Fifa Youth Cup
«Das beste Junioren- Turnier der Welt» – auch David Beckham machte hier halt

David Beckham, Bobby Charlton, George Best. Der Blue Stars/Fifa Youth Cup war schon oft das Sprungbrett zur Weltkarriere. Ein Augenschein am Ursprung der grossen Träume.

Thomas Renggli
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Johan Vonlanthen (l.) und Erich Vogel im Gespräch während des Blue Stars/Fifa Youth Cups.

Johan Vonlanthen (l.) und Erich Vogel im Gespräch während des Blue Stars/Fifa Youth Cups.

FIFA via Getty Images

Jean-Marie Conz erzählt vom letzten Titelgewinn der Young Boys, Erich Vogel erklärt in einem Schnellreferat den Fussball, Johan Vonlanthen schaut vorbei, um am Ende einer nervenaufreibenden Saison mit dem FC Wil ein wenig internationales Ambiente zu erleben und Jean-Paul Brigger vertritt in Abwesenheit seines Vorgesetzten Gianni Infantino die Walliser Fraktion des Weltfussballverbandes.

Der Blue Stars/Fifa Youth Cup rückt die Sportanlage Buchlern von der Zürcher Peripherie für anderthalb Tage ins Zentrum des internationalen Fussballgeschäfts. In diesem Jahr schicken über Auffahrt unter anderem die Traditionsvereine Benfica Lissabon, West Ham United, RSC Anderlecht und Olympique Lyon ihre U19-Teams nach Zürich.

Egoismus im Schweinwerferlicht

Dabei steht traditionsgemäss neben dem Teamgedanke das persönliche Interesse der Youngster im Vordergrund. Unter den rund 15 000 Zuschauern finden sich überproportional viele Talentscouts und Spieleragenten. Wie viele es genau sind, wissen nicht einmal die Veranstalter. Denn zum Scouting gehören auch Diskretion und mediale Zurückhaltung. Schliesslich will man der Konkurrenz nicht auf die Sprünge helfen.

79. Blue Stars/Fifa Youth Cup

Final:

Lyon - Anderlecht 1:0.

3./4. Platz:

GC - FC Zürich 0:1.

5./6. Platz:

West Ham United - Benfica Lissabon 3:1.

7./8. Platz:

Mainz - Santa Fe (COL) 1:1, 8:7 n. Pen.

9./10. Platz:

St. Gallen - Blue Stars 4:0.

Der Mexikaner David Gomez Acevedo, mit gegelten Haaren, dunkler Sonnenbrille und Viertagebart der optische Inbegriff des Schattenmanns, lässt sich zumindest oberflächlich in die Karten blicken: «Bei der Talentsichtung geht es neben der Beurteilung der spielerischen Klasse um Faktoren wie Persönlichkeit und Ausstrahlung».

Was dies konkret heisst, erklärt der Schweizer Trainer Markus Frei, seit 2016 Leiter des Ostschweizer Nachwuchsförderungsprojekts «Footeco»: «Die Teamfähigkeit wird bei solchen Anlässen auf die Probe gestellt. Im Wissen, dass sie hier genau beobachtet werden, agieren viele Spieler egoistisch – und exakt dies spricht nicht für positive Charaktereigenschaften».

Begegnung mit der Vergangenheit

So genau wie Frei blickt auch FCZ-Stürmertrainer Petar Aleksandrov den jungen Spielern auf die Füsse. In diesem Jahr macht der zweifache Schweizer Torschützenkönig eine Beobachtung, die sein Stürmerherz schmerzen muss: «Die Teams spielen defensiv disziplinierter und konsequenter als früher. Dementsprechend fallen weniger Tore».

Im Fokus des Interesses stehen vor allem jene Spieler, die man höchstens vom Hörensagen kennt – allen voran die Kolumbianer von Independiente Santa Fe: «Die Kolumbianer agieren dynamischer als noch vor einigen Jahren», sagt Erich Vogel. Für Johan Vonlanthen, den Schweizer mit kolumbianischen Wurzeln, ist das Gastspiel von Santa Fe auch eine Begegnung mit der Vergangenheit: «Ich kenne den Trainer aus gemeinsamen Zeiten beim kolumbianischen Klub Itagüí Ditaires».

Die Mannschaft von Olympique Lyonnais jubelt nach ihrem Sieg im Final gegen die RSC Anderlecht.

Die Mannschaft von Olympique Lyonnais jubelt nach ihrem Sieg im Final gegen die RSC Anderlecht.

Keystone

Mit dem Assistenztrainer der Südamerikaner unterhält sich Vonlanthen in breitem Berndeutsch: «Das ist Davide – er stammt aus Bern und hat eine Kolumbianerin geheiratet.» Dies weckt das Interesse von Erich Vogel: «Es ist von Vorteil, wenn man eine Schweizer Anlaufstelle direkt vor Ort hat.» Ob aus dem kolumbianischen Kontakt dereinst ein Geschäft wird, muss sich weisen.

Bei anderen war der Erfolgsweg vorgespurt: 2013 fegte Adnan Januzaj, das belgische Ausnahmetalent von Manchester United, wie ein Orkan über die Buchlern. Zwei Jahre später machten zwei Söhne von berühmten Vätern in den Reihen von Bayern München Werbung in eigener Sache: Lucas Scholl und Gianluca Gaudino.

Erste Schritte der Ikone

Untrennbar mit der Geschichte des Anlasses ist vor allem Manchester United verbunden. 1954 reisten die Red Devils (mit dem Manager der ersten Mannschaft, dem legendären Sir Matt Busby) das erste Mal an – und gewannen prompt.

Seither sind 17 weitere Siege dazugekommen. Klublegende Sir Bobby Charlton, Weltmeister, Meistercupsieger und Ikone des Weltfussballs, war 1954 am Turnier dabei. Er räumt dem Anlass grössten Stellenwert ein: «Der Youth Cup ist das beste Junioren-Turnier der Welt. Wenn ich im Museum im Old Trafford die Trophäen betrachte, die wir in Zürich gewonnen haben, bin ich immer besonders stolz.»

David Beckham: Auch diese Ikone machte in Zürich halt.

David Beckham: Auch diese Ikone machte in Zürich halt.

KEYSTONE/AP Invision/EVAN AGOSTINI

Kaum einer der wichtigsten Spieler von Manchester United hat in seiner Karriere nicht am Blue Stars/Fifa Youth Cup teilgenommen. Nicht alle konzentrierten sich aber nur auf den Fussball: «Das Essen ist nicht so gut, aber die Mädchen sind fabelhaft», schrieb 1954 George Best seinen Eltern aus Zürich. In den 1990er-Jahren machte hier ein rotbackiger Jüngling auf dem Aufstieg zur internationalen Mode- und Lifestyle-Ikone halt: David Beckham.

Hoffnung auf die Entdeckung

Ob an Auffahrt der nächste Beckham am Youth-Cup zu sehen war, wird die Zukunft zeigen. Fakt aber ist: In der immer flächendeckenderen Vernetzung und dem höheren Rhythmus der internationalen Kommunikation gibt es unter den 18- bis 20-jährigen Fussballern nur noch selten spektakuläre Neuentdeckungen zu machen.

«Von den Spielern, die am Turnier auflaufen, haben praktisch schon alle einen Berater und einen Mehrjahresvertrag mit ihrem aktuellen Klub», sagt der Schweizer Agent Gianluca Di Domenico. Sein Branchenkollege Hans Peter Moser sieht es ähnlich: «In Europa gibt es in diesem Alterssegment kaum mehr überraschendes. Man kann hier aber gut beobachten, wie sich Spieler weiterentwickeln und im Wettkampf verhalten.»

Und trotzdem hoffen alle Agenten, Scouts und Manager, dass sie an Auffahrt 2017 in Zürich die Fussballgeschichte vorweggenommen haben. Schliesslich ahnte 1954 kaum jemand, dass Bobby Charlton dereinst von der Queen geadelt wird.