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Die Football-Liga XFL: Ein Tummelfeld für Milliardäre – und was Donald Trump damit zu tun hat

Donald Trump und Vince McMahon – zwei bekannte Gesichter hatten oder haben noch immer ihre Finger bei der XFL im Spiel.

Donald Trump und Vince McMahon – zwei bekannte Gesichter hatten oder haben noch immer ihre Finger bei der XFL im Spiel.

Vor 20 Jahren versuchte der streitbare Wrestlingkönig Vince McMahon eine Football-Liga zu etablieren – und verlor in einem Jahr 70 Millionen Dollar. Seine Liga war ein Hort der Gewalt und des Sexismus. Nun wird die XFL neu aufgelegt. Kann das funktionieren?

Man kann Wrestling belächeln, die wohl amerikanischste aller Sportarten, dieser überdrehte Zirkus mit unoriginellen Drehbüchern und schlechten Schauspielleistungen. Aber: Die US-­Amerikaner lieben es. Und Vince McMahon hat dank Wrestling ein Ver­mögen von über drei ­Milliarden Dollar angehäuft. Der 74-jährige Geschäftsmann aus North Carolina weiss, was ankommt beim amerikanischen Publikum.

Seit einer Woche versucht McMahon den Konsumenten ­etwas anderes zu verkaufen: American Football, jenen Sport, den die US-Amerikaner mehr lieben als jeden anderen. Die Saison in der ­milliardenschweren National Football League (NFL) dauert von September bis Februar, sie ist so kurz, dass es eigentlich Raum für eine andere Profiliga gäbe, für eine Art ­Pausenfüller. Zumal anders als im Basketball, Eishockey und Baseball keine Farmteamligen existieren.

Als es auch Donald Trump versuchte

Doch alle bisherigen Versuche sind krachend gescheitert. Das galt in den 1970er-Jahren für die World Football League (WFL). Es galt für die United States Football League (USFL), die zwischen 1982 und 1986 163 Millionen Dollar verlor, ehe sie eingestellt wurde. Zu den Teambesitzern gehörte der heutige US-Präsident Donald Trump, der 1984 die New Jersey Generals kaufte.

Trump verhielt sich damals ähnlich, wie er das heute tut. Als er den Quarterback Doug Flutie mit einem für damalige Ver­hältnisse absurd hohen Sechsjahresvertrag über 8,3 Millionen Dollar ausstattete, verkündete er intern, die anderen Teams würden die Kosten übernehmen. Selbstverständlich geschah das nicht. Ein Schelm, wer an Trumps Versprechen im Bezug auf die Grenzmauer zu Mexiko denkt. Es war auch Trumps Idee, mit der USFL die NFL anzugreifen. Der Plan schlug fehl – und bedeutete das Ende der Liga.

Zuletzt scheitere auch der Milliardär Tom Dundon, der ­Besitzer der NHL-Franchise ­Carolina Hurricanes mit dem Schweizer Nationalspieler Nino Niederreiter, der sich 2019 mit der Alliance of American Football (AAF) versuchte. Lange bevor die erste Saison zu Ende gespielt war, gab er auf.

Cheerleader wurden ermutigt, Beziehungen mit Spielern einzugehen

Und dann war da 2001 die XFL, eines der bizarrsten Experimente in der jüngeren amerikanischen Sportgeschichte. Unter der Schirmherrschaft McMahons verkaufte die Liga jene zwei ­Ingredienzien, die in Amerika immer ziehen: Sex und Gewalt. Die Regeln sahen kaum Be­strafungen für brutale Tacklings vor. Und die schamlose Un­appetitlichkeit der Organisatoren ging so weit, dass den Spielprogramme nicht nur die Football-Profis, deren Gewicht, Alter und Rückennummer zu ent­nehmen war. Sondern auch die Tattoos und Piercings der Cheerleader. In deren Um­kleidekabinen gab es Kameras, welche die Tänzerinnen beim Duschen filmten. Die Cheer­leader wurden zudem dazu ermutigt, amouröse Beziehungen mit Spielern einzugehen. In der National Football League ist das tabu.

Cheer­leader wurden zudem dazu ermutigt, amouröse Beziehungen mit Spielern einzugehen.

Cheer­leader wurden zudem dazu ermutigt, amouröse Beziehungen mit Spielern einzugehen.

Der galoppierende Sexismus der Macher zog eine Klientel an, die sich bei den Spielen auch mal auf den Rängen prügelte. Und den Cheerleadern mit Schildern Noten verteilte. Das Interesse der breiten Öffentlichkeit flachte rasch ab, nach einer Saison und einem Verlust von
70 Millionen Dollar zogen McMahon und der TV-Sender NBC den Stecker.

Der Versuch, so anders wie nur möglich zu sein

19 Jahre später ist die Liga nun neu aufgelegt worden. Weil das damalige Image nicht mehr in den heutigen Zeitgeist passt, unternehmen die Initianten alles, um die Liga in ein anderes Licht zu rücken. Cheerleader gibt es überhaupt nicht mehr und die Atmosphäre soll betont familiengerecht sein. Die «New York Times» titelte vor dem Start entsprechend: «Das ist nicht die XFL deines verrückten Onkels.» Und der Ligakommissionär ­Oliver Luck sagt: «Ausser dem Namen hat die heutige XFL mit jener vor 19 Jahren nichts gemein.»

Die XFL bemüht sich mit ihren acht Teams um Seriosität; das Spektakel soll nur auf dem Feld stattfinden. Die Kritiken nach dem ersten Meisterschaftswochenende waren positiv, die Unterhaltung stimmte – dies auch dank einem frechen Regelwerk.

Die Unterhaltung stimmt – auch dank frechem Regelwerk.

Die Unterhaltung stimmt – auch dank frechem Regelwerk.

Der Zuspruch der Zuschauer scheint zu stimmen, die XFL übertraf die Ticketeinnahmen der AAF aus dem Vorjahr noch vor der ersten Partie. Doch auch in ihrer heutigen Form wird die Liga zunächst Geld verlieren. Dem Vernehmen nach ist McMahon bereit, 375 Millionen Dollar einzuschiessen. Er geht davon aus, dass er danach mit einem lukrativen TV-Vertrag viel Geld verdienen wird.

Es gibt zahlreiche Leute, die McMahon wegen diesem Plan für verrückt erklären. Aber wer drei Milliarden Dollar auf dem Konto hat und von sich – dem Wrestling sei Dank – behaupten kann, zu wissen, wie der Markt in den USA funktioniert, kann darüber vermutlich nur milde ­lächeln.

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