Super League

Der gezähmte Trainer – fehlen Ludovic Magnin und dem FCZ die Emotionen?

Ludovic Magnin und der FC Zürich stecken in einer Krise.

Der FC Zürich steht vor dem Klassiker gegen Basel unter Druck. Dass es dem FCZ an Emotionen fehlt, habe vielleicht mit dem Trainer zu tun, sagt Trainer Ludovic Magnin.

Ludovic Magnin braucht nicht lange nachzudenken. Dann sagt er: «Gegen Leverkusen!» Es ist die Antwort auf die Frage, in welchem Spiel er zum letzten Mal mit der Leistung seiner Mannschaft rundum zufrieden gewesen sei.

Es war tatsächlich eine starke Leistung, die der FC Zürich am 25. Oktober 2018 abgerufen hatte und für die er in der Europa League mit einem 3:2-Erfolg über Leverkusen belohnt wurde. Mit dem ersten Sieg des FCZ überhaupt gegen einen Bundesligaklub.

Seither haben die Zürcher weitere 22 Pflichtspiele bestritten, sind aber nie mehr an das Niveau ihrer damaligen Vorstellung herangekommen. Kein Wunder, sind die Ergebnisse entsprechend mager ausgefallen. In 15 Super-League-Partien gab es noch vier Siege und in fünf Europa-League-Spielen neben vier Niederlagen ein Unentschieden.

«Mein Team hat einen guten Charakter»

Immerhin hielt sich der FCZ im Schweizer Cup, seinem Lieblingswettbewerb, mit zwei Zittersiegen gegen die unterklassigen Red Star und Kriens schadlos. Er darf deshalb darauf hoffen, wie in der letzten Saison eine ansonsten mittelmässige Saison mit dem Cupsieg retten zu können.

In drei Wochen geht es im Letzigrund gegen den FC Basel um den Finaleinzug.
Gegen den gleichen Gegner nun aber zuerst einmal an derselben Stätte darum, in der Meisterschaft Tritt zu fassen. Zwar steht der FCZ noch immer auf Platz vier, doch ist es angesichts der Dichte im Tabellenmittelfeld möglich, dass er schon am kommenden Sonntag nur noch Achter und in Sichtweite des Barrageplatzes ist. «Wir müssen ruhig bleiben. Dann wird alles gut kommen», sagt Magnin, «mein Team hat einen guten Charakter.»

Fehlende Frische im Kopf

Was sind die Gründe dafür, dass der FCZ in der Super League einfach nicht vom Fleck kommt? Magnin ist nicht derselben Meinung wie Thomas Bickel, Leiter Sport beim FCZ, der Defizite bei der Mentalität ausgemacht hat.

«Das ist mir zu einfach. Es sind viele kleine Faktoren für unsere Probleme verantwortlich. Zum Beispiel die grosse Anzahl an Pflichtspielen, die meine Mannschaft schon bestritten hat», sagt Magnin. Es fehle jedoch nicht etwa die Frische in den Beinen, sondern im Kopf. «Routine ist Gift. Wir schaffen es nicht mehr, Emotionen und Leben auf den Platz zu bringen.»

Der 39-Jährige will dabei nicht ausschliessen, dass dies sogar mit seinem eigenen Verhalten zusammenhängt. Beim Rückrundenstart in St. Gallen war er wegen Reklamierens und Wutausbrüchen vom Schiedsrichter auf die Tribüne gewiesen worden. «Seither bin ich ruhiger geworden. Der Trainer wurde gezähmt», sagt Magnin. Er vermutet, dies könnte der Grund dafür sein, dass es sein Team nun ebenfalls an Leidenschaft vermissen lasse. «Wollen wir eine verrückte Mannschaft sehen, braucht es auch einen verrückten Trainer», sagt Magnin. Ich werde deshalb wohl bald wieder der Alte sein.»

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