Champions League
European Super League light durch die Hintertür – Widerstand gegen die Reform der Königsklasse wächst

Die Reform der Champions League ging leise über die Bühne. Doch auch sie wird scharf kritisiert – selbst von Topspielern wie Ilkay Gündogan. Schon seit Beginn kämpft die Schweizer Liga für eine bessere Reform.

Raphael Gutzwiller
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Ist gegen die Reform der Champions League: Ilkay Gündogan.

Ist gegen die Reform der Champions League: Ilkay Gündogan.

Bild: DPA/Keystone

Beerdigt ist sie noch nicht, die europäische Super League, aber ihr Grab ist längst ausgehoben. Real Madrid und Barcelona träumen zwar noch von der Liga, doch auch die amerikanische Investmentbank JP Morgan, welche die Liga hätte finanzieren sollen, hat sich zurückgezogen. Und so leckt die europäische Fussballwelt die Wunden nach einer durchzechten Woche.

Was sich tatsächlich geändert hat an der Königsklasse, ist in dieser Woche etwas in den Hintergrund gerückt. Ilkay Gündogan, deutscher Nationalspieler und Star von Manchester City, findet: «Bei all dem Super-League-Zeug, das passiert: Können wir bitte auch über das neue Champions-League-Format sprechen?» Am Montag hatte das Uefa-Exekutivkomitee einer Reform für die Champions League zugestimmt. «Das neue Format ist im Vergleich zur Super League nur der kleinere der beiden Teufel», so Gündogan. «Das derzeitige Format funktioniert gut, und es ist der Grund, warum die Champions League der beliebteste Klubwettbewerb der Welt ist – für Spieler und Fans.»

Unterstützung erhält Gündogan von den beiden Spitzentrainern Jürgen Klopp und Julian Nagelsmann. «Wer hat sich dieses Konzept durchgelesen und gedacht, dass das die ideale Lösung ist?», fragt Klopp. «Und wer will mir jetzt sagen, dass sich auch das nicht nur um Geld dreht? Es ist ein Witz.» Und Nagelsmann sagt: «Irgendwann, wenn zu viele Spiele im Fernsehen laufen, die Spiele aber nicht mehr gut sind, ist es nicht mehr sinnvoll.»

Kann mit der Reform wenig anfangen: Jürgen Klopp.

Kann mit der Reform wenig anfangen: Jürgen Klopp.

Lee Smith / Pool / EPA

Schweizer Liga freut sich über prominenten Support

Dass hochrangige Vereinsangestellte das Format ablehnen, ist neu. Doch es ist ein Support, der für die Schweizer Liga gerade recht kommt. «Wir finden es gut, wenn die Protagonisten, um die es geht, sich nicht den Mund verbieten lassen und sich öffentlich kritisch zur Reform äussern», sagt Claudius Schäfer, CEO der Swiss Football League. Schäfer sitzt im Vorstand der europäischen Profi-Ligen und hat sich an vorderster Front für eine bessere Reform der Königsklasse eingesetzt.

Kämpft an vorderster Front für die Anliegen der kleineren Ligen: Claudius Schäfer.

Kämpft an vorderster Front für die Anliegen der kleineren Ligen: Claudius Schäfer.

Toto Marti/Freshfocus

Für die kleineren Ligen sind diverse Punkte der Reform nicht gut. So nimmt durch die vielen Spiele die Wichtigkeit der Ligen im TV-Markt weiter ab. «Es besteht die Gefahr der Kannibalisierung. Wenn zu viele Spiele angeboten werden, ist die Chance gross, dass noch mehr Geld nur in die Champions League fliesst», so Schäfer. Ein anderer Punkt ist die Vergabe der zusätzlichen Plätze. «Wir haben drei Plätze für die Meister in der Qualifikation gefordert, aber nur einen bekommen», so Schäfer. Die zwei anderen gehen an Topklubs, welche die Qualifikation verpasst haben. Den vierten Platz erhält die fünftbeste Liga.

Die Reform kurz erklärt

Der angedachte Modus der Champions League ab 2024:

  • Statt wie bisher 32 Teams sind 36 mit dabei.
  • Vor den K.-o.-Runden werden sie nicht auf Gruppen verteilt, sondern spielen in einer Liga.
  • Jedes Team trägt zehn Spiele aus. Die Gegner werden aus Setztöpfen gelost.
  • Die besten Acht qualifizieren sich direkt für den Achtelfinal.
  • Die Teams auf den Plätzen 9 bis 24 spielen eine Playoff-Runde (mit Hin- und Rückspielen).
  • Die Anzahl Spiele nimmt zu. Neu gibt es 225 Gruppenspiele, bisher sind es 125.

Es geht um viel Geld für die kleinen Ligen

Zwar ist die Debatte über den Modus eigentlich durch. Doch Schäfer sagt: «Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.» Noch nicht beschlossen ist auch Frage nach der Verteilung der Gelder. Namentlich geht es um die sogenannten Solidaritätszahlungen. Eigentlich ist das Wort Solidarität falsch gewählt, es handelt sich um eine Kompensation, da während europäischer Spiele keine nationalen Partien stattfinden dürfen. Die Gelder werden an die Klubs ausbezahlt, die nicht europäisch spielen. Sie sind zweckgebunden und in den Nachwuchs zu investieren. Derzeit machen sie nur 4 Prozent der 3,5 Milliarden Euro aus, die in der Königsklasse ausbezahlt werden. Schäfer sagt: «Wir fordern, dass diese Gelder klar höher ausfallen.»

Der Kampf gegen die Super League ist gewonnen, jener gegen die Reform scheint in Fussball-Europa erst zu beginnen. Übrigens: Für die zwölf Klubs, welche die Super League gründen wollten, hat der Alleingang vorerst keine Konsequenzen: Sie werden von der Uefa nicht bestraft.