Leichtathletik

Die Frauen stürmen die Leichtathletik

Mujinga Kambundji steht für eine junge Generation von Leichtathletinnen in der Schweiz.

Mujinga Kambundji steht für eine junge Generation von Leichtathletinnen in der Schweiz.

Nach einem langen Rückgang gibt es wieder mehr aktive Schweizer Leichtathleten – und bessere. Was auffällt: Der Aufschwung ist weiblich.

Die Saison ist lanciert: Mit einem Kick-off-Event im Zürcher Letzigrund haben Swiss Athletics und Weltklasse Zürich gestern den Startschuss für die nächste Runde der erfolgreichen Nachwuchsserie der Schweizer Leichtathletik gegeben. 127 000 Schülerinnen und Schüler haben im vergangenen Jahr an einer Veranstaltung im Rahmen des UBS Kids Cup teilgenommen – und damit beim grössten Nachwuchsprojekt im Schweizer Einzelsport zum vierten Mal in Folge für einen Teilnehmerrekord gesorgt.

Der rege Zuspruch steht sinnbildlich für den Aufschwung der Schweizer Leichtathletik. Die Trendwende scheint geschafft: Nach Jahrzehnten des Rückgangs ist die Zahl der lizenzierten Athleten in den letzten Jahren wieder gestiegen. So verzeichnete Swiss Athletics zwischen 2010 und 2015 bei den Lizenzen eine Zunahme von 16 Prozent. Dabei fällt auf: Das Wachstum geht fast ausschliesslich auf das Konto des weiblichen Geschlechts.

Unter anderem dank dem UBS Kids Cup gibt es wieder mehr Nachwuchs im Schweizer Leichtathletik.

Unter anderem dank dem UBS Kids Cup gibt es wieder mehr Nachwuchs im Schweizer Leichtathletik.

Was für die Breite gilt, lässt sich auch für die Spitze festhalten. Die Zahl der Athleten, die dazu in der Lage sind, eine EM-Limite zu erfüllen, hat sich in den vergangenen sechs Jahren nahezu verdoppelt. Und auch hier sind die Frauen mit einem Anteil von zwei Dritteln führend. Noch vor wenigen Jahren war das Geschlechterverhältnis an der Leistungsspitze umgekehrt.

Peter Haas, Chef Leistungssport bei Swiss Athletics, führt diese Entwicklung auf mehrere Gründe zurück. «Die grössere Konkurrenz durch populäre Mannschaftssportarten bei den Männern dürfte eine Ursache sein», sagt er. «Zudem ist die Leistungsdichte bei den Männern in der globalen Leichtathletik noch etwas höher, was es schwieriger macht, sich auf Topniveau zu etablieren.»

Die Generation 2014

Die Leistung der Athletinnen schmälert diese Feststellung kaum: Neben Hürden-Europameister Kariem Hussein führen Sportlerinnen wie Mujinga Kambundji, Selina Büchel, Noemi Zbären und Nicole Büchler vor allem Frauen die aktuelle Generation der Schweizer Top-Leichtathletik an. Sie alle verbindet, dass sie vom Schwung der EM 2014 in Zürich profitieren konnten – und den damit verbundenen Fördermassnahmen von Verband und weiteren Playern in der Schweizer Leichtathletik.

Der Goldlauf über 400m-Hürden von Kariem Hussein an der Leichtathletik-EM 2014 in Zürich

Der Goldlauf über 400m-Hürden von Kariem Hussein an der Leichtathletik-EM 2014 in Zürich

Die Leichtathletik-EM in Zürich verlieh der Leichtathletik-Szene in der Schweiz einen positiven Schub. 

Die Zeichen stehen gut, dass die damit erreichte Dynamik weiter anhält. 2015 holte die Schweiz bei Nachwuchs-Grossanlässen vier Goldmedaillen – nur eine weniger als in den ganzen 40 Jahren zuvor und wiederum alle durch junge Frauen. Dabei sind die Kinder, die durch den seit 2011 bestehenden UBS Kids Cup zur Leichtathletik gefunden haben, noch gar nicht an der Spitze angelangt. Interessant: Bei den Teilnehmern der Nachwuchsserie ist das Geschlechterverhältnis ausgeglichen.

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