National League

Der Seeländer Aufstieg zum Spitzenteam hat einen Namen: Der EHC Biel, der SC Bern und die Spätfolgen eines grossen Transfers

Einer der besten Sportchefs der National League: Martin Steinegger.

Einer der besten Sportchefs der National League: Martin Steinegger.

Zum ersten Mal seit dem Wiederaufstieg von 2008 in die National League A ist Biel die Nummer 1 im Kanton – weil der kantonsrivale SC Bern den heutigen Bieler Sportchef Martin Steinegger zum Glück gezwungen hat.

Ein einziger Sieg fehlte im letzten Frühjahr zum Finale – und wahrscheinlich hätte dieses Finale den ersten Titel seit 1983 gebracht. Mit Zug wären die Bieler ebenso fertig geworden wie der SCB. Aber sie haben diese Halbfinalpartie auf eigenem Eis am 6. April 2019 gegen den SCB 0:1 verloren. Trotz 38:19 Abschlussversuchen.

Die «Bedrohung aus dem Westen» ist geblieben. Vor der Nationalmannschaftspause hat Biel 15 Punkte mehr auf dem Konto als der Meister. Zum ersten Mal seit dem Wiederaufstieg von 2008 ist der SCB nicht mehr die Nummer 1 im Kanton. Das ist ungewöhnlich. Selbst im Frühjahr 2014, als der SCB als Meister die Playoffs verpasst hatte, klassierte er sich in der Abstiegsrunde vor den Bielern.

Konsequenzen gefordert

Der Aufstieg vom letzten Platz (als Playout-Verlierer 2016) zur Nummer 1 im Hockeykanton Bern ist eine der erstaunlichen Erfolgsgeschichten unseres Hockeys. Sportchef Martin Steinegger (47) gehört zu den wichtigsten Autoren dieser Erfolgsgeschichte.

Was nicht einer gewissen Ironie entbehrt: der SCB hat dafür gesorgt, dass er Biel zum Spitzenteam aufbauen konnte, 13 Jahre hatte der Sohn des Bieler Eismeister für den SCB verteidigt, vier Jahre davon als Captain. Im Frühjahr 2008 scheitert der SCB als Qualifikationssieger bereits in den Viertelfinals gegen Gottéron. Es rockt in Bern. Konsequenzen werden gefordert.

Trainer John van Boxmeer bleibt. Dafür wird Captain Martin Steinegger aus einem laufenden Vertrag heraus nach Biel transferiert. «Man» hat durchgegriffen. Dem «Volkszorn» wird genüge getan. Dieser Transfer hatte damals ähnliche Dimensionen, wie wenn heute Simon Moser als «Sündenbock» nach Langnau heimtransferiert würde.

Steinegger: «Ich wollte damals weg aus Bern»

Martin Steinegger erzählt «Ich hatte einen weiterlaufenden Vertrag. Nicht der SCB wollte mich loswerden, ich wollte gehen. Weil ich spürte, dass es Zeit für einen Wechsel war.» Er erleichterte dem SC Bern die Suche nach einem Sündenbock. Also einigten sich die beiden Parteien auf eine Auflösung des Vertrages.

«Dabei diktierte mir der SCB den Passus in die Auflösungsvereinbarung, dass ich nur nach Biel wechseln darf. Das hat mir damals ganz schön geärgert. Ich hatte noch andere Offerten. Aber ich musste es hinnehmen.»

Der SCB hat also Martin Steinegger gezwungen, nach Biel zurückzukehren. Ohne diesen Passus wäre Martin Steinegger nicht wieder in Biel gelandet, wäre heute wahrscheinlich auch nicht Biels Sportchef und die Hockeygeschichte hätte einen anderen Verlauf genommen.

Martin Steinegger bei seinem letzten NLA-Einsatz in der Playoff-Serie gegen den EV Zug (1:4-Niederlage des EHC Biel). Nach dieser Partie beendete Steinegger seine Spielerkarriere.

Martin Steinegger bei seinem letzten NLA-Einsatz in der Playoff-Serie gegen den EV Zug (1:4-Niederlage des EHC Biel). Nach dieser Partie beendete Steinegger seine Spielerkarriere.

Als er nun heimkommt, hat Biel im Frühjahr 2008 gerade den Wiederaufstieg in die NLA geschafft. Er spielt bei der sportlichen Stabilisierung in der höchsten Liga eine wichtige Rolle. Sein Vertrag beinhaltet die Klausel, dass er nach dem Rücktritt noch zwei weitere Jahre beim Klub beschäftigt wird.

«Der Lohn war festgesetzt, die Position hingegen nicht.» Und so kommt es, dass Martin Steinegger im Frühjahr 2012 nach dem Ende seiner Karriere, nach mehr als 1000 Spielen, 1800 Strafminuten, 300 Skorerpunkten und über 100 Länderspielen direkt von der Kabine ins Büro des Sportchefs zügelt.

Er gilt heute als einer der besten Sportchefs der Liga, viele halten ihn für den Besten. Biels Aufstieg zum Spitzenteam ist also auch die Spätfolge eines grossen Transfers, den SCB-Manager und Mitbesitzer Marc Lüthi 2008 abgesegnet hat.

Mit ein wenig Boshaftigkeit in der Hockeyseele können nehmen wir an, dass sich Marc Lüthi schon mal im stillen Kämmerlein gefragt hat, ob die SCB-Erneuerung mit einem Sportchef vom Format Martin Steineggers vielleicht etwas einfacher wäre.

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