Super League
Daniel Hoegh: Der FCB ist für den Neuen immer noch «wie ein grosser Traum»

Für den Dänen ist der FCB die erste Station im Ausland. Es war überrascht, als der Basler «Grossklub» ihm ein Angebot unterbreitete. Nach längerem Nachdenken entschied er sich für die Super League - und ist bereits super ins Team integriert.

Sebastian Wendel
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Daniel Hoegh fühlt sich wohl in der Schweiz.

Daniel Hoegh fühlt sich wohl in der Schweiz.

Keystone

Es ist Mitte Juni, als Daniel Hoegh mit Koffer und Rucksack in der Ankunftshalle des Basler Flughafens steht und realisiert: «Hey, hier bleibe ich. Hier ist mein neues Zuhause.»

Zwei Stunden zuvor, als er in Kopenhagen das Flugzeug besteigt, fühlt sich alles noch so an wie jedes Mal, wenn er zuvor Dänemark verlassen hat: Dass er spätestens in ein paar Wochen wieder zurück ist, wieder mit der Freundin oder mit Kumpels durch das dänische Flachland radelt, sich mit seinen Geschwistern verabredet oder zum Abendessen bei den Eltern vorbeischaut. «Dass das nun nicht mehr einfach so möglich ist, fühlt sich schräg an – gleichzeitig aber auch richtig gut.»

Odense - für Hoegh mehr als nur ein Fussballklub

Daniel Hoegh, 24, stammt aus Odense. Eine Stadt mit 170 000 Einwohnern, 170 Kilometer westlich von Kopenhagen gelegen. Zahlreiche Museen, majestätische Schlösser, Fisch- und Schiffindustrie, weitläufige Landschaft. «Die pure Idylle, alles ist super dort», sagt er.

Als im Mai der FC Basel das erste Mal beim Innenverteidiger anklopft, lässt das diesen kalt – noch. «Weil ich schon vom Interesse vieler Klubs gehört habe, dieses aber jeweils wieder verflog. Und weil ich ehrlich gesagt sehr überrascht war, dass ein Klub wie Basel mich will.» Überrascht? «Bis dahin waren es nur unbekannte Klubs, die mich beobachtet haben. Zudem lag eine schwierige Saison hinter mir: Ich spielte bei weitem nicht so gut, wie ich das könnte. Ich hatte einfach nicht das Gefühl, dass nun der richtige Moment für einen Transfer sei.»

Doch der FCB bleibt dran. «Wow, ernsthaftes Interesse von einem Klub – das ist neu», denkt sich Hoegh und kommt ins Grübeln. Vor allem beschäftigt ihn die Frage: Will ich überhaupt weg aus Odense? «In Odense bin ich geboren, aufgewachsen, zur Schule, zum ersten Mal zum Fussball gegangen, zum Profi geworden. Hier sind meine Familie und meine Freunde, meine Freundin – mein Leben ist Odense! Für mich wäre bereits ein Wechsel nach Kopenhagen ein Abenteuer.»

Sein Umfeld motivierte ihn

Er führt lange Gespräche mit seinem Umfeld, die Meinung seiner Liebsten sei ihm sehr wichtig gewesen. Vor allem mit seinen drei Schwestern, denen Hoegh sehr nahe steht. Sie und alle anderen, mit denen sich Hoegh berät, ermuntern den Zögernden, diese einmalige Chance wahrzunehmen. «Sie sagten, ich könne jederzeit zurückkommen – aber einmal raus aus der Komfortzone, das tue jedem Menschen gut.»

Als gleichzeitig die Freundin ihren Job als Physiotherapeutin kündigt, um etwas Neues auszuprobieren, macht es bei Hoegh «Klick», und für das Paar steht fest: «Wir gehen nach Basel.»

Während wir uns im Trainingslager in Crans-Montana unterhalten, wandert Hoeghs Blick immer wieder zu den Bergketten. Er sagt: «Es gibt wohl keinen schöneren Ort, um ein Interview zu geben. Sie müssen wissen: Berge sind neu für mich. Bei uns in Dänemark ist alles flach.»

Als er erfährt, dass unten im Tal der FC Sion seine Heimat hat, schlägt er die Hände zusammen und sagt: «An so einem wunderbaren Ort Fussball zu spielen – was will man mehr? So freue ich mich umso mehr auf die Cupfinal-Revanche.» Er lehnt sich zurück in den Sessel und strahlt: «Ich habe alles richtig gemacht. Zum FCB zu kommen, war die beste Entscheidung meines Lebens.

«Die Verwunderung darüber, dass ihm ein «Grossklub» wie der FCB ein Angebot unterbreitet, hat sich inzwischen gelegt. «Das Niveau ist zwar höher als in Dänemark. Doch ist der Ball immer noch rund, wir spielen 11 gegen 11 und die Kollegen sind alle nett zu mir. Ich bin da, wo ich hingehöre.»

Im Team fühlt sich Hoegh wohl

Hoegh soll im Abwehrzentrum schnellstmöglich Fabian Schär vergessen machen, den es in die Bundesliga zu Hoffenheim gezogen hat. «Er war ein wichtiger und beliebter Spieler. Aber es ist wichtig, dass man nicht zu stark vergleicht – ich bin ich, er ist er.»

Warum die FCB-Verantwortlichen ausgerechnet ihn zum Schär-Nachfolger erkoren haben, erklärt Hoegh gleich selber: «Sie wollten einen Verteidiger, der hoch steht, einen anständigen Pass spielen kann und einigermassen schnell ist.» Seine 1,90 m Körperlänge seien dabei kein Nachteil: «Nehmen wir Usain Bolt: Der ist beim Start ebenfalls nicht der Schnellste – aber einmal in Fahrt, rennt er mit seinen grossen Schritten allen Gegnern davon.»

Als er dies sagt, zeigt er mit dem Finger auf Marek Suchy, der nebenan Billard spielt. Mit dem knallharten tschechischen Abräumer bildet er künftig das Innenverteidiger-Duo – Hoegh überzeugt: «Wir ergänzen uns perfekt.» Als Suchy merkt, dass er Thema ist, lacht er und ruft Hoegh zu: «Nicht reden – komm rüber und zeig, was du kannst!»

«Später», erwidert Hoegh und wendet sich wieder uns zu. «Sie sehen, ich bin schon voll integriert. Die Jungs machen es mir aber auch sehr einfach.» Erst Stammspieler, dann Champions League, dann Nationalmannschaft – in dieser Reihenfolge setzt sich Hoegh seine Ziele.

«Die Super League generiert bei Morten Olsen (dänischer Nationalcoach; d. Red.) zwar nicht mehr Aufmerksamkeit als die dänische Liga – ausser man spielt beim FCB und regelmässig in der Champions League. Glauben Sie mir, der FCB ist in Dänemark eine grosse Nummer.» Obwohl er seit der Landung in Basel realisiert hat, dass er nun dazugehört: Für Hoegh ist das Abenteuer FCB immer noch «wie ein grosser Traum».