Enthüllungen im Spitzensport

Bundesrätin Amherd greift im Turnskandal durch: Gelder sollen anders verteilt werden

Bundesrätin Viola Amherd.

Bundesrätin Viola Amherd.

Nach dem Zwist im Spitzenturnen verlangt Viola Amherd Veränderungen. Sie möchte eine zentrale Meldestelle und will, dass Swiss Olympic ihre Gelder anders verteilt.

Athletinnen, die erzählen, wie sie so oft gedemütigt werden, dass sie in die Depressionen stürzen. Teenagerinnen, die alles dem Erfolg unterordnen müssen, auch die eigene Gesundheit. Die Enthüllungen von ehemaligen Spitzenturnerinnen des Kunstturnens und der Rhythmische Gymnastik sorgen für so grosse Bestürzung, dass sie die Politik auf den Plan ruft.

Bundesrätin Viola Amherd stellte am Dienstag im Gespräch mit den Verantwortlichen des Schweizerischen Turnverbands (STV) klar, dass sie solche Schlagzeilen nie mehr lesen möchte. «Es muss alles unternommen werden zum Schutz der jungen Sportlerinnen. Nicht nur im Turnen, sondern generell im Sport. Es besteht Handlungsbedarf», so Amherd. Sowohl die Vertreter des Turnverbandes wie von Swiss Olympic bedauerten gemäss Mitteilung das Geschehen und bekräftigten den Willen zur Veränderung.

Konkret soll die Einstufung der Sportarten durch Swiss Olympic, die finanziell entscheidend ist und sich bisher ausschliesslich nach dem sportlichen Erfolg orientiert, ändern. Künftig sollen Sportarten, die in diesem Bereich «besondere Anstrengungen» unternehmen, stärker unterstützt werden. Etwas ähnliches hat Erwin Grossenbacher, Präsident des STV gegenüber dieser Zeitung in einem Interview bereits gefordert. Durch diese Massnahme soll der Druck auf die Verbände sinken, sportlich stets Top-Resultate liefern zu müssen, um sich finanzieren zu können.

Des Weiteren setzt sich Viola Amherd für die Einrichtung einer unabhängigen nationalen Meldestelle für den Sport ein. Zwar kennen einzelne Sportverbände solche Meldestellen. Zu oft ist der Kontakt aber zu nah, Athletinnen oder Athleten befürchten Benachteiligungen. Wie genau die Meldestelle aussehen soll, ist noch offen. Möglich ist, dass eine national tätige Organisation eingesetzt wird. Damit wäre sie vergleichbar mit Antidoping Schweiz, die als unabhängige Stiftung zur Hälfte von Bund und Swiss Olympic finanziert wird.

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