Eishockey
Zittern vor Omikron: Diese Szenarien drohen dem Spengler Cup

Der Spengler Cup ist ein internationales Sportspektakel. Kann das Turnier wie geplant durchgeführt werden?

Klaus Zaugg
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Mit dem Spengler-Cup generiert der HC Davos rund elf Millionen Franken.

Mit dem Spengler-Cup generiert der HC Davos rund elf Millionen Franken.

Bild: Andy Müller/Freshfocus

Ambri darf wegen zu vieler Coronafälle in der durchgeimpften Mannschaft nicht am Spengler Cup teilnehmen. Fünf Meisterschaftsspiele sind im Dezember verschoben worden. Die Universiade in Luzern musste am 29. November abgesagt werden. Der Verband hat den Spielbetrieb der Amateurligen unterbrochen. Alles wegen Corona. Aber oben in Davos steppt der Bär international. Der Spengler Cup ist so multinational wie eine WM. Mit Spielern und Entourage aus Schweden, Finnland, Tschechien und der Slowakei. Durch die «Berner Nationalmannschaft» und durch Verstärkungsspieler für verschiedene Teams unter anderem aus Genf, Rapperswil-Jona und Ambri sind so viele Klubs in den Spengler Cup 2021 involviert wie noch nie seit der ersten Austragung von 1923. Geht das? Ja, das geht. HCD-Präsident Gaudenz Domenig bringt es auf den Punkt:

«Wir haben in Davos die genau gleichen gesetzlichen Vorschriften wie im Unterland.»

Der Spengler Cup rückt ins Zentrum des öffentlichen Interesses, weil in der Schweiz kein anderes, in den Dimensionen vergleichbares Ereignis während der Altjahreswoche stattfindet. Die Regeln sind beim Spengler Cup im Stadion und in der Gastronomie die gleichen wie bei Meisterschaftspartien (2G, Maskenpflicht). Der HCD hat für den Spengler Cup freiwillig gewisse Einschränkungen vorgenommen.

Überschaubarer Rückgang

Domenig sagt, die Kapazität der Stehplatztribüne sei reduziert worden. Auch im Gastronomie- und VIP-Bereich läuft es nicht ganz wie in normalen Zeiten. Im Fanzelt neben dem Stadion gibt es keine Livemusik und keine Tanzmöglichkeiten. Das VIP-Zirkuszelt im Kurgarten ist in Betrieb. Mit den für die Gastronomie gültigen Einschränkungen. Domenig zu den praktischen Auswirkungen: «Wer vom Tisch zum Buffet geht, muss eine Maske tragen.» Offen bleibt, ob die Zuschauerinnen und Zuschauer und VIP-Gäste nach Davos reisen wie in normalen Zeiten. Der HCD-Obmann sagt, der Vorverkauf und die VIP-Buchungen seien zwar nicht ganz so gut wie beim letzten Spengler Cup 2019. Aber der Rückgang sei überschaubar.

Der HCD erwirtschaftet mit dem Spengler Cup mit rund elf Millionen etwa einen Drittel des Gesamtumsatzes. Eine Absage war auch aus wirtschaftlichen Gründen nie ein Thema. Weil Teile der Infrastruktur wie das VIP-Zirkuszelt auch vom WEF genutzt (und mitfinanziert) werden, trifft die WEF-Verschiebung den HCD. Der Aufwand für das Turnier ist grösser und die Einnahmen sind kleiner als sonst. Nur die Marketing- und TV-Einnahmen sind fix. Der Gewinnrückgang dürfte bei 20 bis 30 Prozent liegen.

Der Kantonsarzt hat das Sagen

Bleibt die bange Frage: Ist es möglich, dass das Turnier durch behördliche Anordnungen abgebrochen wird? Da der Bundesrat nicht im Modus der ausserordentlichen Lage regiert, kann auf dieser Ebene der Stecker nicht kurzfristig gezogen werden. Ein Entscheid müsste in die Vernehmlassung und durch dieses Prozedere könnten wahrscheinlich gerade noch die Tage gewonnen werden, um das Turnier zu Ende zu spielen.

Die grosse Gefahr lauert im Bauch des Stadions: in den Kabinen und Gängen. Alle Spieler und Betreuer reisen mit einem PCR-Test an und werden täglich getestet. Alle bewegen sich frei vom Stadion zum Hotel. Wer positiv getestet wird, geht in Isolation und das Team bleibt im Turnier. Aber was ist, wenn mehrere Spieler positiv sind? Bei wie vielen Fällen muss eine Equipe aus dem Turnier genommen werden und in Quarantäne? «Für diese Entscheidung ist der Kantonsarzt zuständig», sagt Spengler-Cup-Chef Marc Gianola. Wie viele der sechs Teams braucht es, damit das Turnier über die Bühne gehen kann? Spielplanchef Willi Vögtlin: «Es wäre wohl möglich, das Turnier mit fünf oder vier Mannschaften zu Ende zu spielen.»