Wenn der russische Sommer lockt
Der Kampf um die Plätze im WM-Kader beginnt: die Schweizer Fussball-Nati im Formcheck

In den Testspielen in Griechenland und gegen Panama wollen sich die Spieler im Kader für die WM im Sommer empfehlen. So ist der aktuelle Formstand:

Raphael Gutzwiller
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Haris Seferovic
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Dimitri Oberlin
Mario Gavranovic
Breel Embolo
Josip Drmic
Steven Zuber
Schweizer Fussball-Nati
Granit Xhaka
Remo Freuler
Fabian Frei
Gelson Fernandes
Blerim Dzemaili
Valon Behrami
Fabian Schär
Ricardo Rodriguez
François Moubandje
Michael Lang
Nico Elvedi
Der langjährige Schweizer Nationalverteidiger Johan Djourou stand erstmals seit Oktober wieder in einem Pflichtspiel im Einsatz
Manuel Akanji
Yann Sommer
Roman Bürki
Eren Derdiyok
Admir Mehmedi
Denis Zakaria
Xherdan Shaqiri

Haris Seferovic

Keystone

Die Vorfreude auf die in rund drei Monaten startende Weltmeisterschaft in Russland ist Nationaltrainer Vladimir Petkovic noch nicht anzusehen. Er sagt aber: «Innerlich freue ich mich schon. Das ist bei den Spielern sicher noch anders, die jedes Wochenende im Verein wichtige Spiele bestreiten. Der Staff und ich können uns intensiver mit der Weltmeisterschaft beschäftigen.»

Für eine Woche steht die Nationalmannschaft nun aber auch für die Spieler im Zentrum. Es stehen zwei Testländerspiele an, die im Hinblick auf die WM Aufschluss geben sollen. Die Schweiz spielt am Freitag in Griechenland (20 Uhr) und am Dienstag in Luzern gegen Panama (19 Uhr). Petkovic stellt klar: «In der Nationalmannschaft gibt es keine Freundschaftsspiele. Man muss jedes Länderspiel so ernst nehmen, als wäre es ein Turnier an einer Endrunde.»

Irritation um Shaqiri

Dennoch: Im Aufgebot für die beiden Testspiele fehlen einige arrivierte Nationalspieler. Xherdan Shaqiri, Denis Zakaria, Admir Mehmedi und Eren Derdiyok melden sich allesamt verletzt ab. Insbesondere die Verletzungspause von Shaqiri irritiert. Für seinen Klub Stoke City stand er nämlich am Tag nach der Bekanntgabe des Schweizers Kaders 76 Minuten gegen Everton (1:2) auf dem Platz. Petkovic: «Xherdan ist verletzt, setzte aber alles daran, auf dem Platz stehen zu können. Nun muss er die zwei Wochen nutzen, um sich gut zu erholen. Eine solche Pause hat er bis zur WM nicht mehr.»

Bis Mitte Mai muss Petkovic eine erste Liste mit 35 Spielern bei der Fifa einreichen. Am Ende schaffen es aber nur 23 Spieler in das WM-Kader. In den Testspielen in Griechenland und gegen Panama wollen sich die Spieler im Kader für die WM im Sommer empfehlen. So ist der aktuelle Formstand:

Roman Bürki (Dortmund)

Der 27-jährige Torhüter ist in Dortmund umstritten, weil seine Leistungen zu inkonstant sind. Nach einem schwachen Saisonstart hat sich Bürki wieder gefangen. 2018 hat Dortmund in der Bundesliga nie verloren, ist jedoch aus der Europa League ausgeschieden. Neben Bürki steht auch noch Marwin Hitz (30) vom FC Augsburg bereit.

Yann Sommer (Mönchengladbach)

Keine einfache Zeit für Sommer und seinen Klub Mönchengladbach: Mit Gladbach hat er im Jahr 2018 von zehn Spielen nur zwei gewonnen. Immerhin kam der 29-Jährige fast immer zum Einsatz und ist in der Nationalmannschaft für die WM als Stammgoalie gesetzt.

Manuel Akanji (Dortmund)

Akanji wechselte in der Winterpause von Basel zu Borussia Dortmund. Viele dachten, Akanji würde seinen sicheren WM-Platz riskieren. Doch bei Dortmund kam der 22-Jährige zuletzt zu drei Startelfeinsätzen in Folge in der Bundesliga. Wenn er bei Dortmund häufig spielt, sind seine Chancen auf einen WM-Stammplatz sehr gut.

Johan Djourou (Antalyaspor)

Wegen einer Knieverletzung hatte der 31-jährige Innenverteidiger in der Barrage gegen Nordirland Forfait geben müssen. Inzwischen ist er wieder fit und kam bei seinem Verein Antalyaspor, der mitten im Abstiegskampf steckt, zuletzt vermehrt zum Einsatz. Durch die guten Leistungen von Akanji muss Djourou aber um seinen WM-Stammplatz bangen.

Nico Elvedi (Mönchengladbach)

Bei Mönchengladbach spielt der Verteidiger immer. Seine Leistungen waren jedoch schon überzeugender als in diesem Jahr. Gladbach hat 2018 erst zwei von zehn Spielen gewonnen. Der 21-jährige Innenverteidiger könnte im Hinblick auf die WM der grosse Profiteur sein, wenn Schär und Djourou in ihren Vereinen nicht regelmässig spielen.

Michael Lang (Basel)

Beim FC Basel hat der 27-Jährige aus St. Gallen keine einfache Zeit. Der FCB befindet sich in der Krise. Immerhin spielt Lang stets und ist in dieser Saison so treffsicher wie noch nie. Er schoss auch den Siegtreffer des FCB im Rückspiel des Champions-League-Achtelfinals gegen Manchester City (2:1).

Stephan Lichtsteiner (Juventus)

Der Aussenverteidiger bereitete zum Weiterkommen von Juventus Turin in der Champions League den entscheidenden Treffer gegen Tottenham vor. In der Nati ist der 34-jährige Captain noch immer unersetzlich. Kürzlich gab er bekannt, dass er bis 2020 im Nationalteam bleiben möchte.

François Moubandje (Toulouse)

Bei Toulouse in der Ligue 1 kam Moubandje (27) zuletzt wieder vermehrt zum Einsatz. Nach seiner Sprunggelenksverletzung schaffte er es teilweise nicht mehr in die Startelf. Jetzt kehrt er auch in der Nationalmannschaft zurück. Dort ist er hinter Ricardo Rodriguez weiterhin nur zweite Wahl.

Ricardo Rodriguez (Milan)

Rodriguez (25) schied in der Europa League mit Milan gegen Arsenal aus. Die entscheidende Szene: ein erfundener Penalty gegen Rodriguez. Abgesehen davon läuft es im Verein für ihn gut. Seit Milan-Legende Gattuso das Traineramt übernommen hat, geht es aufwärts. Im Klub wie in der Nati als Linksverteidiger gesetzt.

Fabian Schär (La Coruña)

Der Wechsel des Innenverteidigers von Hoffenheim zu La Coruña schien sich auszuzahlen. Seit Saisonstart hatte der 26-Jährige einen Stammplatz. Dann wurde er zum Opfer eines Trainerwechsels. Schär verlor seinen Stammplatz. Für die Weltmeisterschaft ist er dennoch eigentlich gesetzt.

Valon Behrami (Udinese)

Der Tessiner steht aktuell wegen seines Liebesglücks mit Skifahrerin Lara Gut im Zentrum. In dieser Saison hat der zweikampfstarke Mittelfeldspieler einige Verletzungen erlitten: Oberschenkelentzündung, Muskelverletzung und zuletzt eine Muskelermüdung. Für die Nati ist Behrami (32) nicht nur auf dem Feld unersetzlich, sondern auch daneben als Teamleader.

Blerim Dzemaili (Bologna)

Den Stammplatz in der Nationalmannschaft drohte der offensive Mittelfeldspieler mit schwachen Leistungen zum Ende der Qualifikationskampagne zu verlieren. Deshalb wechselte der 31-Jährige von Montreal zurück zu Bologna. Dort will er sich für die WM empfehlen.

Gelson Fernandes (Frankfurt)

Egal, in welchem Team Gelson Fernandes (31) ist: Er ist der Mann für die gute Stimmung. Das ist er seit Jahren in der Nationalmannschaft, auch wenn er nur kurzzeitig Ansprüche auf einen Stammplatz stellen konnte. Bei Frankfurt wechselt er derzeit zwischen Startelf und Ersatzbank ab. Im Nationalteam behält er die Rolle des Reservisten.

Fabian Frei (Basel)

Nach seinem Wechsel von Mainz zum FC Basel ist Frei (29) in der Krise angekommen. Der FCB liegt 16 Punkte hinter Leader YB und könnte diese Saison titellos bleiben. Frei selber setzte im Mittelfeld wenig Akzente und spielte zuletzt in der Innenverteidigung. In der Nati dürfte er kaum über die Rolle des Ergänzungsspielers hinauskommen.

Remo Freuler (Atalanta)

Der ehemalige Luzerner ist kein Spektakelspieler. Bei seinem Verein Atalanta Bergamo ist der zentrale Mittelfeldspieler aber unverzichtbar. In der letzten Saison war Freuler (25) ein wichtiger Grund für den Höhenflug von Bergamo in der Serie A, und auch in dieser Saison kämpft Bergamo wieder um einen Europa-League-Platz.

Granit Xhaka (Arsenal)

Wenn ein Klub wie Arsenal einen Champions-League-Platz deutlich zu verpassen droht, hagelt es Kritik. Insbesondere Xhaka (25) musste einiges einstecken. Er spielt bei Arsenal immer, überzeugte zuletzt aber nur selten. Die Nati ist auf Xhaka in Topform angewiesen, will sie an der WM weiterkommen.

Steven Zuber (Hoffenheim)

Seit der 2:5-Niederlage gegen die Bayern Ende Januar stand Zuber (26) nie mehr in der Hoffenheimer Startelf. In den letzten sieben Runden spielte er lediglich 38 Minuten. Damit ist die gute Ausgangslage für einen WM-Stammplatz gefährdet.

Josip Drmic (Mönchengladbach)

Kaum hatte Drmic (25) von Nationaltrainer Petkovic das Aufgebot erhalten, zeigte er das gesteigerte Selbstvertrauen im Klub. Für Gladbach erzielte er gegen Hoffenheim (3:3) sein allererstes Saisontor. Es ist die Befreiung nach einer langen Durststrecke mit Verletzungen und auf der Ersatzbank.

Breel Embolo (Schalke 04)

Embolo (21) läuft es in Königsblau gut. Schalke 04 reitet auf der Erfolgswelle und belegt in der Bundesliga den zweiten Rang. Embolo kommt nach seiner schweren Verletzung immer besser in Fahrt und pendelt aktuell zwischen Stammelf und Ersatzbank.

Mario Gavranovic (Dinamo Zagreb)

Auf der Suche nach einer Alternative zu Seferovic im Sturm fällt immer wieder der Name von Gavranovic (28). Kein Wunder: Er ist ein Torgarant. In dieser Saison hat er für seine Vereine Rijeka und Dinamo Zagreb wettbewerbsübergreifend in 34 Spielen 18 Tore erzielt. Er will sich nun für einen WM-Stammplatz aufdrängen.

Dimitri Oberlin (Basel)

Als Oberlin (20) an den FC Basel ausgeliehen wurde, hatte er gehofft, dass er bald zum Kreis der Nationalmannschaft gehören würde. Vor allem mit guten Leistungen in der Champions League hat er sich das Aufgebot verdient. Für den Stürmer ist es eine Kennenlernwoche in der Nationalmannschaft.

Haris Seferovic (Benfica)

Seferovic (26) ist der Beweis, dass der Fussball schnelllebig ist. Nach dem Wechsel des Surseers im Sommer von Frankfurt zu Benfica Lissabon schoss er Tor um Tor. Das ist vorbei. Seit November ist er bei Benfica ausser Rang und Traktanden gefallen, in den letzten 17 Runden spielte er nur 34 Minuten.

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