Interview

Dario Cologna: «Ich frage mich, ob das nötig war»

Dario Cologna hat seine gute Form in der Tour de Ski bisher noch nicht wie gewünscht in Resultate ummünzen können.

Dario Cologna hat seine gute Form in der Tour de Ski bisher noch nicht wie gewünscht in Resultate ummünzen können.

Der vierfache Schweizer Langlauf-Olympiasieger blickt den letzten Etappen der Tour de Ski optimistisch entgegen und will um den Tagessieg mitreden. Cologna fühlt sich besser in Form, als es sein zwölfter Zwischenrang erscheinen lässt. Für den Abschluss des Saisonhöhepunkts hat sich der 33-Jährige viel vorgenommen.

Wie fühlen Sie sich vor den abschliessenden drei Etappen der Tour?

Es geht mir gut.

Der Reizhusten ist kein Problem?

Bis jetzt nicht. Es hat sich gelohnt, mich im Sprint in der Lenzerheide zurückzuhalten. Nun, nach den beiden Rennen von Toblach, spüre ich eine gewisse Reizung der Bronchien. Aber noch kommt der Husten nicht, das ist positiv.

War der Reizhusten Ihre grösste Sorge, nachdem er im Anschluss an den Weltcup in Davos derart massiv auftrat?

Nach Davos habe ich gewusst, dass die getroffenen Massnahmen gegen den Husten nicht funktionieren. Klar hat man gehofft. Aber es ist ja nicht so, dass wir in den letzten zehn Jahren keine medizinischen Abklärungen gemacht haben. Deshalb musste ich auch vor diesem Winter realistisch sein. Ich war es nicht, der von einem Durchbruch sprach.

Der Husten beschäftigt Sie stärker als die Wade?

Wenn die Wade zumacht, kann ich nicht mehr laufen. Wenn der Husten kommt, geht es trotzdem noch. Aber es ist eine ziemliche Qual. Vor allem die Erholung leidet stark.

Sie haben bewiesen, dass die Form da ist. Umso mehr irritiert der 16. Rang am Neujahrstag über Ihre Paradestrecke 15 km Skating. Was war los?

Es war kein guter Tag, ich hatte von Beginn weg schwere Beine. Es passte nicht alles zu 100 Prozent zusammen, auch das Material nicht. Aber es erging auch anderen ähnlich. Simon Krüger, der Sieger von Davos, war in der Rangliste noch hinter mir. Es war irgendwie ein seltsames Rennen. Es gibt aber auch kaum eine Strecke, auf welcher die sich unterwegs bildenden Gruppen das Resultat derart verfälschen wie in Toblach. Gleichwohl habe ich auf Sieger Sergej Ustjugow eine halbe Minute zu viel verloren.

Dafür lief es am Mittwoch gut. Trainer Ivan Hudac schätzt Sie derzeit klassisch sogar stärker ein. Teilen Sie diese Ansicht?

In den letzten Jahren war ich sicher im Skating stärker. Aber wenn die Form stimmt, kann ich auch klassisch gut laufen. Ich hoffe, es passt auch am Freitag alles zusammen. Dann ist einiges möglich.

Der 12. Zwischenrang ist nicht das, was Sie sich vorstellen. Ich gehe davon aus, dass Sie in diesem Massenstartrennen attackieren wollen?

Sowieso. Das Rennen am Freitag ist sicher sehr wichtig für den Ausgang der Tour.

Trauen Sie sich den Sieg zu?

Ja, sonst wäre ich nicht hier.

Welche Rennform bevorzugen Sie eigentlich: Einzelstart oder Massenstart?

Fast lieber Massenstart, obwohl der Vorteil für ältere Läufer wohl eher beim Einzelstart liegt. Doch mir sagt zu, dass bei Rennen mit Massenstart die Taktik wichtiger ist.

Mit welchem Schlussrang an der Tour de Ski wären Sie zufrieden?

Ich will keinen Rang nennen. Ich nehme Rennen für Rennen und schaue dann, wohin das reicht. Erwartungen in Richtung Podest sind nicht realistisch, dafür ist der Abstand mit 1:17 Minuten etwas gross. Es müsste alles perfekt aufgehen und vorne liegen ja auch nicht Athleten, die schlecht in Form sind. Der vierte Platz hingegen ist nicht allzu weit weg.

Hilft Ihnen die Erfahrung von elf Tour-Teilnahmen in diesen letzten drei Etappen?

Ich weiss nicht, ob es wirklich ein Faktor ist. Wenn die Form stimmt, ist die Erfahrung wohl sekundär. Sie hilft mir dabei, wie ich mich für eine optimale Erholung zwischen den Rennen verhalten muss.

Auf wen tippen Sie als Gesamtsieger?

Ich würde auf den Russen Bolschunow setzen.

Am Wochenende kommt es auch für Sie zu zwei Neuerungen: Der Sprint am vorletzten Tag. Werden Sie sich erneut schonen?

Ob ich mehr riskiere, hängt vom Rennen am Freitag ab. Danach werde ich mich entscheiden. Um zeitlich im Sprint wirklich profitieren zu können, müsste ich es ins Halbfinale schaffen. Und das braucht sehr viel Kraft.

Zweite Neuerung ist das Massenstartrennen rauf auf die Alpe Cermis. Welchen Schlachtplan braucht es dafür?

Ich sehe das Problem eher vor dem Aufstieg. Die Strecke ist sehr eng. Auf dem ersten Kilometer im Stadion werden wohl alle versuchen, möglichst weit nach vorne zu kommen. Da muss man eine gewisse Ruhe bewahren. Aber ich weiss nicht, ob das alle gleich gut beherrschen. Wenn jemand mit der Brechstange in die Positionskämpfe reingeht, dann ist die Chance eines Sturzes sehr gross. Ich frage mich, ob dieses Format wirklich nötig war. Es ist auch viel schwieriger, die Übersicht punkto Gesamtwertung zu behalten.

Sie sind in diesem Winter stärker als in der vergangenen Saison. Stimmt der Eindruck?

Ich denke schon, das Gefühl ist besser als im Vorjahr.

Wo liegen die Gründe?

Es ist ja nicht so, dass es in der letzten Saison viel schlechter war. Ich lief ja auch damals regelmässig auf Ränge zwischen vier und zehn. Gründe sind oft schwierig zu benennen. Ich hätte auch im Herbst 2017 nicht voraussagen können, dass ich Olympiasieger werde und die Tour de Ski gewinne. Vielleicht war im Jahr nach Olympia tatsächlich etwas die Luft draussen. Nicht, dass ich nicht motiviert gewesen wäre, aber vielleicht spürte ich doch ein wenig die Müdigkeit.

Sie haben einige Dinge auf diese Saison hin geändert – etwa beim Krafttraining!

Ja, das Krafttraining habe ich grundlegend geändert. Es war mir wichtig für die Motivation, hier neue Wege einzuschlagen. Und auch bei den Trainingseinheiten haben wir punktuell Dinge geändert: kürzer und intensiver. Man versucht im Hinblick auf eine neue Saison immer, an den Punkten zu arbeiten, die nicht optimal waren. Es sind letztlich ein, zwei Prozent, die den Leistungsunterschied ausmachen. An diesen muss man arbeiten. Ich habe das Gefühl, das ist mir gut gelungen.

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