ein Halbfinal- und ein Finalspiel geben (ohne Rückspiele). Wer beide gewinnt, darf an die WM in Katar reisen.

Und sonst? Gibt es eine spielerische Erkenntnis aus diesem 1:2 in Belgien?

Fazit: Dass die Schweiz wegen der Testspiel-Niederlage in Belgien die WM 2022 in Katar verpasst, ist eine ziemlich gewagte These. Dass die Nati mit einem Sieg aber die Weichen gestellt hätte, um doch noch in den «Topf 1» zu kommen, ist Tatsache.

Vorerst stehen aber noch die Spiele in der Nations League an. Am Samstag gegen Spanien und am Dienstag gegen die Ukraine wird man eine andere Schweizer Nationalmannschaft zu sehen bekommen. Die Experimente von Trainer Petkovic dürften langsam aber sicher zu Ende gehen.

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