Formel 1

Der Ruf der Großstadt: Formel 1 baut Kalender um - Hockenheim wackelt

Sebastian Vettel und seine Kollegen müssen sich auf neue Strecken einstellen.

Sebastian Vettel und seine Kollegen müssen sich auf neue Strecken einstellen.

Der Rennkalender in der Formel 1 verändert sich rapide. Hockenheim steht vor dem Aus, der Große Preis von Spanien steigt wohl zum vorerst letzten Mal, 2020 reist die Formel 1 dafür erstmals nach Vietnam, weitere Rennen auf bisher fremdem Boden sind geplant.

Im April 2020 hat das Knattern der Mopeds mal Pause in Hanoi. Die Straßen in Vietnams Hauptstadt werden dann für ein Wochenende erfüllt sein vom Brüllen der Formel-1-Boliden. Und ganz weit weg in Hockenheim, am anderen Ende der Welt, wird man diese Premiere wohl mit ein wenig Wehmut verfolgen.

Denn die Aussichten auf einen deutschen Grand Prix im kommenden Jahr sinken weiterhin. Der Formel-1-Eigentümer Liberty Media macht ernst mit der Umgestaltung des Kalenders, Hockenheim gehört zu den ersten Streichkandidaten, und das hat viel mit dem Fernweh der Königsklasse zu tun. Für die Traditionsstrecken Europas wird es schwieriger.

«Wir sind auf dem Weg, unseren Rennkalender für 2020 zu finalisieren», sagte Formel-1-Geschäftsführer Chase Carey im Vorfeld des Großen Preises von Spanien (Sonntag, 15.10 Uhr/RTL und Sky), «und wir werden nicht alle aktuellen Rennen behalten können.»

Auch Rennen in Katalonien gefährdet

Neben Hockenheim ist auch Barcelona akut gefährdet, vieles deutet darauf hin, dass Sebastian Vettel und Co. an diesem Wochenende zum vorerst letzten Mal in Katalonien um WM-Punkte kämpfen.

Denn neben der Premiere in Hanoi wird die Formel 1 wohl auch ein Comeback im niederländischen Zandvoort geben. Liberty Media unterzieht den Rennkalender gerade einer harten Kosten-Nutzen-Rechnung.

Das Fan-Potenzial und der Enthusiasmus im Gastgeberland spiele dabei eine Rolle, sagt Carey, und dieser Faktor spricht klar für Zandvoort. Red-Bull-Pilot Max Verstappen hat in den Niederlanden einen Hype ausgelöst, der in der modernen Formel 1 seinesgleichen sucht.

Rennen in Zandvoort und Hanoi

Seine Fans bereisen in Scharen die Strecken dieser Welt, ein Rennen in seiner Heimat ist daher nur logisch. Der Grand Prix in Zandvoort soll im kommenden Mai steigen.

Längst bestätigt ist das Rennen in Hanoi, und dieses ist in vielerlei Hinsicht nach dem Geschmack der Bosse. Vietnam ist ein bislang unerschlossener Markt, zudem erfüllt sich hier der Wunsch nach einem weiteren Stadtkurs. Die Bauarbeiten laufen, entworfen wird die Strecke vom deutschen Architekten Hermann Tilke.

«Es wird eine Punktlandung», sagt der 64-Jährige im Gespräch mit dem SID. Tilke hat einige Erfahrung mit diesen Projekten, hat schon zahlreiche Rennstrecken für die Formel 1 gebaut. Und in letzter Zeit muss er dafür immer häufiger einen Stadtplan aufklappen.

Hoher Aufwand

«Der Grundgedanke bei den Stadtrennen ist, dass die Formel 1 zu den Leuten kommt, die Leute sollen nicht zu den Strecken wandern müssen», sagt Tilke, «und diese Idee ist nicht verkehrt.» Die Königsklasse kämpfe hart um neue, junge Fans, und die spezielle Atmosphäre in den Straßenschluchten helfe dabei.

Liberty plant daher weitere Rennen in den Metropolen dieser Welt - einen Großteil des Rennkalenders, glaubt Tilke, werden diese aber nie einnehmen. «Weil es nicht einfach ist, Stadtkurse durchzusetzen», sagt er, "politisch regt sich oft Widerstand."

Kopenhagen ist so ein Beispiel. Für Dänemarks Hauptstadt hatte Tilke die Strecke bereits geplant, «das wäre sehr besonders geworden», sagt er. Letztlich stellte sich die Stadt angesichts der hohen Kosten allerdings quer: «Der Aufwand ist eben sehr hoch, und deshalb werden Stadtkurse wohl nie zur Regel werden. Aber ein paar kommen sicherlich noch.» Für einige der etablierten Strecken ist dann in Zukunft schlicht kein Platz mehr.

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