Leichtathletik
Das ist die schönste und beste Leichtathletin der Schweiz

Die U23-Europameisterschaften stehen vor der Tür. An diesem Wettbewerb wird die Schweizer Hürdensprinterin Lisa Urech als Favoritin gehandelt. Sie selbst freut sich auf den Wettkampf.

Dean Fuss, Bern
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Die schöne Hürdenspringerin trainiert mit dem SK Langnau
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Urech in Aktion
Lisa Urech bei ihrem schnellen Lauf in Lausanne.
Lisa Urech hat seit Jahren ein Piercing an der Unterlippe
Urech bei einer Medienkonferenz
Lisa Urech: Das ist die erfolgreichste Schweizer Leichtathletin
Lisa Urech
Lisa Urech führt die 18-köpfige Schweizer Delegation an.
Lisa Urech schaffte es in 8,02 über 60 m Hürden.

Die schöne Hürdenspringerin trainiert mit dem SK Langnau

Aargauer Zeitung

Während der bedeutendste Schweizer Sport-Export Roger Federer und sein Davis-Cup-Team in der Postfinance-Arena in Bern die Partie gegen Portugal vorbereiten, schlendert die aufstrebende Hürdensprinterin Lisa Urech gestern nach ihrem Training über den Rasenplatz im nur wenige hundert Meter entfernten Leichtathletik-Stadion Wankdorf.

In 12,62 Sekunden ins Ziel

Aufgrund der bevorstehenden U23-Europameisterschaften im tschechischen Ostrava (14. bis zum 17. Juli) und nach ihrem Exploit vom vergangenen Wochenende über 100 Meter Hürden in La Chaux-de-Fonds steht die bald 22-jährige Langnauerin im Mittelpunkt des Leichtathletik-Interesses. Umso mehr, als dass sie den seit 20 Jahren bestehenden Schweizer Rekord von Julie Baumann nicht nur brach, sondern regelrecht pulverisierte.

Mit ihrer Zeit von 12,62 Sekunden nahm Urech ihrer mittlerweile 47-jährigen Vorgängerin sagenhafte 14 Hundertstel ab. Und nicht nur das: Mit der Fabelzeit steht Urech aktuell auf Platz 4 der Jahresweltbestenliste. Nur die Amerikanerinnen Kellie Wells (12,50 und 12,58 Sekunden), Dawn Harper (12,58) und Danielle Carruthers (12,59) waren in diesem Jahr noch schneller gelaufen. Dennoch bleibt die sympathische Emmentalerin bodenständig: «Ich sehe mich nicht als Weltnummer 4. Dafür braucht es halt schon mehr als nur einmal so eine Zeit. Ich hoffe aber natürlich, künftig weiter so schnell zu laufen.» Unter den europäischen Läuferinnen war sie bisher gar klar die Schnellste.

Potenzielle Ablenkung gebannt

Entsprechend gut gelaunt war Lisa Urech: «Ich durchlebe gerade eine echte Erfolgswelle. Zuerst die tolle Zeit in Lausanne, am letzten Freitag erhielt ich dann den Bescheid, dass ich die Berufsmatura erfolgreich bestanden habe und am Sonntag dann der Schweizer Rekord.» Erleichtert sei sie nach der bestandenen Matur gewesen. «Der Kopf war danach schon etwas freier. Ich kann nun voll auf den Sport fokussieren.»

Mit dem Schweizer Rekord dürfte die Langnauerin eine weitere potenzielle Ablenkung aus dem Weg geräumt haben. «Im Winter fragten alle nach dem Rekord. Im Frühling habe ich dann im Training gespürt, dass es langsam Zeit wird. Nun bin ich schon erleichtert, dass es mir endlich gelungen ist.» Auskünfte zum Schweizer Rekord wird sie aber wohl auch in der nächsten Zeit geben müssen, denn nun stellt sich natürlich die Frage nach der Bestätigung dieser fantastischen Leistung. «Die Bestätigung der 12,62 Sekunden wird sicher nicht einfach. Für mich ist nun aber in erster Linie wichtig, die Basis um 12,80 zu festigen. Ich freue mich sehr auf die nächsten paar Jahre.»

An die U23-EM reist Urech aufgrund der letzten Ergebnisse als klare Favoritin. «Das ist für mich ein neues Gefühl. Ich bin zuvor noch nie als Favoritin an eine internationale Meisterschaft gereist», sagt sie lächelnd und fügt an: «Ich hoffe, dass ich auch diese Situation erfolgreich meistern kann.» In Ostrava wolle sie nicht zu fest an die Medaillen denken, sondern sich vielmehr auf den Weg zum Edelmetall konzentrieren. «Ich muss fokussiert bleiben und so weiter Arbeiten wie bisher, dann kommt es schon gut.» Dass sie als Aushängeschild der Schweizer Leichtathletik im Fokus des öffentlichen Interesses steht, nimmt die Langnauerin trotz ihrer erst knapp 22 Jahre gelassen und sagt routiniert: «Am Anfang war das grosse Interesse der Medien und auch der gesamten Öffentlichkeit schon ungewohnt. Aber das gehört einfach dazu.»

Zwischen Stuttgart und Bern

Die letzten drei Jahre trainierte Urech zeitweise in Stuttgart mit dem deutschen Coach Sven Rees. Seit 2010 trägt dieser die volle Verantwortung für sie. In dieser Zeit hat sie sich enorm weiterentwickelt und ihre persönlichen Jahresbestzeiten um 83 Hundertstel verbessert. Wo ihr Potenzial an eine Grenze stösst, weiss Urech nicht: «Ich bin noch jung, locker und freue mich auf das, was kommt.»

Bis zum Ende des Sommers wird sie weiterhin einen Teil der Woche in Stuttgart und den anderen Teil in Bern trainieren. Wie es danach weitergeht, weiss sie noch nicht so genau. «Ich will nach meiner Berufsmatur sicher auch weiterhin etwas neben dem Sport machen. Mit dem Entscheid für ein Studium will ich mir aber Zeit lassen.»

Urech muss Davis Cup auslassen

Für Urech gehts heute nach Stuttgart für ein dreitägiges Training und am Montag gleich weiter nach Ostrava. Obwohl ihr voller Terminkalender keinen Abstecher an die Davis-Cup-Partie zulässt, war die Langnauerin gestern Abend in der Postfinance-Arena anzutreffen. Weltstar Federer musste das Feld für die Diplomfeier der grossen Schweizer Zukunftshoffnung und ihrer Mitschülerinnen räumen.