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Das grosse Comeback: Wie Beat Breu zum zweiten Mal die Tour de Suisse gewann

Beat Breu fliegt dem Ziel des Bergzeitfahrens in Heitersberg am 19. Juni 1989 richtiggehend entgegen.

Heute vor 30 Jahren machte Beat Breu einen wichtigen Schritt zu seinem zweiten Gesamtsieg in der Tour de Suisse 1989. In diesem Jahr ist der St. Galler zum 25. Mal dabei – im Auto

Eigentlich hätte Beat Breu die Schweizer Landesrundfahrt vier oder fünf Mal gewinnen können. Aber immer wieder kam etwas dazwischen. «1982 ‹verseggelten› mich die Welschen», so Breu. Zwei Jahre später liess er Teamkollege Urs Zimmermann den Vortritt. Ein anderes Mal geriet er im Wallis unter die Räder einer italienischen Übermacht. Umso grösser war Breus Freude, als es vor 30 Jahren acht Jahre nach dem ersten Gesamterfolg doch noch einmal klappte.

1989 war Breu schon fast 32-jährig. Nach den epochalen Triumphen 1982 an der Tour de France mit den Siegen in Alpe d’Huez und in den Pyrenäen war es um den Ostschweizer Kletterer ruhiger geworden. Aber er zählte auch vor 30 Jahren zu den Favoriten an der Tour de Suisse. In einem Bergzeitfahren von Baden auf den Heitersberg holte er sich – am 19. Juni 1989 – das Leadertrikot zurück. Im Auto, das Breu folgte, sass Eddy Merckx, der bis heute beste Rennvelofahrer. «Aus lauter Angst bin ich noch ein bisschen schneller gefahren», sagt Breu heute.

Der böse Traum

Merckx war in der Schweiz, weil er Breus Mannschaft mit Velos ausrüstete. Breu aber verwendete im Bergzeitfahren ein anderes Modell, eines aus der Schmiede des Thurgauers Alois Lang. Für viel Geld liess Merckx hernach für seinen Schweizer Schützling ebenfalls ein Spezialvelo herstellen. «Aber so gut wie jenes aus der Ostschweiz war es bei weitem nicht», so Breu.

Einen Tag nach dem Bergzeitfahren stand der Aufstieg nach Arosa auf dem Programm. Breu beendete die siebte Etappe unmittelbar hinter dem Spanier Miguel Indurain auf Rang drei und verteidigte den ersten Platz im Gesamtklassement.

Breu dachte, jetzt sei das Schwierigste geschafft. Aber er hatte noch viele Klippen zu umschiffen, bis er Zürich zum zweiten Mal als Gesamterster erreichte. Einmal verschlief seine Equipe den Start. Deshalb war er auf der Fahrt nach Bellinzona auf die Hilfe seines Freundes Erich Mächler angewiesen, der für ein anderes Team fuhr. Breu schlief hernach nicht gut und träumte, wie ihn die Mannschaft des Sportlichen Leiters Paul Köchli mit Niki Rüttimann und dem Kanadier Steve Bauer entthronte.

Während der Fahrt durchs Wallis, wo er die Tour schon einmal verloren hatte, geriet Breu auch 1989 wieder gewaltig unter Druck. Vor allem dank seines tempofesten Helfers Thomas Wegmüller zog er den Kopf noch einmal aus der Schlinge. Zur Belohnung gab es für Breu nach der neunten von insgesamt elf Etappen einen Helikopterflug ums Matterhorn. «Das hatte mir der Zermatter Präsident versprochen, falls ich das Leadertrikot erfolgreich verteidigen würde.» 1989 wurde Breu zum vierten Mal Bergpreissieger.

Die Last des gelben Trikots

Breu nahm 14-mal an der Tour de Suisse teil. 1980 musste er nach einem Sturz aufgeben. Während 15 Tagen trug er das Leadertrikot. Gleich häufig wie der grosse Italiener Gino Bartali und Alex Zülle, mit dem Breu die Schweizer Bestleistung teilt.

«Mit Gelb auf den Schultern zu fahren, ist schon schön. Aber auch sehr belastend. Wenigstens für mich. Denn ich hatte nie einen beruhigenden Vorsprung und war immer der Gejagte.»
In diesem Jahr ist Breu bereits zum 25. Mal an der Tour de Suisse. In einer gemütlicheren Rolle allerdings: als Gästefahrer im Auto. Da kann weniger dazwischen kommen.

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