Eishockey

Der Titan hat ausgeschlafen: Der SC Bern meldet sich in den Playoffs dank Jan Mursak eindrücklich zurück

In seinem Element: Berns Jan Mursak (l.) im verbissenen Zweikampf gegen den Bieler Janis Moser (r.).

In seinem Element: Berns Jan Mursak (l.) im verbissenen Zweikampf gegen den Bieler Janis Moser (r.).

Der SC Bern ist zurück in der Halbfinalserie gegen den EHC Biel – auch, weil Jan Mursak in Schwung kommt. Der Slowene, der auf einen schwierigen Saisonstart zurückblicken muss, hat sich mittlerweile gefangen. Als Center kann er nun endlich auftrumpfen, nicht nur deswegen muss sich der EHC Biel warm anziehen.

Müsste man den aktuellen Zustand des SC Bern in einer typischen Szene zusammenfassen, dann wäre es wohl die folgende: Es lief die 26. Minute des vierten Halbfinalduells zwischen dem EHC Biel und dem SCB, als Berns Jan Mursak hinter dem eigenen Tor zu einem wuchtigen Check gegen Biels Robbie Earl ansetzte.

Wenige Sekunden später erzielte Thomas Rüfenacht auf der anderen Seite des Spielfelds das 2:0 für den SCB. Die Sicht nahm Biels Goalie Jonas Hiller ... Jan Mursak. Der Slowene war nach seiner Körpercharge gegen Earl blitzschnell ans andere Ende des Eisrinks gelaufen und spielte beim zweiten Berner Tor eine entscheidende Rolle.

Das präsentere Team

Mursak hier, Mursak da, Mursak überall. Die Berner waren in diesem wegweisenden Halbfinalduell in der Tissot-Arena das wachere und präsentere Team.

Mursaks Aktion ist deshalb ein Sinnbild für den schlafenden Titanen, der nach dem 5:2-Sieg im Seeland und dem Ausgleich zum 2:2 in der Playoff-Serie endgültig aufgewacht ist. Hätte der SCB auch am Dienstag verloren, dann wäre das Unterfangen für den Qualifikationssieger gegen die aufstrebenden Bieler sehr schwierig geworden.

So aber steht fest: Der SC Bern hat seinen Rhythmus, seinen Groove, wiedergefunden. Und das muss dem EHC Biel, der die Unbeschwertheit, die ihn in den ersten beiden Halbfinal-Duellen noch auszeichnete, etwas verloren hat, zu denken geben.

Die ungewohnte Position

Umso mehr, als dass bei den Bernern inzwischen auch die designierten Leistungsträger, die sich im bisherigen Verlauf der Playoffs noch schwer getan hatten, langsam aber sicher in Fahrt kommen.

Wie eben Jan Mursak. Der Slowene, der mit grossen Vorschusslorbeeren nach Bern gekommen war, hat bisher eine schwierige Saison hinter sich. Das hatte verschiedene Gründe. Zum Ersten musste er die meiste Zeit auf einer Position spielen, die er nicht gewohnt ist: auf dem Flügel.

In den fünf Saisons zuvor, in welchen er mehrheitlich in der russisch geprägten KHL engagiert war, lief er in der Regel als Mittelstürmer auf. «Wenn du nach so langer Zeit auf einer anderen Position eingesetzt wirst, ist die Umstellung nicht einfach», sagt der 31-Jährige.

Schlechter Start ins neue Jahr

Zum ungewohnten Einsatzbereich kam auch noch Verletzungspech dazu. Um den Jahreswechsel fehlte er sieben Wochen wegen einer muskulären Verletzung. Und während der Viertelfinalserie gegen Servette musste er nach einem Check gegen den Kopf durch Tommy Wingels zwei weitere Wochen mit einer Gehirnerschütterung aussetzen.

Zu schlechtester Letzt wurde Jan Mursak im Januar auch noch von einem persönlichen Schicksalsschlag erschüttert, weil ein Mitglied aus dem engsten Familienkreis verstarb. «Das war emotional eine sehr schwierige Phase für mich», blickt Mursak zurück.

Das alles hat er jetzt aber offensichtlich hinter sich gelassen. Und extrem davon profitiert, dass er von Berns Headcoach Kari Jalonen endlich dort eingesetzt wird, wo er sich am wohlsten fühlt: als Center.

Eine komische Saison

Als Flügel an Mursaks Seite ist kurioserweise auch der Kanadier Andrew Ebbett, der Anfang Saison lange Zeit Mursaks Mittelstürmer war, ungleich besser unterwegs. Was die Berner, die bisher zu oft von der Paradelinie um Mark Arcobello, Simon Moser und Thomas Rüfenacht abhängig waren, nun umso unberechenbarer macht.

Mursak sagt: «Es war bis jetzt eine komische Saison. Immer, wenn ich in Schwung kam, wurde ich gebremst. Hoffentlich geht der positive Trend jetzt weiter.»

Klar ist: Die Vorteile in dieser Playoff-Serie liegen nun wieder aufseiten der Berner, die den Bielern mit ihrer Intensität und ihrer aggressiven Verteidigungsarbeit zu schaffen machen. Mitten drin Jan Mursak, der sich sichtlich wohlzufühlen scheint: «Ich liebe die Playoffs. Da macht es so richtig Spass, weil jedes Spiel wichtig ist.» Man glaubt es ihm aufs Wort.

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