Tour de France

Das Helfer-Schicksal der sechs Schweizer – krumme Buckel für die Stars

Kann einer der Schweizer an der Tour de France im Windschatten seiner Helfertätigkeit nach vorne fahren?

Kann einer der Schweizer an der Tour de France im Windschatten seiner Helfertätigkeit nach vorne fahren?

Insgesamt sechs Schweizer werden die Tour de France in Angriff nehmen. Sie werden – mit Ausnahme von Stefan Küng – vermutlich nur Nebenrollen spielen.

Michael Albasini steht vor seiner neunten Tour-Teilnahme. Er ist im Team von Orica-Scott mit seiner Routine ein unverzichtbarer Bestandteil. Der 36-Jährige wird in erster Linie dafür sorgen, dass die beiden Anwärter auf Spitzenklassierungen im Gesamtklassement, Simon Yates (Gb) und Esteban Chavez (Kol), sicher durch die Flachetappen kommen. Albasini wird vermutlich aber auch Gelegenheit erhalten, zwischendurch auf eigene Rechnung zu fahren. Er hat in den mittelschweren Etappen von den Schweizern wohl das grösste Potenzial für einen Coup. Ein Tour-Etappensieg fehlt dem Thurgauer noch im Palmarès. «Mal schauen, wie viel Freiraum bleibt. Während dreier Rennwochen kann sich viel verändern», sagt Albasini zu seiner Situation.

Der Thurgauer Michael Albasini nimmt zum neunten Mal an der Tour de France teil – er hat aber noch nie eine Etappe gewonnen.

Der Thurgauer Michael Albasini nimmt zum neunten Mal an der Tour de France teil – er hat aber noch nie eine Etappe gewonnen.

Frank, der letzte Helfer

Seit seinem Etappensieg an der Vuelta im vergangenen Jahr weiss auch Mathias Frank (30), dass er das Potenzial dazu hat, eine Etappe einer grossen Rundfahrt zu gewinnen. Doch persönliche Meriten sind für den Luzerner an der Tour de France zweitrangig. Seine Aufgabe ist klar. Er ist in den Bergen Helfer Nummer eins für den Leader des AG2R-Teams, Romain Bardet. Will der Vorjahreszweite den Titelverteidiger Chris Froome in den Bergen in Bedrängnis bringen, dann muss auch Mathias Frank auf der Höhe sein. Er sieht sich in den Steigungen denn auch als letzter Begleiter Bardets. Im Windschatten seiner Helferdienste liegt für den Luzerner aber vielleicht sogar die Wiederholung seines achten Gesamtrangs aus dem Jahr 2015 drin. Damals war er allerdings im IAM-Team selber Teamleader. Über seinen aktuellen Formstand sagt Frank: «Ich bin nicht weit weg von meinem besten Niveau.»

Mathias Frankist in den Bergen Helfer Nummer eins für Romain Bardet.

Mathias Frankist in den Bergen Helfer Nummer eins für Romain Bardet.

Stefan Küng stark im Zeitfahren

Im BMC-Team stehen gleich drei Schweizer Fahrer im Aufgebot. Neben Stefan Küng, der in den beiden Zeitfahren seine Stärken ausspielen darf, gehören auch Danilo Wyss (31) und Michael Schär (30) zu den acht Profis, die ihren Teamleader und Tour-Mitfavoriten Richie Porte auf dem Weg zum Triumph möglichst effizient unterstützen sollen. Schär gilt als einer der besten «Bodyguards» im Fahrerfeld. Er hat ein spezielles Gespür für die zum Teil hektischen Rennmomente in den Flachetappenund versteht es glänzend, seineTeamleader vor gefährlichen Situationen zu beschützen. Dasselbe gilt für den Freiburger Allrounder Wyss, der zum zweiten Mal an der Tour de France teilnimmt.

Das sind Stefan Küngs Konkurrenten:

Reto Hollenstein (31) rundet im in der Schweiz lizenzierten Katjuscha-Alpecin-Team das halbe Dutzend Schweizer Profis ab, die in den kommenden drei Wochen primär den Buckel krumm machen müssen für ihre Chefs. Der Thurgauer Hollenstein hofft, dass sich sein Teamkollege Tony Martin am ersten Tag das Leadertrikot schnappt und sein Team somit bereits am Sonntag mit der Verteidigung des begehrten Kleidungsstücks beschäftigt wäre. Allerdings schlagen zwei Herzen in der Brust des dritten Thurgauers im Tour-Feld. Stefan Küng wurde bei demselben Veloklub ausgebildet wie er (VC Fischingen). Deshalb könnte Hollenstein durchaus auch mit einem Triumph seines Landsmanns leben.

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