Fussball

Das Corona-Virus führt gegen den Schweizer Fussball mit 1:0

Bleiben liegen: Gegen Bälle darf am Wochenende nicht gekickt werden.

Bleiben liegen: Gegen Bälle darf am Wochenende nicht gekickt werden.

Von den Profis in der Super League bis zu den Kleinsten und zu den Mädchen: Der Verband hat sämtliche Spiele verschoben.

War es wirklich unumgänglich, gleich den ganzen Spieltag abzusagen? Während in allen Nachbarländern der Ball rollt (in Italien teilweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit), stellt der Schweizer Fussball seinen Betrieb vorerst gänzlich ein. Die Swiss Football League hat die 24. Runde ebenso auf einen späteren Termin verlegt wie der Verband die in der nächsten Woche angesetzten Viertelfinalspiele im Schweizer Cup.

«Die Liga hat alles richtig gemacht», sagt Markus Lüthi. Der Präsident des FC Thun warnt davor, den Verantwortlichen eine Überreaktion vorzuwerfen. «Ich selber bin mit der Situation und der Einschätzung rund um dieses Corona-Virus überfordert und hüte mich davor, etwas dazu zu sagen», sagt Lüthi. Dass die Liga nach dem Entscheid des Bundesrates schnell entschieden und darauf verzichtet habe, die Klubs einzubinden, findet Lüthi nur logisch.

«Es brauchte einen schnellen Beschluss. Da war es nicht möglich, mit allen Vereinen darüber zu diskutieren, was denn nun das Beste sei. «Die Liga hat die Situation bestens gemeistert.»

Die Tickets behalten ihre Gültigkeit

Am Montag wird sie zusammen mit den Klubs besprechen, wie es weitergehen könnte. Lüthi lässt durchblicken, dass er, wenn immer möglich, gegen Geisterspiele sei. Auch der FCZ geht davon aus, dass abgesagte Partien irgendwann mit Publikum nachgeholt werden. Er twitterte: «Wir bitten sämtliche Fans, welche bereits ein Ticket für das Spiel zwischen YB und dem FCZ erworben haben, dieses aufzubewahren. Sie behalten auch bei der Neuansetzung der Partie ihre Gültigkeit.»

«Geisterspiele waren in den Beratungen des Komitees der Swiss Football League am Freitagmorgen nur am Rand ein Thema», sagt Kommunikationschef Philipp Guggisberg. Aus sportlichen wie aus wirtschaftlichen Gründen. Er räumt ein, dass der Bundesratsentscheid, Anlässe mit über 1000 Zuschauern wegen zu grosser Ansteckungsgefahr bis zum 15. März zu verbieten, überraschend gekommen sei. Weil es aber diese oberste Instanz war, die so entschieden habe, mag sich Guggisberg auch nicht auf eine Diskussion einlassen, warum in der Bundesliga gespielt wird und in der Schweiz nicht.

Mit der weiteren Planung muss er sich aber schon beschäftigen. «Etwas Luft im engen Terminplan haben wir noch», sagt Guggisberg. «Aber klar, irgendwann müsste man dann auch Geisterspiele ins Auge fassen.»

Und ein weiteres Schreckgespenst diskutieren: Was passiert eigentlich, wenn sich ein Spieler mit dem Corona-Virus infiziert und möglicherweise die ganze Mannschaft unter Quarantäne gestellt wird? «Dieses Worst-Case-Szenario steht am Montag ebenfalls auf der Traktandenliste, wenn wir mit den Vereinen die Lage neu beurteilen», sagt Guggisberg. Es wäre so etwas wie der Supergau.

Amateurfussball darf nicht in den Frühling starten

Fussballfans, die glaubten, sie könnten am Wochenende auf Partien im Amateurfussball ausweichen, wurden am Freitagabend vom Verband eines Besseren belehrt. Er teilte mit, dass sämtliche Meisterschafts- und Freundschaftsspiele auf Rasen und in der Halle der Männer, Frauen und Junioren, der Ersten Liga, der Amateur Liga und der Regionalverbände verschoben seien.

So bleiben am Fernsehen übertragene Spiele aus dem Ausland die letzte Rettung. Wie am Sonntagabend die Hits Juventus gegen Inter und Real Madrid gegen Barcelona. Zu sehen beim «Teleclub», der jeweils auch alle Super-League-Partien live überträgt und deshalb von deren Absagen besonders stark betroffen ist. Claudia Lässer, «Leiterin Teleclub Sport und Teleclub Zoom», sagt: «Die kurzfristig getroffenen Massnahmen sind für uns absolut nachvollziehbar. Aus Sicht eines Fernsehveranstalters würden wir es indessen vorziehen, wenn künftige Spiele vor leeren Rängen stattfinden und von uns für das Publikum zu Hause produziert werden könnten, als sie gar nicht auszutragen.»

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